Bamberg
Kegeln

Kegeln in Bamberg - Im Duell mit den Weltmeisterinnen

Wenn die Damen des SKC Victoria Bamberg die Kugel schieben, dann ist das selten eine ruhige. Denn mit "Kneipensport" hat Profi-Kegeln wenig zu tun.
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Benjamin Kemmer (Mitte) duellierte sich beim Kegeln mit den Weltmeisterinnen Daniela Kicker (links) und Sabrina Imbs - und verlor... Alle Fotos: Ronald Rinklef
Benjamin Kemmer (Mitte) duellierte sich beim Kegeln mit den Weltmeisterinnen Daniela Kicker (links) und Sabrina Imbs - und verlor... Alle Fotos: Ronald Rinklef
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Kegelvereine. Geht man nach dem Klischee, dann sind das die, die im Flieger nach Mallorca hinter einem sitzen und schon kurz nach dem Start das erste "Piccolöchen" köpfen. Doch Kegeln - betreibt man es ernsthaft - ist ein richtig anstrengender Sport, wie ich bei den Damen des SKC Victoria Bamberg schmerzhaft erfahren musste.

Meine Trainingspartnerinnen - niemand geringeres als die sechsmalige Weltmeisterin Daniela Kicker und die amtierende Juniorenweltmeisterin Sabrina Imbs - schicken mich erst einmal laufen. "Du wirst froh sein, dass du dich aufgewärmt hast", ruft mir Kicker hinterher, während ich zwischen den Bahnen auf und ab trotte. Im Anschluss noch ein wenig die Oberschenkel dehnen - und schon geht es los.


Zu steif und zu verdreht

Jeder hat wahrscheinlich schon einmal gekegelt. Im Urlaub, auf einer Naturbahn oder mit Freunden und viel Bier. "Deswegen ist Kegeln auch ein wahrer Breitensport", erklärt Markus Habermeyer, 1. Vorsitzender des SKC, der mir als Trainer zur Seite steht. Doch das sei für die Sportkegler auch ein Problem, da man gerne belächelt werde. Ich lächle auch - noch. Denn schon nach meinem ersten Wurf bekomme ich einige Verbesserungsvorschläge. Mein Oberkörper sei zu steif, ich ginge zu wenig in die Knie und verdrehe mich komplett nach dem Wurf.

Dabei ist es gar nicht so einfach, sich auf den Wurf zu konzentrieren, weil ich zunächst aufpassen muss, dass mir die Kugel nicht aus der Hand fällt. Anders als beim Bowling oder beim "Kneipen-Kegeln" habe ich nämlich keine Löcher in der Kugel, die mir beim Werfen helfen. Nichtsdestotrotz komme ich immer besser in Schwung. Meine Körperhaltung wird besser, auch wenn der Bauchansatz bei mir immer wieder im Weg ist.

Doch eines mache ich noch nicht richtig. Ich schaue auf mein Ziel - die Kegel -, was völlig falsch ist. Auf meine Frage, wohin denn die Profis schauen, bekomme ich jedoch zur Antwort: "Auf den Hintern." Ich fühle mich halb geschmeichelt, halb peinlich berührt, und komme schnell wieder zurück zum Thema. "Wir schauen dahin, wo wir die Kugel ablegen", erklärt mir Daniela Kicker, die bereits kegelt, seit sie acht Jahre alt ist.


Im direkten Duell versagen die Nerven

So viel Erfahrung kann ich leider nicht bieten, aber ich mache mich. Nach meinem ersten "Neuner", der große Begeisterung bei meinen Trainingspartnern auslöst, werde ich nun zum direkten Duell aufgefordert: Zweimal 30 Wurf - immer je 15 "in die Vollen", also auf alle neun Kegel und dann 15 Mal Abräumen - also so lange werfen, bis alle Kegel gefallen sind.

Sabrina Imbs links von mir, Daniela Kicker auf der rechten Seite und ich zwischen den beiden Weltmeisterinnen - ein ungleiches Duell. Während ich mich darauf konzentriere, meine Bewegungen richtig zu machen, fallen nebenan immer wieder "Alle Neune". "Kontinuität ist das Wichtigste in unserem Sport", erzählt mir Sabrina Imbs später. Auch sie kegelt schon seit ihrem achten Lebensjahr. Da ist das mit der Kontinuität schon besser als bei mir.

Im Training wird mehr auf das Verinnerlichen der Bewegungsabläufe geschaut, als auf das Abräumen verschiedener "Bilder". Mindestens zweimal die Woche stehen die Bundesliga-Damen auf der Bahn und ziehen ihr Programm durch. "Meist ist es so, dass ich einen kompletten Wettkampf unter offiziellen Bedingungen spiele", sagt Imbs. Das sind dann insgesamt vier mal 30 - also 120 Wurf.

Nach bereits 60 Wurf ist für mich mein erstes Training vorbei. Trainer und Trainingspartner sind gnädig mit mir und erlassen mir die zweiten 60. Immerhin kam ich in Runde zwei auf 68 Holz. Dass links und rechts von mir jeweils mehr als das Doppelte auf der Anzeigentafel steht, ignoriere ich gepflegt. Ich bin stolz auf mein Ergebnis, das ich aber an den folgenden Tagen bitter bezahlen muss. Tag eins nach dem Training ist hart. Die Oberschenkel tun mir weh, und mein Gesäß will sich mit keinem ihm angebotenen Stuhl anfreunden. Doch noch schlimmer ist Tag zwei. Jede noch so kleine Stufe fällt mir schwer, der Muskelkater bestimmt meinen Tagesablauf, und immer wieder kommt mir der Satz von Daniela Kicker aus dem Training wie eine Weissagung ins Gedächtnis: "Morgen wirst du tierischen Muskelkater haben!"


Die Sportart

"Kegeln ist eine Präzisionssportart, bei der ein Spieler von einem Ende einer glatten Bahn aus (Kegelbahn) mit kontrolliertem Schwung eine Kugel ins Rollen bringt, um die am anderen Ende der Bahn aufgestellten neun Kegel umzulegen." So trocken und sachlich erklärt das Portal wikipedia.de eine Sportart, die durchaus ihren Reiz hat.

Mit Kugeln, die für Männer wie Frauen gleichermaßen 2850 Gramm schwer sind, neun Kegel zu treffen erfordert tatsächlich viel Präzision. Ohne Löcher in der Kugel und Markierungen auf der Bahn muss sich der Kegler allein auf seine Zielgenauigkeit verlassen. So wird im Training auch besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass die Bewegungen für einen Wurf in Fleisch und Blut übergehen. "Es kommt nicht so oft vor, dass wir uns bestimmte Formationen bei den Kegeln aufstellen. Vielmehr simulieren wir den Wettkampf und trainieren die Kontinuität", erklärt die Bamberger Keglerin Sabrina Imbs.

Die deutschen Kegler in den oberen Ligen haben sich darauf verständigt, im Modus 120 Wurf zu spielen. Hierbei haben die Spieler auf vier Bahnen jeweils 30 Wurf, wobei sich diese aufteilen in je 15 in die Vollen und 15 zum Abräumen. Im Team wird zu sechst gekegelt, sodass bei einem Duell nicht nur die geworfenen Holz zählen, sondern auch die Punkte, die im jeweiligen direkten Aufeinandertreffen geholt wurden. Daher wird unterschieden zwischen Holzzahl, Satzpunkten und Mannschaftspunkten. Eine Kombination aus allen Dreien entscheidet am Ende über den Sieger in einem Duell.


Der Verein

Erfolgreicher als bei den Damen des SKC Victoria Bamberg geht es kaum im Kegelsport im neuen Jahrtausend. Bei insgesamt 17 deutschen Meisterschaften - der jüngsten erst vor ein paar Wochen -, neun deutschen Pokalsiegen, dem sechsmaligen Gewinn der Champions League sowie vier Weltpokal-Titeln geht kaum etwas an den Bamberger SKC-Damen vorbei.

Hinzu kommen unzählige weitere Einzeltitel, die die Damen im Laufe ihrer Zeit bei der Victoria holten. Bis vor kurzem war dabei Daniela Kicker die erfolgreichste deutsche Keglerin mit unter anderem fünf WM-Goldmedaillen. Doch seit dem vergangenen Jahr wurde sie abgelöst. Natürlich durch eine Kontrahentin aus den eigenen Reihen. Sina Beißer holte 2014 im tschechischen Brno ihre sechste Goldmedaille bei einer Weltmeisterschaft.
Eine Bilanz auf die der Vorsitzende, Schriftführer, Teammanager und "Mädchen für Alles" Markus Habermeyer stolz sein kann. Dennoch hebt er warnend den Zeigefinger. Denn wie fast jeder Sportverein haben die Bamberger Kegler ein Nachwuchsproblem. Ganze sieben Jugendliche gibt es derzeit beim SKC und das bei insgesamt 155 Vereinsmitgliedern, von denen aber auch nur 55 aktiv in acht Mannschaften kegeln.

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