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Basketball-Euroleague

Nicolo Melli vor Auftritt in Sassari: "Ich denke nicht an Rache"

Bambergs Nicolo Melli hat keine guten Erinnerungen an Sassari. Am Freitag bestreitet der Italiener auf Sardinien ein wichtiges Spiel in der Euroleague. Am Sonntag geht die harte Woche in Frankfurt in der Bundesliga zu Ende.
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Nur 13 Monate ist Nicolo Melli (rechts) älter als Patrick Heckmann (links), hat aber einen Erfahrungsvorsprung von über 80 Euroleague-Spielen. Melli spielt seine sechste Saison in der europäischen Topliga. Heute steht für den 24-jährigen Italiener in Sassari ein besonderes Spiel bevor.  Foto: sportpress
Nur 13 Monate ist Nicolo Melli (rechts) älter als Patrick Heckmann (links), hat aber einen Erfahrungsvorsprung von über 80 Euroleague-Spielen. Melli spielt seine sechste Saison in der europäischen Topliga. Heute steht für den 24-jährigen Italiener in Sassari ein besonderes Spiel bevor. Foto: sportpress
"Wie geht's? Danke, gut. Und Dir?", gibt Nicolo Melli eine Kostprobe seiner Deutschkenntnisse. Das Gespräch mit dem Italiener wird aber dann doch in der "Amtssprache" der Basketballer geführt - auf Englisch.
Nein - neuer Aufbauspieler der Brose Baskets werde er nicht, sagt Melli. Der Power Forward fühlt sich unter den Körben wohler, obwohl er im Euroleague-Spiel vor einer Woche gegen Maccabi Tel Aviv seine Mitspieler mit zehn Pässen zu direkten Körben bediente und mit seinen Würfen von der Dreierlinie erfolgreicher war als aus der Mittel- und Nahdistanz.

Überhaupt nimmt der 2,05 m große Italiener Statistiken nicht so wichtig. "Egal, ob ich 20 Punkte oder zehn Assists hinter meinem Namen lese, ob ich nur rumstehe und nichts mache - Hauptsache wir gewinnen." Wenn der 24-Jährige am Freitagabend (20.30 Uhr) beim italienischen Meister Dinamo Sassari auf Sardinien antritt, ist das für ihn ein besonderes Spiel.


Schlechte Erinnerungen

"Ich habe nicht wirklich gute Erinnerungen an Sassari. Vor zwei Jahren verlor ich mit Mailand im Pokalfinale gegen sie und in der vergangenen Saison im siebten Halbfinale zu Hause mit einem sehr speziellen Ende", erzählt Melli von der Niederlage nach Verlängerung und fügt an: "Das hat aber keinen Einfluss mehr auf mich. Ich werde keine persönliche Sache aus dem Spiel machen, denke nicht an Revanche oder Rache."

Auch die Bamberger Fans denken mit Schaudern an das letzte Aufeinandertreffen mit dem sardischen Klub zurück. Im Februar 2014 flogen die Franken auf die Mittelmeerinsel und hätten sich eine Zehn-Punkte-Niederlage in der Eurocup-Gruppe leisten können, um ins Achtelfinale einzuziehen. Im letzten Viertel spielten sich die Gastgeber um Drake und Travis Diener in einen Rausch, trafen wilde Dreier (insgesamt 18) und triumphierten mit 102:84.


Run-and-Gun-Stil der Italiener

Am wilden Spiel des Traditionsklubs hat sich nicht viel geändert, wie Melli, der die italienische Liga weiterhin verfolgt, weiß. Am Montag gewann Sassari in Avellino dank eines starken letzten Viertels (21:13) mit 90:88. So errangen sie auch in der vergangenen Saison erstmals in der 55-jährigen Klubgeschichte die italienische Meisterschaft. "Sie haben ein talentiertes Team und können das Momentum schnell auf ihre Seite ziehen. Im Finale gegen Reggio Emilia hat Sassari einen 20-Punkte-Rückstand aufgeholt", kennt Melli die Gefährlichkeit von Dinamo. "Sie leben von ihren Individualisten. Das müssen wir ihnen wegnehmen", nennt der Italiener im Bamberger Dress den Schlüssel zum Sieg über die in der Euroleague noch sieglosen Sarden.

Anführer des in der Serie A mit 4:2 Siegen auf Rang 7 liegenden Inselklubs ist der Ex-Berliner David Logan. Der Aufbauspieler wird dabei von weiteren Guards wie dem kroatischen Nationalspieler Rok Stipcevic und dem Amerikaner Marquez Haynes (vor zwei Jahren in Quakenbrück aktiv) unterstützt. Durchschnittlich über 33 Punkte erzielte alleine dieses Trio. Das Brose-Dreigestirn Brad Wanamaker, Nikos Zisis und Janis Strelnieks ist mit rund 35 Zählern noch etwas besser.

"Der gute Geist" im Dinamo-Team ist Denis Marconato. Der 2,14 m große Center steht zwar nicht so viele Minuten auf dem Feld, bringt aber seine Erfahrung ins Team ein. Einen kompletten EM-Medaillensatz, Olympia-Silber und 196 Euroleague-Spiele stehen in der Vita des 40-jährigen Veteranen.


Veteran Marconato der gute Geist

"Das ist ein klasse Kerl. Ich habe mit ihm in Mailand trainiert", freut sich Melli auf ein Wiedersehen mit seinem Landsmann. Marconato ist wie Zisis (32 Jahre, 233 Euroleague-Spiele) bei Bamberg der ruhende Pol. Nach dem Griechen hat Melli (86 Euroleague-Einsätze) die größte Erfahrung auf der großen Bühne. Der deutsche Meister ist eines der unerfahrensten Teams, wenn es um Einsätze in der europäischen Topliga geht. "Nikos und ich geben unseren Teamkollegen Tipps, um konstant auf hohem Level zu spielen. Klar gibt es schlechte Spiele wie in Tübingen, dann heißt es aber, ruhig zu bleiben und positiv zu denken. Das gilt besonders für die Euroleague, wo die Spiele viel intensiver sind und viel Energie ziehen. Umso wichtiger ist es, eine ausgeglichene Teamleistung zu zeigen. Das bringt Stabilität."

Brose-Trainer Andrea Trinchieri drückt es so aus: "Ich komme mir vor wie der Schulbusfahrer, der seine Kinder auf die große Bühne bringt. Aber wir wollen uns nicht dadurch limitieren, dass wir unseren Gegnern zu viel Respekt zeigen." Der Italiener weiß in seiner dritten Euroleague-Saison als Headcoach, dass man Erfahrung nicht kaufen kann. Die bekomme man nur mit Spielen. "Jede schlechte Erfahrung, jede Niederlage hinterlässt eine kleine Narbe. Aber im nächsten harten Spiel wirst du dich daran erinnern, was die Narbe verursacht hat, und wirst es besser machen." Darauf hofft Trinchieri nach den knappen Niederlagen in Malaga und Moskau in Sassari, wo sein Team im September - allerdings ohne die EM-Teilnehmer - in einem Vorbereitungsturnier mit 78:83 nach Verlängerung unterlag.


Sieg wäre Gold wert

Die Sarden stehen in der Euro-league mit dem Rücken zur Wand. Wenn sie ihre Chance zum Weiterkommen wahren wollen, müssen sie gewinnen. Bamberg könnte mit einem Erfolg seine Bilanz auf 3:2 Siege ausbauen und besäße bei drei Heimspielen in der Rückrunde gute Karten auf den Einzug in die Top-16-Runde.


Mit Alitalia statt Lufthansa

Dazu müssen die Franken den Reisestress und die Belastung aus ihren Kleidern schütteln. Glücklicherweise hatten die Bamberger schon vor Wochen den Flug nach Alghero über Rom mit der Fluggesellschaft Alitalia gebucht und sind vom Lufthansa-Streik nicht betroffen. Am Samstag landet der Brose-Tross dann in Frankfurt, wo am Sonntag (17 Uhr, Fraport-Arena) die fünfte Partie innerhalb von elf Tagen zu bestreiten ist. "So viele Spiele in so kurzer Zeit hatte ich auch noch nie in meiner Karriere", sagt Melli, "aber wenn wir fokussiert auf unser Ziel bleiben, werden wir auch diese Hürde nehmen. Manche sagen ja auch, dass Spielen besser sei als Trainieren."
Die Skyliners gewannen am vergangenen Sonntag gegen München mit 74:69 und am Mittwoch im Fiba-Europe-Cup gegen den FC Porto mit 89:81. Damit feierte das Team von Trainer Gordon Herbert sieben Siege in Folge. Der Tabellensiebte (10:4 Punkte) wird also mit breiter Brust gegen den deutschen Meister antreten.

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