Laden...
Bamberg
Sportklettern

Bouldern in Bamberg: Ein Puzzle aus Griffen und Tritten

Weltmeister Adam Ondra baut in der Bamberger Boulderhalle eine anspruchsvolle Route.
Artikel drucken Artikel einbetten
Nachdem Adam Ondra 17 Griffe und Tritte in die Kletterwand geschraubt hat, versucht er sich selbst an seinem Werk. Fotos: Ronald Rinklef
Nachdem Adam Ondra 17 Griffe und Tritte in die Kletterwand geschraubt hat, versucht er sich selbst an seinem Werk. Fotos: Ronald Rinklef
+8 Bilder
Schnell hat sich herumgesprochen, wer da mit dem Akkuschrauber Griffe und Tritte in der lilafarbenen "Mädchenwand" befestigt. Rund 50 Hobbykletterer schauen zu, wie Adam Ondra in der Boulderhalle am Rande der Bamberger Gartenstadt eine Route nach seinen Vorstellungen baut. Der junge Tscheche gilt als weltbester Sportkletterer und hat trotz seines jungen Alters schon alles gewonnen, was es in dieser Sportart zu gewinnen gibt.

Bevor der 24-Jährige an diesem Tag bei den "Blockhelden" in Bamberg mit einem Diavortrag von seinen Erfolgen berichtet, legt er selbst Hand an einer der zahlreichen künstlichen Kletterwände an. Immer wieder versetzt der drahtige Ondra Tritte um einige Zentimeter oder neigt Griffflächen um eine Winzigkeit. Nach einer guten dreiviertel Stunde ist sein Puzzle fertig. "Das schafft von uns keiner", raunt einer der staunenden jungen Zuschauer. Selbst Ondra fällt zunächst zweimal auf die Weichschaummatte, ehe er im dritten Anlauf nach exakt 61 Sekunden den "Gipfel" erreicht hat. Unter dem Beifall der Zuschauer lässt er sich den Akkuschrauber zuwerfen und schraubt als 18. Element den Endpunkt seiner Route in 3,70 Metern Höhe in den Kunststoff der "Mädchenwand", der schwersten in der Bamberger Boulderhalle. "Was diese Route so schwer macht, ist die letzte Ausbeulung kurz vor dem Ende", sagt Ondra.

In der Bamberger Halle der "Blockelden" können sich die Hobbykletterer in den nächsten Wochen jetzt am Boulder des mehrfachen Weltmeisters versuchen. Ondra beziffert den Schwierigkeitsgrad mit 8a, dem sechstschwersten im Bouldern. "Wer es bis nach oben schafft, bekommt vielleicht ein Monatsabo umsonst. Wir lassen uns da was einfallen", sagt Jan Storath, der Leiter der zwölf Meter hohen Boulderhalle, die 2015 eröffnet und im vergangenen September um eine zweite Ebene erweitert wurde.


Oft in der Fränkischen Schweiz

Laut Storath ist Klettern mittlerweile eine Trendsportart, in besonderen Maße in der hiesigen Region aufgrund der Nähe zur Fränkischen Schweiz mit ihren abwechslungsreichen Felsformationen. In der "Fränkischen" kennt sich auch der aus Brünn stammende Ondra bestens aus. "Ich klettere, seitdem ich ein Kind war. Im Frankenjura bin ich quasi aufgewachsen. Jedes Jahr komme ich mindestens an zehn Wochenenden hierher. Heute waren wir erst in der Bärenschlucht zum Klettern", erzählt der Tscheche, der nach Abschluss seines Wirtschaftsstudiums im vergangenen Jahr mittlerweile als Profikletterer unterwegs ist - und dabei so erfolgreich wie kein Zweiter.

Schon als 13-Jähriger zählte er zur Weltspitze. Das "Wunderkind" gewann bereits bei seiner ersten WM-Teilnahme bei den Erwachsenen 2009 im Wettkampfklettern die Silbermedaille. Historisches gelang dem Tschechen, als er zunächst den Gesamtweltcup im Wettkampfklettern und anschließend auch im Bouldern gewann. 2014 schrieb er abermals Geschichte, als er als erster Kletterer in einem Jahr sowohl Weltmeister im Schwierigkeitsklettern als auch im Bouldern wurde. "Beim Klettern kommt es nicht alleine auf Kraft an, sondern auch darauf, wie man sie einsetzt. Ich bin nicht der Stärkste, aber ich klettere mit Rhythmus und weiß, welche Körperhaltung ich haben muss, um so effektiv wie möglich klettern zu können", beschreibt der 24-Jährige sein Erfolgsgeheimnis.

"Mit seinen Leistungen verschiebt der Ausnahmeathlet wie einst Stabhochspringer Sergej Bubka die Grenzen seines Sports", schrieb die "Süddeutsche Zeitung". Jüngster Beleg dafür: Im vergangenen November bezwang Ondra die knapp 1000 Meter hohe Granitwand Dawn Wall im Yosemite Valley/USA, die schwierigste Freikletterroute der Welt, in acht Tagen. Dabei unterbot er die bisherige Bestzeit um die Hälfte.

Als nächstes Projekt will der Tscheche eine Höhlenwand im norwegischen Flatanger in Anriff nehmen. "Die Route hat den Schwierigkeitsgrad 9c. Dieser ist bisher noch nie geklettert worden", sagt Ondra. Die "Mädchenwand" in Bamberg ist dagegen ein Kinderspiel.


Zum Thema: Trendsport Klettern

Freiklettern Unter Freiklettern versteht man das Klettern an Felsen oder Kunstwänden, bei dem nur Hände und Füße zur Fortbewegung verwendet werden. Künstliche Hilfsmittel sind zur Fortbewegung nicht erlaubt. Zum Freiklettern zählen das Sportklettern mit dem dazugehörigen Bouldern sowie das traditionelle sächsische Freiklettern und das Freiklettern im Rahmen des alpinen Kletterns. Mit Ausnahme des selten praktizierten Free-Solokletterns dürfen bei allen anderen Formen des Freikletterns Hilfsmittel wie Seil und Haken verwendet werden, allerdings nur zur Gewährleistung der Sicherheit und nicht als Kletterhilfe.

Bouldern Bouldern (engl. boulder "Felsblock") ist das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe (d. h. bis zu einer Höhe, aus der ohne Verletzungsgefahr von der Wand abgesprungen werden kann). Seit den 1970er Jahren ist das Bouldern eine eigene Disziplin des Sportkletterns.

Schwierigkeitsklettern
Beim Schwierigkeitsklettern müssen die Kletterer versuchen, in einer ihnen bis dahin unbekannten Kletterroute möglichst weit, im besten Falle bis zum oberen Ende, zu klettern. Vor dem Wettkampf dürfen alle Kletterer gemeinsam die Route fünf Minuten lang vom Boden aus besichtigen. wikipedia