Wer kennt noch Claus Roelen? Der Mittel- und Langstreckenkrauler, Baujahr 1955 und mit einem enormen Wassergefühl ausgestattet, sorgte in den Siebzigern vor der Jahrtausendwende mit seiner per Handkurbel zum infernalischem Heulen gebrachten Feuerwehrsirene dafür, dass die Damen und Herren des SV Bamberg nicht nur ihrer Leistungen, sondern auch ihrer Lautstärke wegen geachtete Gegner bei den Zweitliga-Wettkämpfen in den süddeutschen Schwimm-Arenen waren. Es mag dieser Tage gesittet zugehen im Kreise der Athleten, die Trainingslehre auf dem modernsten Stand sein - aber: Wenn die DMS, die deutschen Mannschaftsmeisterschaften, vor der Tür stehen, sind Stimmung und Motivation unter den Schwimmern nach wie vor einzigartig.

Wer das erleben möchte, muss am morgigen Samstag spätestens ab 11 Uhr ins Bambados kommen: Erstmals ist Bamberg mit den Herren der SG Gastgeber eines DMS-Durchganges in der 2. Liga Süd, hat der neue Schwimm-Tempel im Osten der Stadt seine erste Bewährungsprobe als Wettkampfstätte zu bestehen.

Und das Becken ist bereitet, teilt die Bäder GmbH der Stadtwerke mit. Per Metallhaken seien die Endpunkte der Trennleinen in zwei Nachtschichten nun auf Wasserniveau gebracht worden, nachdem sie "anfangs fälschlicherweise auf der Oberseite der Trennwand angebracht worden" waren, erklärt die Bäder GmbH. "Wir freuen uns sehr, dass wir rechtzeitig vor dem Wettkampf eine Lösung gefunden haben und der Austragung am Samstag nichts mehr im Wege steht", sagt Christoph Jeromin, der zuständige Abteilungsleiter bei den Stadtwerken. Dieter Geus, aus Bamberg stammender oberster Schiedsrichter Bayerns in Sachen Schwimmen, hat von München aus die Wettkampftauglichkeit des Bambados erklärt, nachdem ihm Jeromin am Mittwoch in der Frühe Bilder per E-Mail übermittelt hatte.

Die erste Herrengarnitur der Startgemeinschaft (SG) Bamberg, bestehend aus dem Schwimmverein und dem Wassersportverein Neptun, stellt sich im knapp zehn Wochen alten Bambados den besten Mannschaften aus Süddeutschland. Nach dem hervorragenden Abschneiden im DMS-Vorkampf in Wiesbaden werden eine Woche später an diesem Samstag um 11 Uhr die Karten neu gemischt. Mit Platz 4 und 22 168 Punkten hat sich die Mannschaft von Cheftrainer Manfred Höglauer eine hervorragende Ausgangssituation geschaffen, sich in der ersten Hälfte der 2. Liga Süd festzusetzen. Nimmt man alle 2. Ligen (Nord, West und Süd mit je zwölf Mannschaften) zusammen, liegt die SGB auf Rang 8, nur 235 Punkte vom sechsten Platz entfernt, der zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga berechtigt hätte.

Der zweite Durchgang wird an zwei Orten ausgetragen. In Hohenbrunn-Riemerling starten die Stadtwerke München, Hohenbrunn-Riemerling und zwei Mannschaften aus Sindelfingen. In Bamberg mischen acht Herren- und sieben Damenmannschaften mit. Die Konkurrenz der Bamberger Herren: SG EWR Rheinhessen Mainz (Vorrundenplatz 2/23 412 Punkte), SV Mannheim (5/22 068), SCW Eschborn (7/21 482), SC Chemnitz (8/21 446), SV Gelnhausen (9/21 442), SSG Erlangen (10/21 403) und SV Nikar Heidelberg (11/21 317).

Damen in der Aufstiegsrunde


Für die erste Damenmannschaft der SG Bamberg, die erst letztes Jahr den Aufstieg in die Bayernliga feierte, lief der erste DMS-Durchgang in Bayreuth optimal. Die junge Mannschaft mit einem Durchschnittsalter von 15 Jahren belegte auf Anhieb Platz 2 mit 19 291 Punkten. Ganz leise erhofft, kam helle Freude auf, als am Abend nach dem Wettkampf die Nachricht von Jakob Rukatukl, dem Rundenleiter des Süddeutschen Schwimmverbandes, eintraf, dass sich die Bamberger Mädchen als sechstplatzierte Mannschaft ins Freiburger Finale geschwommen hatten. Cheftrainer Höglauer sagt: "Ein Aufstieg in die 2. Bundesliga wird dieses Jahr wohl noch nicht möglich sein, dennoch werden unsere Schwimmerinnen ihr Bestes geben und Aufstiegsluft schnuppern, um nächstes Jahr durchaus den Sprung nach oben anzupeilen." In Freiburg gehen in der Damen-Konkurrenz an den Start: SG Schwabmünchen Nördlingen (Bayern/21 191 Punkte), SC Eschborn (Hessen/20 763), Hofheimer SC (Hessen/20 563), DSV Darmstadt (Hessen/20 563), SSV Ulm (Baden-Württemberg/20 250) und die SG Bamberg (Bayern).

Die DMS-Wettkämpfe finden traditionell auf 25-m-Bahnen statt, da die Republik nach wie vor nicht üppig mit überdachten 50-m-Becken gesegnet ist. Exkurs zum Wasserball: In dieser Sportart für schnelle, wurfgewaltige und kampfkräftige Typen gewann die Mannschaft des SV Bamberg um die immer noch stattlichen Mees-Brüder Werner und Geo im August 1960 vor über 2000 Zuschauern im benachbarten Stadionbad die deutsche VoW-Meisterschaft. "VoW" steht für "Verein ohne Winterbad". Weil zu klein, konnte das 1967 eingeweihte Hallenbad am Margaretendamm keine neue Heimat für die Wasserballer werden. Die Erfolgsgeschichte endete. Lebt die Tradition im Bambados nun wieder auf?

"DMS": Schwimmen um Punkte im Bambados

DMS Die Buchstaben stehen für " D eutscher M annschaftswettbewerb S chwimmen".

Ligen Um Zeiten und Punkte geht es von den Bezirksligen über die Landes- und Verbandsligen (im Freistaat die Bayernliga) bis in die 2. Ligen und die Bundesliga hinauf.

Wertung Bis auf die 100 m Lagen werden zweimal alle 16 möglichen Wettkampfstrecken geschwommen: jeweils 50, 100 und 200 m in Schmetterling, Rücken, Brust und Freistil sowie die 400 m Freistil, 800 m Freistil (Frauen), 1500 m Freistil (Herren), 200 m Lagen und 400 m Lagen. Die Zeiten der einzelnen Starter werden anhand einer an den Weltrekorden orientierten Tabelle in Punkte umgerechnet. Alle Punkte zusammen ergeben das Mannschaftsergebnis. Ein Schwimmer darf höchstens fünfmal starten.

Eintritt frei heißt es am morgigen Samstag für die Zuschauer am Nebeneingang des Bambados (Wettkampfbeginn 11 Uhr, Halleneinlass ab 9 Uhr). Einen Euro Rabatt erhalten die Sauna- und Badegäste, da sie auf das gesperrte Wettkampfbecken verzichten müssen.