Bamberg
Triathlon

Die Strapaze auf Hawaii war ein Genuss

Die Bamberger Andreas Derbfuß und Mirco Helmreich meistern den Ironman.
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Fünf Stunden Radfahren auf Hawaii: Andreas Derbfuß zog seinen Triathlon-Plan bei den Weltmeisterschaften konsequent durch. Foto: Frank Wechsel/Tre-Mag
Fünf Stunden Radfahren auf Hawaii: Andreas Derbfuß zog seinen Triathlon-Plan bei den Weltmeisterschaften konsequent durch. Foto: Frank Wechsel/Tre-Mag
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Voller Stolz und Zufriedenheit, etwas Außergewöhnliches geschafft zu haben, und dazu die "Ironman"-Medaille, das "Finisher"-T-Shirt und den dazugehörigen Kranz im Gepäck, sind Andreas Derbfuß und Mirco Helmreich von den Triathlon-Weltmeisterschaften auf Hawaii heimgekehrt. Die beiden Vereinskollegen von der IfA Nonstop Bamberg verwirklichten in Kailua-Kona ihren sportlichen Traum, auf den sie fast ein Jahr lang mit viel Entbehrungen und höchster Intensität hingearbeitet hatten.
Auch wenn die Hawaii-Fahrern im Vorfeld immer wieder gebetsmühlenartig betont hatten, dass Zeiten und Platzierungen ohne Bedeutung seien, ist es sicherlich schon auch eine gewisse Genugtuung, dass sie in ihren Altersklassen (Derbfuß AK 35, Helmreich AK 18-24) mit den Rängen 24 und 53 sehr gut platziert waren, wobei man relativieren muss, dass es bei den Jüngeren weniger "Slots" (Startplätze) als für die "30er" gab.
Beide sind sich einig: Die beiden Qualifikationswettkämpfe forderten viel mehr Energie als der gefürchtete "Ironman" auf Hawaii. "Zürich war viel härter und auch zehn Grad wärmer" (Helmreich) und "viel heißer, in Frankfurt musste ich an die absolute Grenze gehen" (Derbfuß) - so lauteten die Vergleiche zu den Juli-Wettkämpfen. Die Qualifikation war die Pflicht, Hawaii nun die Kür, wobei beim finalen Start der immense Druck einer bestimmten Platzierung fehlte. So konnten sie auch das ganze Ambiente und Geschehen - schon eine Woche vor der Start beginnend - richtig genießen. Derbfuß fühlte sich wie bei "Olympischen Spielen" und Helmreich schwärmte von "sagenhaften Eindrücken".

Die Rennetappen auf Hawaii

Schwimmen (3, 86km): Nach dem "Body Marking" in aller Früh sahen sich die beiden Bamberger noch kurz beim Einschwimmen, dann war jeder auf sich allein gestellt. Derbfuß und Helmreich berichteten vom "härtesten Schwimmen aller Zeiten". Da alle fast gleich schnell schwimmen, entzerrte sich das Feld bei normalen Wellengang und 25 Grad Wassertemperatur auch kaum. "Ich musste mich nur verteidigen, es war eine einzige Schlägerei. Positionskämpfe waren nicht möglich, es wäre schneller gegangen, aber ich wollte mich nicht aufarbeiten", fasst Derbfuß die 1:07:54 Std. im Wasser zusammen. "Ein Hauen und Stechen, einmal ist mir einer drüber geschwommen, da musste ich schon auch einmal einige wegdrücken", so der Student aus Zapfendorf (1:04:05 Std.), dem bei der Wendemarke ein Mantarochen mit einer Spannweite von gut zwei Metern entgegen kam.
Radfahren (180, 2 km): Derbfuß fuhr bei 30 Grad und sonnigem Wetter in 5:01:57 Std. eine neue Rekordzeit, anfangs mit leichtem Rückenwind, auf den letzten 50 km aber bei kräfteraubendem Gegen- und Seitenwind. "Es hat Spaß gemacht, auch meine Wattleistung war sehr gut", so sein Fazit. Nach der Hälfte der Strecke lag Helmreich auf Kurs 4:40 Std., doch dann hatte er am Wendepunkt einen Materialschaden, musste den Flaschenhalter reparieren, was ihn eine Minute kostete, und dann sorgte der Gegenwind dafür, dass der Triathlon-Youngster nur knapp unter fünf Stunden blieb (4:59:12). Interner Zwischenstand: Helmreich lag um die sieben Minuten vor Derbfuß.
Laufen (42,195 km): Die ersten 14 km wurden in der Stadt gelaufen - mit einem langen Anstieg wie auf den Bamberger Domberg, und nun kam es zum erwarteten Treffen der Bamberger. Derbfuß hatte Helmreich vor einer Wende bei Kilometer 6 im Blickfeld und grüßte ihn. Als er ihn kurz darauf überholen wollte, war Helmreich zunächst unauffindbar. "Wo ist Helmreich?" Ausgeschieden? Mitnichten, des Rätsels Lösung: Helmreich musste einen "Boxenstopp" auf dem "Dixie-Klo" einlegen. Während der von Magenproblemen Geplagte sich durchquälen musste, lief der erfahrene Derbfuß seinen Stiefel herunter (3:14:55 Std.) "Ich ging nicht bis ans Limit, auch wenn ich das bestmögliche Ziel erreichen wollte. Zwei, drei Minuten hin oder her sind da nicht so wichtig." Entscheidend war, dass er nach 9:31:52 Std. (Rang 272) das legendäre Ziel in Kona überschritt und als "Finisher" schon bald danach in der Verpflegungszone seiner Freude freien Lauf lasen konnte. Eis, Pizza, Pommes..., alles was das Herz begehrt.
"Für mich war das Laufen von Anfang an eine Qual. Eine Verletzung warf mich zurück, ich hatte noch Zürich in den Knochen, trotzdem konnte ich jede Minute genießen." Aufgeben? Daran dachte Helmreich zu keiner Sekunde: "Und wenn ich ins Ziel gekrabbelt wäre." Statt auf Teufel komm raus zu laufen, entschied er sich, die "Gänsehaut"-Atmosphäre beim Schlussakkord zu genießen. 3:59:37 Std. und eine Gesamtzeit von 10:19:17 Std. (Rang 701), Mirco Helmreich war außer sich vor Glück.
Auf die Frage, was denn 2013 noch auf dem Sportprogramm stehe, antworteten beide wie aus der Pistole geschossen: "Das Jahr ist vorbei!" Es musste nun seit längerer Zeit "alles andere zurückstecken", der Aufwand sei immens gewesen, mental, finanziell und vor allem auch zeitlich. Aus, basta und 2014? Derbfuß wird definitiv nicht die lange Distanz laufen und sich auf die Marathonläufe in Hamburg und Frankfurt vorbereiten. Dazu die Kurz- und Mitteldistanz im Triathlon. Auch für Helmreich gibt es kein Hawaii 2014, er konzentriert sich auf sein Staatsexamen im Herbst und plant für 2015 den "Norseman", eine Ultra-Veranstaltung im Triathlon mit über 7000 Höhenmetern.
Beide können sich übrigens schon wieder bewegen, Derbfuß joggte am Montag zehn Kilometer mit dem Hund und Helmreich musste im Sportstudium den Badmintonschläger schwingen.

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