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Basketball

Das deutsche Team hält dem Druck stand

Die deutsche Nationalmannschaft schlägt Österreich mit 78:58 und hat am Samstag ein "Endspiel" in den Niederlanden.
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Der Bamberger Daniel Theis (Nr. 10) blockt einen Wurf des österreichischen Topscoreres Rasid Mahalbasic. Der künftige NBA-Profi Paul Zipser (links) beobachtet die Situation.  Foto: Nicolas Armer/dpa
Der Bamberger Daniel Theis (Nr. 10) blockt einen Wurf des österreichischen Topscoreres Rasid Mahalbasic. Der künftige NBA-Profi Paul Zipser (links) beobachtet die Situation. Foto: Nicolas Armer/dpa
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Eineinhalb Stunden vor Spielbeginn ackerten sie schon auf dem Parkett der Brose-Arena - die Assistenztrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, Henrik Rödl und Dave Bliss. Wenig später war selbst Bundestrainer Chris Fleming auf dem Feld präsent, um seinen Schützlingen den Ball zuzupassen oder sie in ihren Probewürfen zu verteidigen. Dabei schwitzten die Betreuer mehr als die Spieler - und das wahrscheinlich nicht wegen körperlichen Anstrengung, sondern wegen der Anspannung.


Voigtmann: Es war kein normales Spiel

Bei einer Niederlage drohte das Aus in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2017. "Es war kein normales Spiel", gestand nach dem 78:58 (43:28)-Sieg über Österreich der beste Werfer der Deutschen, Johannes Voigtmann (19 Punkte, 10 Rebounds), angesichts des Drucks, "aber diesmal haben wir unseren besten Basketball in diesem Sommer gespielt". Der von Frankfurt zum
Euroleague-Topverein Vitoria gewechselte Center weiß aber auch, dass noch ein Spiel aussteht: "Es ist noch nicht vorbei. In den Niederlanden werden wir alles geben müssen." Der 2,09-Meter-Riese mit dem großen Ballgefühl trug das junge Team vor allem in der ersten Hälfte mit zwölf Punkten und reboundete nach der Pause stark. Die zehn Abpraller brachten dem sonst nicht so reboundstarken Center auch ein Sonderlob des Trainers ein.


Thiemann und Heckmann mit Impulsen

Impulse von der Bank gaben auch der Ex-Bamberger Johannes Thiemann (jetzt Ludwigsburg), der vor einer Woche nach dem Abgang von Tibor Pleiß wieder zum Kader gestoßen war, und Patrick Heckmann. Der Bamberger, der nach seinem harten Sturz auf den Rücken im Niederlande-Spiel zuletzt gegen Dänemark geschont wurde, verteidigte seiner gewohnten Umgebung intensiv und provozierte einige Ballverluste der Österreicher, die zu Fastbreaks genutzt wurden. "Der Sieg heute tat richtig gut. Wir haben so gespielt, wie wir trainiert haben - hart und gut. Dabei haben wir gezeigt, dass wir auch lange Phasen gut spielen können", sagte der 24-Jährige, der 14 Punkte erzielte.


Weiss: Siegeswille war sichtbar

Auch der erleichterte DBB-Präsident Ingo Weiss lobte die junge Mannschaft, die "gezeigt hat, dass sie das Spiel unbedingt gewinnen wollte und keinen Ball verloren gegeben hat. Auch in der zweiten Hälfte haben wir gut dagegengehalten."
Nach einem etwas fahrigen Start (3:8) fing sich das deutsche Team und zog nach dem 15:15 auf 23:17 weg. Als zu Beginn des zweiten Viertels Thiemann ein Offensivfoul eines Österreichers annahm, ballte der sonst wenig Emotionen zeigende Fleming am Spielfeldrand die Faust. Wenig später schraubten Kapitän Robin Benzing per Dreier und Daniel Theis per Dunking den Vorsprung erstmals in den zweistelligen Bereich, womit sie Österreichs Trainer Kestutis Kemzura zu seiner zweiten Auszeit zwangen. Von der folgenden Zonenverteidigung der Alpen-Basketballer ließ sich die Fleming-Truppe nicht stoppen. Zweimal Heckmann, dazu Paul Zipser und der zweite Dreier von Voigtmann brachten eine 43:26-Führung kurz vor der Pause.
Das zweite Viertel, der Knackpunkt des deutschen Teams in den bisherigen EM-Qualifikationsspielen, war mit 20:9 gewonnen worden. DBB-Sportdirektor Ralph Held fiel schon zur Pause ein Stein vom Herzen: "Als wir das zweite Viertel überstanden hatten, hatte ich keine Bedenken mehr. Selbst als im vierten Abschnitt die Österreicher noch einmal auf neun Punkte herangekommen sind, war ich mir sicher, dass wir das erfolgreich beeenden."


Ruppige Österreicher

Held meinte damit die Phase, als nach einer über dreiminütigen Flaute zu Beginn des Schlussdurchgangs die ruppig zu Werke gehenden Österreicher auf 49:58 verkürzten. Theis mit sechs seiner neun Punkte und Heckmann mit einem Drei-Punkte-Spiel stellten aber binnen zwei Minuten mit der 67:51-Führung die Weichen auf Sieg. Der aus Slowenien stammende Center Rasid Mahalbasic (21 Punkte, 7 von 14 Freiwürfen) und der Ex-Kosovare Enis Murati (11 Punkte) wehrten sich auf Gästeseite zwar vehement gegen die Niederlage, doch der Neu-Bamberger Maodo Lo (5 Punkte, 5 Assists), der in seiner Rolle als Spielmacher seit dem ersten Testspiel Ende Juli immer besser in seine Rolle hineingewachsen ist, führte sein Team zum noch deutlichen Sieg.
"Maodo hat in den letzten Wochen enorme Fortschritte gemacht", lobte Fleming den 23-Jährigen. "Der Junge hat die letzten vier Jahre an der Uni gespielt und - ich sage das auf eine nette Art - das Niveau dort war nicht gerade stark, die Center dort sind so groß wie ich. Dort war Maodo kein Point Guard und dann kommt er hierher und bekommt gesagt: Herzlichen Glückwunsch, du bist jetzt Point Guard", so der 1,91 m große Bundestrainer über seinen ebenso lernwilligen wie lernfähigen Spielmacher. Der so Gelobte freute sich über den Erfolg in seiner künftigen Halle: "Es geht für mich nicht immer darum, zu punkten oder großartig individuell zu glänzen. Es wichtig, zu begreifen, dass man, wenn man auf diesem Niveau Point Guard spielt, die Mannschaft gewinnt, jeder involviert ist und man guten Basketball spielt. Das Tempo zu kontrollieren,den Ball gut zu bewegen, Assists geben und die kleinen Dinge, die das Spiel ausmachen, habe ich in diesem Sommer gelernt."


Harter Kampf in Niederlanden

Am Samstag in Leiden gegen die Niederlande erwartet das deutsche Team einen harten Kampf. Ein Sieg mit mindestens fünf Punkten bedeutet den Gruppensieg und das EM-Ticket. Die erste "Schlacht" hat das Fleming-Team gut überstanden. "In den Phasen, als das Spiel etwas dreckiger wurde, haben wir dagegengehalten und uns nicht aus der Ruhe bringen lassen. Das macht uns zuversichtlich für Holland", sagte Fleming, der vor allem die Art und Weise der insgesamt 15 Ballverluste seines Teams kritisierte, und meinte: "Das zeigt uns, dass wir eben kein Fertigprodukt sind."
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