Bamberg
Schwimmen

Kein "Afronding" der EM-Schwimmer im Becken

Die Routiniers der SG Bamberg sammelten bei den Europameisterschaften im holländischen Eindhoven wieder unvergessliche Eindrücke.
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Prächtig gelaunte Bamberger in Eindhoven bei der Senioren-EM, v. l.: Graham Billington, Jenny Pock-Baier, Stephan Gries, Christian Hübner, Horst Schubert, Katrin Butzbacher, Petra Kinzl Foto: sim
Prächtig gelaunte Bamberger in Eindhoven bei der Senioren-EM, v. l.: Graham Billington, Jenny Pock-Baier, Stephan Gries, Christian Hübner, Horst Schubert, Katrin Butzbacher, Petra Kinzl Foto: sim
Wie gewohnt bei den Schwimmer-"Oldies" der SG Bamberg: Auch die Europameisterschaften der Masters in Eindhoven gerieten zu einem Erlebnis.
"Sehr freundlich und offen, die Holländer", so die EM-Teilnehmer einmütig. Aber was bitte schön ist denn "Afronding"? Da kostet im Laden das Deo 3,99 Euro und der Kunde hat 4,00 Euro zu berappen. Ja, das kann einem schon passieren, wenn man eine Reise tut... In den Niederlanden gibt es eine Regelung, um dem Mittelstand Kosteneinsparungen zu ermöglichen. Die Händler müssen keine Euro-Cent mehr bei den Banken beschaffen, bei Barzahlungen wird entweder auf- oder abgerundet.
Gott sei Dank war im Schwimmbecken alles wie gewohnt: Kacheln, Chlorwasser, Kampfrichter.
Das "Pieter van den Hoogenband zwemstadion Eindhoven" ist ein riesiger Komplex mit 50-m- und 25-m-Schwimmbecken, Außenpool, Whirlpool, Lehrschwimmbecken und Sprungbecken, idealer Austragungsort der 14. Europameisterschaften der Masters im Schwimmen, Freiwasserschwimmen, Springen und Synchronschwimmen.
Sieben Bamberger Mastersschwimmer kämpften in ihren Altersklassen gegen große Konkurrenz. Starterfelder von 50 bis teilweise sogar über 100 Schwimmern in den einzelnen Altersklassen (25 - 90; immer fünf Jahre zusammengefasst) waren keine Seltenheit. Mehr als 5000 Teilnehmer betreute das holländische Organisationsteam reibungslos.
Als "durchgehend solide nervös" beschreibt SG-Schwimmerin Petra Kinzl den Vorstartzustand der Bamberger Mannschaft. Sehr gut kam damit Graham Billington (Altersklasse/AK 30) zurecht. Über 100 m Rücken erzielte er als 34-Jähriger und somit Ältester in seiner Altersklasse das beste Bamberger Ergebnis: Platz 7 in schnellen 1:05,66 Min. Die Plätze 8 (50 m Rücken), 12 (100 m Freistil), 13 (50 m Freistil) und 17 (200 m Freistil) runden sein Ergebnis ab.
Dr. Horst Schubert (AK 55) wollte unbedingt die Top Ten knacken und schrammte über 100 m und 200 m Brust als 13. knapp daran vorbei. Über 50 m Brust fehlte ihm als 15. etwas die Spritzigkeit. Schon immer eine Bank auf den Schmetterlingsstrecken: Stephan "Mucki" Gries (AK 45). 100 m Schmetterling absolvierte er in 1:08,51 als 13., über 50 m Schmetterling belegte er Rang 21 unter 80 Startern und über 200 m Lagen wurde er 19. Katrin Butzbacher (AK 30) überzeugte als 17. über 100 m Brust in guten 1:29,78. Sie schwamm damit schneller als vor zwei Jahren bei der EM im ukrainischen Jalta auf der Halbinsel Krim.
Total begeistert war Petra Kinzl (AK 40) von ihrem ersten internationalen Masterswettkampf, bekam sie doch hautnah das "mediale Großereignis" - Inge de Bruijns Start über 50 m Freistil - mit, nur drei Läufe nach Kinzls Einsatz. Die vierfache Olympiasiegerin de Bruijn gewann erwartungsgemäß in neuer Europarekordzeit die 50 m Freistil (0:26,64 Min.) in der AK 40. Kinzl erreichte ihr bestes Resultat über 200 m Lagen als 18. in 3:00,44. Über 100 m Schmetterling wurde es der 23., über 50 m Schmetterling der 25. Rang.
Jenny Pock-Baier (AK 30) vervollständigte die Bamberger "Becken-Mannschaft" und wurde, stimmgewaltig unterstützt von ihren zwei kleinen Töchtern und ihrem Mann, 26. über 200 m Lagen.
"Zwemmen in de Maatschappij" - das hört sich doch viel besser an als "Mannschaftsschwimmen". Muss man unbedingt mitmachen, dachten sich die Bamberger und gingen in der Mixed-Staffel über 4 x 50 m Lagen an den Start. Die Besetzung Billington (Rücken), Butzbacher (Brust), Gries (Schmetterling) und Kinzl (Freistil) erreichten in ihrer Altersklasse (120 - 159 Gesamtjahre) den 17. Platz von 38 Mannschaften.
Nach den Beckenschwimmern waren die Freiwasserschwimmer gefragt. Drei Bamberger Starter wollten die schnurgerade 3000-m-Strecke im Kanal bewältigen. Christian Hübner (AK 40), der 2008 den Ärmelkanal durchschwamm, war als 18. begeistert von der Strecke: "Vielleicht liegen mir Kanäle einfach!" Katrin Butzbacher (AK 30) und Graham Billington (AK 30) mussten sehr schnell vom Beckenschwimmen auf die lange Freiwasserstrecke umschalten, waren aber durchaus mit ihrem 19. und 20. Rang zufrieden. Auch das Freiwasserschwimmen hat seine Legenden: zum Beispiel den Engländer Michael Read (AK 70), der bislang 33 Mal den Ärmelkanal durchschwamm und über die für ihn lächerlichen 3000 m Fünfter in seiner Alterklasse wurde.
Die sieben SGler waren von der EM begeistert wie beeindruckt und kehrten motiviert nach Oberfranken zurück. Trotz anstrengender Berufe und privater Verpflichtungen sind sie bereit, sich immer weiter im Training zu quälen. Warum nur? Es muss das Chlor sein, das die Sinne benebelt...
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