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Play-off-Basketball

Playoffs: Brose Bamberg zerlegt die Bayern aus München

Der deutsche Meister nimmt die Münchner Bayern im ersten Spiel der Halbfinalserie beim 82:59 auseinander.
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Freak City feiert wieder einmal einen grandiosen Sieg über den Erzrivalen aus München. Fotos: Daniel Löb
Freak City feiert wieder einmal einen grandiosen Sieg über den Erzrivalen aus München. Fotos: Daniel Löb
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Spiele gegen den FC Bayern sind für Freak City etwas Besonderes und lösen oft Explosionen aus - bei den Fans und den Protagonisten auf dem Spielfeld. Die letzten beiden Partien - das dritte Halbfinale in der letzten Saison und das Bundesliga-Heimspiel früh in dieser Serie - gegen den Erzrivalen aus München hatte der deutsche Meister jeweils mit 31 Punkten Differenz für sich entschieden. Am Sonntag in Spiel 1 der Play-off-Halbfinals waren es am Ende "nur" 23 Punkte (82:59), die zwischen dem Hauptrunden-zweiten und -dritten lagen, aber die Mannschaft von Erfolgstrainer Andrea Trinchieri sorgte für einen Paukenschlag und freute sich, dass Kapitän Elias Harris nach monatelanger Verletzungspause wieder dabei war.


Bamberger Bollwerk steht

Doch es ist Vorsicht geboten: Die Bayern werden am Donnerstag (17.30 Uhr) in Partie Nummer 2 vor heimischem Publikum sicher ganz anders auftreten und versuchen, den beigeisternden Team-Basketball, den Brose Bamberg zelebrierte, zu unterbinden. Allerdings müssen sie auch ein Mittel gegen die Brose-Defensive finden, denn in den ersten drei Vierteln (10, 13 und 14 Punkte) war der Bayern-Angriff ein laues Lüftchen.
Mit einer Machtdemonstration eröffneten die Bamberger das Duell Oberfranken gegen Oberbayern: Als Turm in der Schlacht erwies sich in dieser Phase Leon Radosevic, der in der Zone alles abräumte, was abzuräumen war und Maik Zirbes zum Statisten degradierte. Auf der anderen Seite des Feldes eröffnete Darius Miller mit einem Dreier das Offensiv-Feuerwerk. Über ein 12:0 baute der Meister den Vorsprung bis auf 19:2 aus. Fast acht Minuten waren gespielt, als Maxi Kleber der erste Feldkorb für die Bayern gelang. Die Trefferquoten nach zehn Minuten (Bamberg 47 Prozent/Bayern 18) sprechen Bände.
Zu Beginn des zweiten Viertels zeigten die Münchner zwar ein wenig mehr Gegenwehr, brachten sich aber mit teilweise katastrophalen Ballverlusten (11 in Halbzeit 1) immer wieder selbst in Bedrängnis. Am Ende der ersten 20 Minuten standen ganze elf Punkte aus dem Feld zu Buche, die anderen zwölf Zähler resultierten aus Freiwürfen. Regisseur Nikos Zisis sorgte nach 16 Minuten erstmals für einen 20-Punkte-Vorsprung - 90 Sekunden später lag der Gastgeber sogar mit 38:15 vorn. Das Sahnehäubchen auf diese grandiose erste Hälfte setzte dann Janis Strelnieks, der mit der Pausensirene einen Dreier aus acht Metern versenkte.
Nach dem Seitenwechsel machten die Bayern vor allem in Person von Devin Booker klar, dass sie sich noch nicht geschlagen geben wollten. Doch nach über drei Minuten ohne Bamberger Punkte rückte Darius Miller mit seinem dritten Dreier zum 52:28 die Verhältnisse wieder zurecht. Doch damit nicht genug: Jetzt zeigten auch Janis Strelnieks und Fabien Causeur ihre Stärken aus der Distanz und sorgten erstmals für eine 30-Punkte-Führung (61:30).
Im letzten Viertel ließen es die Bamberger angesichts der deutlichen Führung etwas ruhiger angehen (71:47), doch Lucca Staiger und Maodo Lo sorgten dafür, dass die Fans bereits drei Minuten vor Schluss die Siegesgesänge anstimmten. "Die Nummer 1 im Land sind wir" schallte es durch die Frankenhölle. Die Bayern schlichen frustriert vom Feld - wie sie mit dieser neuerlichen Schlappe umgehen, das zeigt sich am Vatertag.


Bayern-Trainer Djordjevic: Die Bamberger haben uns eine Lehrstunde erteilt

Andrea Trinchieri (Brose-Trainer): "Ich rechne mit einer Reaktion der Münchner in Spiel 2. Es war wie in jeder Best-of- five-Serie: Eine Mannschaft legt vor, die andere wird reagieren. Wir haben heute durchweg eine gute Verteidigung gespielt und damit auch die Fehler, die wir uns geleistet haben, immer wieder ausgebügelt. Wir kennen die Klasse von Bayern München, wer jetzt glaubt, dass es mehr steht als nur 1:0, der begeht eine echte Sünde. Sie werden das Niveau heben, wir müssen dann noch besser sein als heute, um dem standzuhalten."

Sascha Djordjevic (Bayern-Trainer): "Die Bamberger haben uns heute eine Lehrstunde erteilt. Ich kann die Vorstellung nicht so richtig erklären. Wir können nicht nur physisch auf dem Feld stehen, wir müssen auch mit Stolz und Herz agieren. Ich möchte mich für den Auftritt heute entschuldigen. Ich bin dafür verantwortlich, ich muss die Mannschaft einstellen, die Spieler müssen das auf dem Feld umsetzen. Wir können auf diesem Niveau nicht so agieren, wie wir das heute getan haben."

Anton Gavel (Ex-Bamberger in Diensten der Bayern): "Wir haben uns das ganz anders vorgestellt. Aber der Start mit 12:0 hat die Richtung vorgegeben. Davon haben wir uns nicht erholt, und Bamberg ist davongezogen. Wir haben in den ersten vier Minuten gefühlt keinen Wurf bekommen und hatten drei, vier Ballverluste. Wenn man in Bamberg einmal mit 25 Punkten hinten liegt, kann man das Spiel nicht mehr drehen. Wir werden natürlich das Spiel analysieren und die Gründe für das klare Ergebnis suchen. Aber irgendwie muss man dieses Spiel auch einfach abhaken. Ich denke schon, dass uns der Heimvorteil helfen wird. Wir müssen gewinnen, um die Serie überhaupt noch spannend zu machen. Das werden wir versuchen. Am Donnerstag muss einfach alles besser werden. Wenn du hinten keine Stopps schaffst, kommst du vorne auch nicht zu einfachen Punkten."

Rolf Beyer (Brose-Geschäftsführer): "Ich hatte nach der Viertelfinalserie alles erwartet, nur so etwas nicht. Aber ich habe auch extremes Vertrauen in die Mannschaft, die sich in schwierigen Phasen immer wieder selbst aufrichtet. Wir haben vielleicht dieses Stahlbad gegen Bonn gebraucht. Dass seit drei Tagen Elias Harris zurück ist, hat dem Team auch noch einmal einen mentalen und moralischen Schub gegeben. Er ist ein extrem wichtiger Energie-Faktor für die Mannschaft."

Darius Miller (Brose-Scharfschütze): "Der Schlüssel war, dass wir voll konzentriert rausgekommen sind - das war im Viertelfinale nicht so. Wir haben mit hoher Intensität gespielt und Bayern keine freien Würfe erlaubt, hoffentlich bleibt das so. Wir müssen in Partie 2 einfach genau so wieder spielen."


Die Statistik

Brose Bamberg - Bayern München 82:59
(23:10, 22:13, 19:14, 18:22)
Bamberg Causeur (16 Punkte/1 Dreier), Lo (13/3), Zisis (12/1), Miller (11/3), Strelnieks (8/2), Theis (7), Radosevic (6), Staiger (5/1), Melli (3/1), Harris (1), Heckmann, Kratzer
München Booker (15), Kleber (8), Taylor (8/1), Barthel (8), Djedovic (7/1), Lucic (6), Redding (5), Zirbes (2), Gavel, Joyce, Johnson, King
SR Rodriguez, Fritz, Kovacevic
Zuschauer 6150 ausverk.
Gesamtwurfquote Bamberg 44 Prozent (24 Treffer/54 Versuche), München 35 (18/52)
Dreier Bamberg 46 Prozent (12/26), München 13 (2/16)
Freiwurfquote Bamberg 76 Prozent (22/29), München 75 (21/28),
Rebounds Bamberg 33 (27 defensiv/6 offensiv), München 37 (27/10)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 10/9, München 4/17
Assists Bamberg 12 / München 12
Fouls Bamberg 28 / München 25
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