Bamberg
Basketball-Play-offs

Brose Baskets setzen ein Ausrufezeichen gegen Bayern München

Die Brose Baskets bezwingen zum Auftakt der Halbfinalserie den FC Bayern München deutlich mit 88:73.
Artikel drucken Artikel einbetten
Darius Miller (r.), der vier Dreier bei fünf Versuchen versenkt hat, strahlt beim Abklatschen mit den Fans auf der Ehrenrunde. Fotos: sportpress
Darius Miller (r.), der vier Dreier bei fünf Versuchen versenkt hat, strahlt beim Abklatschen mit den Fans auf der Ehrenrunde. Fotos: sportpress
+11 Bilder
Am Samstagabend feierten die Bayern-Fußballer ausgelassen das Double, die Basketballer der Münchner werden in dieser Saison wohl erneut leer ausgehen - aber Vergleiche mit den Starkickern sind bei den Korbjägern ja ohnehin nicht zulässig, das betont Bayern-Coach Svetislav Pesic immer wieder gebetsmühlenartig. "Die Nummer 1 im Land sind wir", sangen die Brose-Fans schon weit vor der Schlusssirene. Am Ende stand ein unerwartet deutlicher 88:73 (42:32)-Erfolg des deutschen Meisters zum Auftakt der Halbfinalserie gegen den letztjährigen Endspielgegner.

Von wegen Rost angesetzt in der einwöchigen Spielpause nach dem souveränen 3:0-Sweep gegen Würzburg - die Brose Baskets machten von Beginn an deutlich, dass sie auch im 20. Bundesliga-Heimspiel dieser Saison als Sieger vom Feld gehen wollten. Einmal mehr waren aggressive Verteidigung und gute Ballbewegung dafür verantwortlich, dass die Hausherren schon nach sieben Minuten erstmals zweistellig in Front lagen.

Aber die Bayern, die auf die verletzten Dusko Savanovic (Finger) und Deon Thompson (Wade) verzichten mussten, kämpften sich zurück in die Partie. Vor allem Center "Big John" Bryant setzte sich immer in Szene, sodass der Gast nach 14 Minuten wieder bis auf vier Zähler (24:28) dran war. Doch der Gastgeber hatte sehr zur Freude seiner begeisterten Anhänger wie immer an diesem Nachmittag die passende Antwort parat: Nach einem der seltenen Dreier in der ersten Halbzeit (4 Treffer bei 14 Versuchen) lagen wieder zehn Zähler zwischen den Erzrivalen.

Patrick Heckmann, Janis Strelnieks und Brad Wanamaker sorgten nach der Pause für das 51:36. Doch Bryant, Paul Zipser und Vitalis Chikoko zeigten mit einem 11:0-Lauf eine letzte Trotzreaktion. Als Wanamaker und Darius Miller den Münchnern innerhalb von 16 Sekunden zweimal den Ball geklaut hatten, lief für die Brose Baskets wieder alles nach Plan. Miller setzte mit seinem Dreier unmittelbar vor der Viertelsirene zum 63:52 ein weiteres Signal.

Und im Schlussviertel fielen dann endlich auch die Distanzwürfe (5 von 7), sodass die Partie spätestens beim 82:59 dreieinhalb Minuten vor dem Ende entschieden war. "Hier regieren die Bamberger", tönte es aus dem Fanblock, Freak City feierte mit stehenden Ovationen den Auftaktsieg.


"Als Team sehr solide gespielt"

"Wir haben das Eis in der Serie gebrochen. Es war das von mir erwartete Spiel: Wir fanden in der ersten Halbzeit keinen Rhythmus und haben die offenen Würfe nicht getroffen. Nach der Pause sind die Bälle dann reingefallen. Nachdem wir die Dreier versenkt haben, ist der Korb ganz groß geworden. Insgesamt haben wir als Team sehr solide gespielt und den Ball im Angriff gut bewegt. Dann kommt am Ende dieses Ergebnis heraus", kommentierte Bambergs Erfolgstrainer Andrea Trinchieri wenig euphorisch den klaren Sieg. Dieser bedeutet aus seiner Sicht nichts für die best-of-five-Serie. "Am Mittwoch wird das ein ganz anderes Spiel. Die Bayern werden zurückschlagen", erwartet der Italiener am Mittwoch (20.30 Uhr) im Audi Dome eine Trotzreaktion des letztjährigen Vizemeisters.


Pesic: Im Angriff fehlte die Kraft

Svetislav Pesic, der in der Kabine seine Jungs lautstark rund gemacht hatte, schlug bei der Pressekonferenz ruhigere Töne an: "Wir haben heute eine gute Verteidigung gespielt und viel investiert. Wir waren sehr gut im Rebound und haben den offensiv orientierten Bamberger in eigener Halle nur eine Trefferquote von 46 Prozent erlaubt. Ich bin mit unserer Verteidigung zufrieden, aber Bamberg hat eben auch eine gute Defensive gespielt.

Im Angriffe hatten wir nicht genug Kraft, um unsere Systeme durchzuziehen, hier fehlte uns ein wenig die Frische, um am Ende vielleicht bessere Entscheidungen zu treffen." Die Viertelfinalserie gegen Ludwigsburg hatte den Bayern doch einige Körner gekostet - zumal die Ex-Bamberger Anton Gavel und Alex Renfroe weiter angeschlagen sind. Jetzt liegt der Druck bei den Bayern: Wenn sie sich am Mittwoch vor heimischem Publikum nicht steigern, könnte der Titeltraum schon am nächsten Sonntag (19.30 Uhr) in Bamberg zu Ende sein.
Stimmen zum Spiel

Daniel Theis (bester Bamberger Rebounder): "Bei München haben mit Thompson und Savanovic zwei wichtige Spieler gefehlt. Das hat man im Inside-Spiel gemerkt. Wenn sie am Mittwoch dabei sind, wird es auf jeden Fall ein anderes Spiel. Aber für uns ändert sich dadurch nichts. Wir wollen weiter unseren Basketball spielen. Wir haben zwar in der vergangenen Woche viel trainiert, aber trotzdem fehlt uns der Spielrhythmus. Das hat der Coach auch zu uns gesagt, dass wir in der ersten Halbzeit viele offene Würfe haben, aber nicht alle treffen werden. In der zweiten Halbzeit sind sie dann gefallen, deshalb machen wir uns keine Sorgen. Wir haben München zu vielen Ballverlusten gezwungen und konnten dann Fastbreaks spielen. Das wollen wir am Mittwoch wieder schaffen."

Patrick Heckmann (Bamberger Flügelspieler): "Am Anfang waren wir nicht in unserem Rhythmus, aber das haben wir mit viel Energie wettgemacht. In der zweiten Halbzeit sind die Würfe gefallen. Vielleicht kommen Savanovic und Thompson bei den Münchnern zurück, aber ich glaube, wir können uns auf die Sachen verlassen, die wir heute richtig gemacht haben."

Brad Wanamaker (Bamberger Kapitän): "Wir haben die Dinge umgesetzt, die wir machen wollten, und vor allem gut verteidigt. Sie haben uns viele Würfe gestattet. Aber es war nur ein Sieg. Ich glaube, im nächsten Spiel werden wir besser im Rhythmus sein. Die Woche Pause war nicht gut, besonders für mich nicht."

Paul Zipser (Münchner Flügelspieler): "Wir waren bis auf vier Punkte dran, haben dann aber etwas nachgelassen. Wir hatten Ballverluste, und die Verteidigung war nicht so, wie sie sein sollte. Am Ende waren es ein bisschen zu viele Ballverluste. Wir können uns eigentlich gegen jedes Team zurückkämpfen, aber das haben wir heute nicht gemacht. Am Mittwoch wollen wir hinten besser stehen und vorne den Ball besser bewegen."

Rolf Beyer (Geschäftsführer der Brose Baskets): "Eine Zeitlang waren es die Psycho-Spiele, die in so einer Serie das Salz in der Suppe ausmachen. Das können die Münchner einfach. Darauf dürfen wir uns nicht einlassen. Andrea Trinchieri hat in der Auszeit, als es bei nur vier Punkten Vorsprung noch einmal knapp wurde, die richtigen Worte gefunden. Wir haben so eine stabile und solide Mannschaft, die sich auch von so einer Phase nicht beeindrucken lässt. Am Schluss waren es auch die Athletik und die Körner, die wir mehr hatten, die entschieden. Die Bayern hatten das Problem, dass auf den großen Positionen nur eine kleine Rotation möglich war, nachdem Savanovic und Thompson verletzt pausieren mussten. Ich glaube, das haben wir bravourös ausgenutzt."
Die Statistik

Brose Baskets Bamberg - Bayern München 88:73
(23:14, 19:18, 21:20, 25:21)
Bamberg Strelnieks (15 Punkte/1 Dreier), Wanamaker (15), Miller (14/4), Theis (11/1), Melli (10/2), Heckmann (8), Zisis (6/1), Harris (5/1), Radosevic (4), Staiger
München Bryant (17/1), Djedovic (15/2), Chikoko (11), Zipser (10/2), Renfroe (8/1), Cobbs (5/1), Taylor (3), Kleber (2), Gavel (2)
SR Rodriguez, Fritz, Hack
Zuschauer 6800 ausverkauft
Gesamtwurfquote Bamberg 46 Prozent (32 Treffer/69 Versuche), München 41 (26/63)
Dreierquote Bamberg 42 Prozent (10/24), München 39 (7/18)
Freiwurfquote Bamberg 88 Prozent (14/16), München 93 (14/15)
Rebounds Bamberg 35 (27 defensiv/8 offensiv), München 40 (30/10)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 6/6, München 2/14
Assists Bamberg 16 / München 14
Fouls Bamberg 2 / München 21
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren