Bamberg

EM-Teilnehmer Janis Strelnieks: kurz und schnörkellos

Der Aufbauspieler vom deutschen Meister Bamberg spielt im September bei der Europameisterschaft für Lettland. Der 25-Jährige beginnt unsere Interviewserie zur EM 2015.
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Auf seinen Bamberger Teamkollegen im deutschen Dress, Elias Harris (rechts), kann der lettische Nationalspieler Janis Strelnieks frühestens im Viertelfinale treffen. Eine Länderspielbegegnung gab es im August 2014 bereits in Bamberg. Foto: sportpress
Auf seinen Bamberger Teamkollegen im deutschen Dress, Elias Harris (rechts), kann der lettische Nationalspieler Janis Strelnieks frühestens im Viertelfinale treffen. Eine Länderspielbegegnung gab es im August 2014 bereits in Bamberg. Foto: sportpress
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"So kalt wie der Winter in Lettland", lautete die Aussage eines Fernsehkommentators über ihn, ein anderer steckte ihn in die "Eiskonfekt-Fraktion". Und wahrlich, zeigt der so Bezeichnete selten Emotionen auf dem Basketball-Spielfeld. Die Rede ist von Janis Strelnieks. Der 25-jährige Aufbauspieler der Brose Baskets ist auf dem Feld die Ruhe selbst, lässt sich nur ganz selten den Ball stehlen und ist von der Dreierlinie exzellent. Seine Trefferquoten aus dem Feld steigerte der lettische Nationalspieler in den Play-offs noch einmal auf knapp 46 Prozent von der Dreierlinie, 49 Prozent aus dem Feld bei konstant starken 87 Prozent bei den Freiwürfen.

In gut zwei Monaten beginnt für Strelnieks die Basketball-Europameisterschaft, wo der 25-Jährige, der vor wenigen Tagen seinen Vertrag bei den Brose Baskets für eine weitere Saison verlängert hat, für Lettland antritt. Im Gespräch gab der coole Lette seine Antworten wie auf dem Spielfeld beim deutschen Meister Bamberg - kurz und schnörkellos.

Sie wurden von einem TV-Kommentator mit dem Attribut "kalt wie der Winter in Lettland" bezeichnet.
Ich weiß nicht, wie der darauf kommt.

Vielleicht, weil Sie auf dem Feld keine Emotionen zeigen.
Ich mag es, meine Emotionen in mir zu lassen. Ich zeigte Emotionen nach dem Schlusspfiff, als wir die Meisterschaft gewonnen haben.

2007 haben Sie den Game-Winner-Wurf bei der U18-Europameisterschaft für Lettland zum Gewinn der Bronzemedaille getroffen. Träumen Sie davon, auch in diesem Sommer bei der EM der Männer eine Medaille zu gewinnen?
Es kommt nicht auf einen Wurf von mir an. Natürlich ist eine Medaille ein Traum. Wir haben es in den letzten zehn Jahren nie in ein Viertelfinale bei einer Europameisterschaft geschafft. Wir machen einen Schritt nach dem anderen und vielleicht erreichen wir dann ein Ziel.

In Lettlands Hauptstadt Riga finden die Spieler einer Vorrundengruppe statt. Dort treffen die Gastgeber auf die baltischen Nachbarn Estland und Litauen sowie auf Belgien, die Ukraine und die tschechische Republik. Was erwarten Sie von Ihrem Team?
Wir müssen abwarten, wer für die Nationalmannschaft spielt, wer verletzt und wer gesund ist. Dann erst können wir sehen, was für uns möglich ist und dann geben wir unser Bestes vor unserem Heimpublikum, um ins Achtelfinale zu kommen.

Die Fans in Lettland sind ähnlich verrückt wie die Freaks in Bamberg. Was wird im September in Ihrer Hauptstadt los sein?
Normalerweise flippen die Fans vor allem beim Eishockey aus. Nun ist zum ersten Mal in unserer Geschichte eine Europameisterschaft in Riga. Ich bin mir sicher, die Fans werden crazy sein.

Sie spielten in der lettischen Nationalmannschaft bei der EM 2013 eine tragende Rolle, standen für ihr Team die zweitmeisten Minuten auf dem Feld. Welche Rolle wollen Sie diesmal spielen?
Wir haben neben mir noch einen guten, erfahrenen Spielmacher, wir werden uns die Verantwortung teilen.

Wann beginnt die Vorbereitung mit Lettland - und machen Sie noch Urlaub?
Am 29. Juli. Die Saison war lang, ich brauche eine Pause. Ich gehe nach Hause und ruhe mich aus.

Nach Talsi in Ihre Heimatstadt mit Freundin Ieva und Hund Zeus?
Talsi - na klar. Eine kleine, ruhige Stadt, ich liebe es, dort zu sein.

Bei der EM in Slowenien trafen Sie nur 24 Prozent aus der Dreier-Distanz, knapp die Hälfte von dem, was Sie nun in den Bundesliga-Play-offs getroffen haben.
Deshalb muss ich im Training arbeiten, jeden Tag, um besser zu werden. Man muss bei jedem Wurf im Training fokussiert sein, egal ob man 100 oder 500 Würfe im Training macht.

2013 landete Lettland auf Platz 11. Was rechnen Sie sich diesmal aus?
Ich weiß nicht. Ich mag es nicht, Voraussagen zu machen. Ich hoffe, wir kommen weiter als in Slowenien.

Wer ist der EM-Favorit?
Ich habe keine Favoriten. Ich schaue nicht auf andere Teams, das ist nicht mein Job.

Und wo landet Deutschland?
Es hängt davon ab, wer spielt. Ich weiß nur, dass Deutschland eine sehr harte Vorrundengruppe hat.

Auf Deutschland können Sie frühestens im Viertelfinale treffen. Wäre das was, wenn Sie dann eventuell auf Daniel Theis, Elias Harris und Karsten Tadda treffen?
Das wäre natürlich ein großer Spaß, gegen die Jungs zu spielen.

Haben Sie ein Idol?
Nicht wirklich. Ich mag alle Top-Point-Guards in Europa, ob das Vailios Spanoulis bei Olympiakos ist oder all die anderen. Jede Euroleague-Mannschaft hat gute Aufbauspieler.

Das Gespräch führte unser Redaktionsmitglied Udo Schilling
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