Bamberg
Fußball-Insolvenz

FCE-Trainer Skarabela: Mein Akku ist leer

Die Bayernliga-Mannschaft des FC Eintracht Bamberg 2010 zerfällt. Für das Heimspiel gegen Großbardorf wird sie mit Spielern aus der "Zweiten" aufgefüllt.
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Petr Skarabela wird heute wohl das letzte Mal als FCE-Trainer im Fuchs-Park-Stadion an der Seitenlinie stehen.  Foto: sportpress
Petr Skarabela wird heute wohl das letzte Mal als FCE-Trainer im Fuchs-Park-Stadion an der Seitenlinie stehen. Foto: sportpress
Der FC Eintracht Bamberg 2010 hofft weiterhin, die Saison in der Fußball-Bayernliga Nord zu Ende spielen zu können. Nachdem der mit 440 000 Euro verschuldete Verein nun aber Insolvenzantrag gestellt hat, zeigen sich bei der ersten Mannschaft Auflösungserscheinungen. Petr Skarabela ließ durchblicken, dass das Heimspiel gegen den Tabellenführer TSV Großbardorf am Samstag (16 Uhr) sein letztes als Trainer sein dürfte: "Ich mache dieses Spiel noch, dann werde ich eine Entscheidung treffen. Die letzten Wochen haben nicht nur bei der Mannschaft, sondern auch bei mir Spuren hinterlassen. Mein Akku ist richtig leer", sagt der Tscheche.


Aus der eigenen Tasche

Es ist die Perspektivlosigkeit, die Skarabela wohl das Handtuch werfen lässt. Denn gestern Vormittag wusste er noch nicht, welche Spieler ihm für das heutige Spiel zur Verfügung stehen. Durch den Insolvenzantrag haben die Spieler zwar Anspruch auf Insolvenzausfallgeld. Dieses wird allerdings rückwirkend für die letzten drei Monate ausgezahlt. Das bedeutet: Jeder Spieler, der vom 1. April an weiterhin für den zahlungsunfähigen FCE trainieren und spielen will, muss das aus eigener Tasche finanzieren. Kapitän Mirza Mekic, der in Schweinfurt wohnt, hat bereits angekündigt, dass er das nicht tun werde. Auch der in Neustadt/Aisch sesshafte Skarabela müsste die Fahrtkosten nach Bamberg selbst tragen, so wie etliche andere auswärtige Spieler. "Gut die Hälfte der Mannschaft wird uns nicht mehr zur Verfügung stehen. Das nehmen wir aber keinem übel", sagt Jörg Schmalfuß, Interimsvorsitzender des FC Eintracht 2010. Die entstandene Lücke will der Verein mit U23-Spielern aus der zweiten Mannschaft auffüllen.

Neben den finanziellen Aspekten gibt es auch einen sportlich Grund für den Zerfall der Mannschaft. Sobald über den Insolvenzantrag entschieden ist, werden alle Ergebnisse des FCE aus der Wertung genommen. Zudem steht er als sportlicher Absteiger fest, auch wenn er die Saison zu Ende spielt. "Man kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Wenn du weißt, dass du erster Absteiger bist, ist die Motivation im Keller", meint Skarabela - und bezieht diese Aussage auch auf sich. Am Mittwoch hat er das einzige Training in dieser Woche geleitet, aber: "Mit den wenigen, die da waren, konnte ich nichts Großartiges machen." Der Frust des 48-jährigen Ex-Profis ist nachvollziehbar. In der Winter-Vorbereitung habe sein Team noch viermal wöchentlich trainiert, die Ergebnisse in der Vorbereitung hätten gestimmt. Doch von der guten körperlichen Verfassung von damals seien die Spieler jetzt schon wieder meilenweit entfernt. Keine guten Voraussetzung für die Partie gegen den Bayernliga-Spitzenreiter, der in dieser Saison nur dreimal als Verlierer den Platz verlassen hat.


Weiterhin im Fuchs-Park-Stadion

Am Montag kommt es zu einem ersten Gespräch zwischen der Vereinsführung des FCE 2010 und dem vorläufigen Insolvenzverwalter. Er muss entscheiden, ob der Verein weiter am Spielbetrieb teilnehmen kann. Sollte das der Fall sein, steht dem Bayernligisten das Fuchs-Park-Stadion weiterhin als Heimspielstätte zur Verfügung. "Der bestehende Mietvertag zwischen Stadt und FCE für die Spielsaison 2015/2016 kann nach einer Insolvenzanmeldung von Seiten der Stadt Bamberg nicht gekündigt werden", teilte Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, auf Anfrage mit. Der Insolvenzverwalter könne vielmehr festlegen, dass die Mietsache auch weiterhin vertragsgemäß zur Verfügung gestellt werden müsse. Doch das sei auch im Sinne der Stadt: "Selbstverständlich werden wir uns weiterhin aktiv dafür einsetzen, dass die Mannschaft des FC Eintracht eine adäquate Spielstätte hat", so Siebenhaar.
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