LKR Bamberg
Interview

Rick Stafford über Erkrankung seines Sohnes: "Es war eine dunkle Zeit"

Vor zwei Jahren erkrankt der älteste Sohn des ehemaligen Bamberger Basketballers Rick Stafford an Leukämie. Wie geht es dem 17-Jährigen heute?
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"Meine Familie hat mit fantastisch unterstützt": Ricky Stafford (Mitte) mit Mutter Maren und Vater Rick Fotos: privat
"Meine Familie hat mit fantastisch unterstützt": Ricky Stafford (Mitte) mit Mutter Maren und Vater Rick Fotos: privat
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Es ist der 24. Februar 2014, als die Staffords erfahren, dass Sohn Ricky an Leukämie erkrankt ist. Ein Schock für die Familie, die nach ihrer Zeit in Bamberg wieder in den USA lebt. Es beginnt ein kräftezehrender Kampf mit mehreren Chemotherapien. Heute gilt der Blutkrebs bei dem 17-Jährigen als "zurückgedrängt". Er muss aber weiter Medikamente einnehmen. Ein Gespräch mit Vater und Sohn über die Krankheit, die Liebe zum Basketball und die Verbindung nach Bamberg.

Ricky, vor knapp zwei Jahren wurde bei Dir akute lymphatische Leukämie diagnostiziert. Wie geht es Dir heute?
Ricky: Aktuell geht es mir gut, ich fühle mich wunderbar. In meinem Alltag gibt es immer neue Fortschritte. Und ich kann in der Highschool wieder auf dem höchsten Niveau Basketball spielen. Das bedeutet mir wirklich sehr viel.

Wie hast Du die schwere Zeit mit den vielen Behandlungen erlebt?
Ricky: Es war sehr schwer. Aber meine Familie und meine Freunde haben mich fantastisch unterstützt. Auch der Basketball war immer bei mir. Ich habe zum Beispiel in meinem Krankenzimmer mit dem Ball gedribbelt, obwohl die Ärzte das nicht so toll fanden. Ich wusste die ganze Zeit: Du bist mit diesem Sport noch nicht fertig.

Du hast zuletzt wieder an der Highschool gespielt. Träumst Du von einer NBA-Karriere?
Ricky: Mein Traum ist es, Profi zu werden. Genauso wie mein Vater. Er ist mein Vorbild. Seit ich denken kann, wollte ich so werden wie er. Ich würde aber viel lieber in Deutschland spielen als in der NBA, genau wie er. Ich schaue mir regelmäßig den europäischen Basketball an.
Rick: Das stimmt. Manchmal sitzt er irgendwo im Haus mit seinem Smartphone und schaut sich Euroleague-Spiele an. Im Bundesstaat Utah ist Ricky wohl der Einzige, der sich so stark für den europäischen Basketball interessiert (lacht).

Der Papa dürfte sich als ehemaliger Bamberger Basketballer aber auch dafür interessieren ...
Rick: Ja, natürlich. Ich beobachte den europäischen Basketball und die Entwicklung bei den Brose Baskets regelmäßig.

Wie ist Dein Eindruck aus dem fernen Amerika?
Rick: Sehr positiv! Ich denke, Bamberg wird den Titel in diesem Jahr verteidigen. Das Team hat die Qualität, der Trainer hat die Qualität und das Umfeld sowieso. Außerdem bauen die Mannschaften der jugoslawischen Trainer zum Ende der Saison immer ab. Das werden Svetislav Pesic oder Sasa Obradovic zwar nicht so gerne lesen, aber das ist meine Meinung.

Einige Spieler des Bamberger Kaders stechen in dieser Saison besonders heraus. Gibt es Akteure, die Dich besonders beeindrucken?
Rick: Spieler wie Wanamaker, Theis oder Strelnieks spielen eine wirklich starke Saison. Wanamaker ist meiner Meinung nach sogar stärker einzuschätzen als Brian Roberts, der 2012 von den Brose Baskets direkt in die NBA gewechselt ist und zuletzt für Portland in den Play-offs aktiv war. Wanamaker hat aus meiner Sicht die bessere Physis und eine fantastische Ruhe im Aufbauspiel. Ich traue ihm den Schritt in die NBA zu.

Schafft es Ricky, Profi zu werden?
Rick: Das weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat er etwas, was ich nicht hatte: Fertigkeit und Geschick. Und der Junge kann werfen und mit dem Ball umgehen.

Dass Du heute über die Sport-Begabung deines Sohnes sprichst, ist nicht selbstverständlich. Wie hast Du die letzten zwei Jahre erlebt?
Rick: Es war eine schwere, dunkle Zeit. Aber wir haben uns als Familie aus dem Loch gegraben. Wir sind uns bewusst, dass es eine schlimme Krankheit ist, die zurückkommen kann. Und natürlich hat man immer auch dieses Gefühl im Bauch. Das ist ein Teil der Wahrheit.

Aktuell gilt der Krebs bei Ricky als zurückgedrängt ...
Rick: Ja, das hat uns sehr glücklich gemacht. Er muss aber regelmäßig zu Bluttests. Aktuell nimmt Ricky ein Medikament auf Probe, das funktioniert gut. Wir hoffen alle, dass der Krebs nicht wiederkommt.

Während der Behandlung wurdet Ihr auch durch die "Aktion Ricky" aus ganz Deutschland unterstützt. Wie eng ist die Verbindung nach Bamberg?
Rick: Wir haben noch immer mit Bambergern Kontakt, die uns schon damals freundschaftlich begleitet haben. Für uns ist Bamberg nicht nur ein Ort, wo der Familienvater irgendwann mal Basketball gespielt hat. Drei unserer Söhne sind dort geboren, unter anderem hat Ricky die dritte Klasse abgeschlossen. Für uns bedeutet Bamberg Heimat.


Die Ricky Stafford Story im Video





Kannst Du Dir vorstellen, nach Deutschland zurückzukehren?
Rick: Warum nicht? Ich bin sowieso kein Mensch, der ewig am selben Ort bleiben kann. Wir haben noch viele Pläne, unter anderem eine Weltreise. Und wer weiß: Vielleicht zieht es uns ja wieder nach Deutschland - als Familie oder als Paar, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Ricky, Du hast im Krankenhaus ein kleines Mädchen kennengelernt. Die Geschichte wurde auch von den US-Medien aufgegriffen.
Ricky: Ja, Edie war damals zwei Jahre alt, heute ist sie vier. Bei ihr wurde Leukämie kurz vor mir diagnostiziert. Irgendwann habe ich sie im Krankenhaus in ihrem Zimmer besucht. Seit diesem Tag sind wir Freunde.

Das Gespräch führte Christian Pack.


Hilfe aus ganz Deutschland: Erfolgreiche "Aktion Ricky"

Kurz nach Bekanntwerden der Krebserkrankung riefen die Brose Baskets die "Aktion Ricky" ins Leben. Damit sollte die Familie bei den Kosten für die Behandlung unterstützt werden.

Am 9. April 2014 gingen die ersten Beträge auf das von den Brose Baskets und dem Verein Basketball AID eingerichtete Spendenkonto ein. Fans aus ganz Deutschland, Spieler, ehemalige Aktive, Sponsoren, Betriebe, Vereine und Gemeinden überwiesen Beträge zwischen fünf und 2000 Euro. Knapp zwei Monate später war die Spendensumme bereits auf über 40.000 Dollar angewachsen. 6000 Euro wurden damals allein bei einem Bundesliga-Duell gegen den FC Bayern gesammelt.

In Geberlaune zeigten sich auch die Fans der Oettinger Rockets Gotha. Ein Trikot, signiert von Chris Ensminger, wurde im Rahmen des letzten Play-off-Spiels des ProA-Teams für 1700 Euro versteigert.




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