Pettstadt
Fussball-Landesliga Nordwest

Eine Ära an der Pettstadter Hammerstatt geht zu Ende

Nach seinem Rückzug ist der SV Pettstadt erstmals seit 1990 wieder in der Kreisliga zu Hause.
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Die Laune haben sich die Pettstadter in der abgelaufenen Runde nicht ganz vermiesen lassen: Reiner Meth (r.) und Erkan Esen Foto: sportpress
Die Laune haben sich die Pettstadter in der abgelaufenen Runde nicht ganz vermiesen lassen: Reiner Meth (r.) und Erkan Esen Foto: sportpress
Mit der 2:4-Heimniederlage gegen den TSV Kleinrinderfeld ist für den SV Pettstadt nicht nur das Spieljahr 2014/15 in der Fußball-Landesliga Nordwest zu Ende gegangen, sondern eine 25 Jahre dauernde Ära an der Hammerstatt. Der früh bekanntgegebene Rückzug der ersten Mannschaft zieht einen Neuanfang in der Bamberger Kreisliga nach sich.
Auf dem gepflegten Sportgelände wird es wohl für längere Zeit keinen höherklassigen Fußball mehr geben. Als der SVP am 12. August 1990 seine allererste Bezirksligapartie bei der Spvg Eicha (2:2) absolvierte und am Saisonende den vierten Tabellenplatz belegte, ahnte niemand, dass sich die Pettstadter Fußballer so lange auf hohem Niveau halten würden.
Vielmehr kamen mehrere Jahre Bezirksoberliga und auch fünf Spielzeiten in der Landesliga hinzu, was für den Club in der knapp 2000 Einwohner zählenden Gemeinde im südwestlichen Landkreis Bamberg eine sehenswerte Bilanz ist.
Dass der Verzicht auf Fußball über die Grenzen des Bamberger Kreises hinaus ad acta gelegt wurde, ist eine wohl überlegte Entscheidung der Verantwortlichen. Die Landesliga machte zuletzt einmal mehr ihrem Ruf einer "toten" Klasse alle Ehre. Zuschauerzahlen zum Vergessen, ein horrender Arbeitsaufwand für die Funktionäre und Helfer sowie stetig wachsende Auflagen seitens des Verbandes (Sicherheitsbeauftragter, Liveticker, Online-Spielerbogen) und nicht zuletzt das Gefühl, das fünfte Rade am Wagen zu sein, das viele Bamberger Vereine vor allem die letzten beiden Jahre aufgrund der geografischen "Sandwich-Position" erfahren mussten, mögen einige der Parameter für die nicht alltägliche Reaktion der SVP-Führung gewesen sein. Einen Beleg für so manche Benachteiligung der Bamberger Clubs bringt ein Blick auf die Terminplanung.
In allen Englischen Wochen der drei zurückliegenden Spieljahre musste der SVP in den sechs zu bestreitenden Landesligapartien stets auf des Gegners Platz antreten - einmalig. Besonders ärgerlich war dabei nicht nur für Abteilungsleiter Reiner Meth die auf sonderbare Weise vorverlegte Begegnung beim FC Schweinfurt 05, der sportlich rechtens mit neun Regionalligaakteuren in der "Zweiten" antrat, haushoch überlegen 5:1 gewann und damit den Fehlstart der Pettstadter untermauerte. Es folgte die Niederlage beim späteren Meister DJK Bamberg (1:3), an dessen Triumph der SVP einen vielleicht sogar entscheidenden Anteil hatte, da er dem schärfsten Konkurrenten um Platz 1, dem FC Sand, eine Woche später von der Tabellenspitze stürzte (3:1), die wohl beste Saisonleistung.
Es holperte aber in den kommenden Wochen weiter. Die Fußballer konnten ihre zweifelsfrei vorhandenen Fähigkeiten nicht wie erwartet abrufen. Als Trainer Manni Schmitt bei der 0:4-Pleite gegen den Baiersdorfer SV seinen sofortigen Rückzug bekanntgab, übernahm der bisherige "Co" Jochen Kutzelmann die Verantwortung, hatte aber mit drei Niederlagen bis zur Winterpause einen schlechten Start. Stammspieler verließen den Club, zahlreiche Langverletzte dezimierten den Kader ohnehin noch mehr. Im Frühjahr hievten erneut vier Niederlagen am Stück den SVP endgültig in die Abstiegszone.
Aber die Mannschaft, die größtenteils gerade mit elf oder maximal zwölf Akteuren antrat, stemmte sich gegen den sportlichen Abstieg, zu einem Zeitpunkt, als alle schon wussten, dass Landesligafußball an der Hammerstatt passé ist. Dennoch qualifizierten sich die Kutzelmann-Schützlinge mit Platz 16 sportlich für die Relegationsrunde, die infolge des Rückzugs ohne den SV Pettstadt über die Bühne ging.
Es gab wenige Glanzlichter, aber Reiner Meth ist dennoch stolz auf seine Jungs. "Alle haben tollen Einsatz gezeigt. Sie hätten sich die Entscheidungsspiele verdient gehabt. Auch unsere Trainer haben hervorragende Arbeit geleistet und sich immer in den Dienst der Mannschaft gestellt. Überhaupt zeigte die Truppe einen sehr guten Zusammenhalt, was die spontane Abschlussfeier nach der vorletzten Partie bei FT Schweinfurt unter Beweis stellte." Von den 24 eingesetzten Fußballern verlassen nach bereits vier Abgängen während der Winterpause mindestens weitere elf den SVP, die überwiegend Landesliga oder Bayernliga spielen wollen. Darunter befindet sich auch das Urgestein Mario Meth, der einmal mehr erfolgreichster Torschütze mit 14 Treffern ist und als spielender Co-Trainer für den Kreisligisten DJK Stappenbach treffen will.
Aber auch der häufig frustrierte Reiner Meth ("Ich saß die letzten Wochen meistens alleine auf der Auswechselbank. Das wurmte mich sehr.") geht teilweise von Bord. Er legt zahlreiche Ämter nieder. Der bald 65-jährige ist seit 44 Jahren als Funktionär und "Mädchen für alles" für seinen SVP tätig. Er wird vor allem seine Spielleiteraufgaben nicht mehr ausüben. In seinem Rückblick dankt er Sponsoren und Gönnern sowie im Besonderen dem langjährigen Busfahrer "Sepper". Er wünscht aber auch dem künftigen Coach der Kreisligamannschaft, Daniel Hollet, und dessen Co-Trainer Michael Baldauf viel Erfolg. Meths Liebe zu seinem SV Pettstadt wird auch mit dem Neuanfang an der Hammerstatt nicht enden.

Die Pettstadter Saison in Zahlen

    - 8 Siege, vier Unentschieden, 22 Niederlagen
- 15. Platz Heimtabelle, 16. Platz Auswärtstabelle
- Tore: Meth 14, Wenzel 6, Schwarm und Esen je 4
- Die meisten Spiele: Meth 34, Ochs 33, Schwarm 32
- Zuschauerschnitt: 124 Besucher
- Beste Besuche: FC Sand 320, SpVgg Stegaurach 250
- Schwächste Besuche: Frammersbach 38, Kleinrinderfeld 41
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