Bamberg
Sportgeschichte

Als Franken das Dribbeln lernte

125 Jahre ist es her, dass in den USA das erste Basketballspiel angepfiffen wurde. In Frankens BBL-Hochburgen dauerte es aber noch. Ein Rückblick
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In weitaus knapperen Hosen als heute standen sich 1956 der FC Bamberg und der CVJM im ersten Basketballspiel in Bamberg gegenüber.
In weitaus knapperen Hosen als heute standen sich 1956 der FC Bamberg und der CVJM im ersten Basketballspiel in Bamberg gegenüber.
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125 Jahre Basketballsport! Nimmt man den 20. Januar 1892 mit der ersten offiziellen Begegnung zweier Studenten-Mannschaften in Springfield als Geburtsstunde, so feierte eine der populärsten Sportarten weltweit in der letzten Woche Jubiläum. Auch wenn es fast sechs Jahrzehnte dauerte, bis das im Dezember 1890 vom kanadischen Sportlehrer James Naismith erfundene Spiel - als winterliche Ablenkung für Footballer - vom Nordosten der USA bis nach Franken kam, gehört der Norden Bayerns mit aktuell drei Bundesligisten zu Deutschlands Hochburgen. Anlass genug, in den drei BBL-Standorten nach den Wurzeln zu suchen, natürlich verbunden mit dem Hinweis, dass der BBC Coburg, derzeit in der Regionalliga-Spitze, der älteste reine Basketball-Club Deutschlands ist (1954) und so auch wertvolle "Pionierarbeit" leistete.

Dass Bert Peßler als "Vater" des Bamberger Basketballs in die Geschichte eingehen konnte, ist einem ungarischen basketballaffinen Kommilitonen an der Sportakademie Steingaden zu verdanken. Der Handballer Peßler fand sehr große Freude am Basketball. Als er 1953 neben seiner Tätigkeit am Hochschulinstitut für Leibesübungen in Erlangen zweimal wöchentlich an der Pädagogischen Hochschule in Bamberg lehrte, nahm die Faszination an "der vom erzieherischen Standpunkt her wichtigsten Sportart" ihren Lauf.

Basketball anno dazumal: Mit zurechtgestutzten Fußball-Lederbällen wurde gespielt und Körbe selbst aus Wasserleitungsrohren zusammengezimmert, dazu einfachste Holzbretter! Die Begeisterung über das bis dato unbekannte Spiel kam ins Rollen, besonders schnell nach einem "Einweisungsnachmittag für alle Interessierte".
Als der Sportlehrer 1955 an die Bamberger Oberrealschule kam, setzte das Duo Bert Peßler (auf Schulebene) und dessen Freund Winfried Potrykus (auf Vereinsebene) die entscheidenden Marksteine. Letztgenannter war es auch, der am 18. September beim Vereinsauschuss des 1. FC Bamberg den Antrag auf Gründung einer Basketballabteilung stellte.

Bereits im Herbst fanden die ersten Turniere von Klassenmannschaften statt. Nicht selten war man dabei den Zwängen alter Schulen ausgeliefert. So stand beispielsweise mitten in der Turnhalle des ehemaligen Deutschen Gymnasiums in Bamberg noch ein Eisenofen, der dann nur zu gerne von Spielern als Block genutzt wurde. In die Kategorie Schulvergleich fällt auch das erste offizielle Spiel an Ostern 1956.


1956/57 offizieller Spielbetrieb

Viele Jugendliche waren Feuer und Flamme. Kein Wunder, dass dem FC weitere Vereine mit Basketballabteilungen folgten. Die Ball- und Korbprobleme wurden weniger. Und die Stimmung stieg, als die FCler ab 1956/57 am offiziellen Spielbetrieb teilnahmen, schon bald mit Verstärkung, die das amerikanische Verbindungsbüro vermittelte. Der Basketballsport setzte zu einem wahren Höhenflug an: 1959 Aufstieg in die nordbayerische Landesliga, 1962 Bayernliga, 1969 Oberliga Süd und im Frühjahr 1970 der Aufstieg ins Bundesliga-Oberhaus.

Die Zeiten, in denen die neue Sportart mitleidsvoll belächelt wurde, war in Bamberg schnell vorbei. Bert Peßler verwies immer wieder auf ein Zitat eines hohen Bamberger Sportfunktionärs, der in den 50er-Jahren äußerte: "Was, Basketball? Eine Lumperei ist das!" Dass der Basketballvirus sich so schnell verbreiten konnte, lag an der Symbiose Schul- und Vereins-Basketball.

Die Franken gehörten aber nicht zu den "Geburtshelfern" der Korbjäger in Deutschland. Seit 1932 schon wird in Deutschland Basketball gespielt - Korbball schon etwas früher - und 1939 wurde die erste Deutsche Meisterschaft ausgetragen. Auch als die Nationalmannschaft 1951 die ersten EM-Spiele austrug, wähnte sich der fränkische Basketball noch im Dornröschenschlaf. Als er jedoch in Franken von den "Vätern" wach geküsst wurde, fiel die Naismith-Idee sehr schnell auf fruchtbaren Boden.

Allein die letzten 15 Jahre des Profi-Basketballs sprechen (Erfolgs)-Bände. Bamberg, eine Stadt vom Basketball geprägt - dank des exzellenten Saatgutes in den 50er-Jahren. Und die Ernte hält noch immer an ...


Würzburg hatte die Nase vorn

"Das damalige Siebold-Gymnasium war die entscheidende Schule und damit Keimzelle des Basketballs bei uns", bekräftigt der Würzburger Robert Harth, der als Zehnjähriger 1956 zum Basketball kam und einer der Ersten war, der Nachwuchsarbeit betrieb. Harth ist dem Sport immer noch eng verbunden und hat in den vergangenen Jahrzehnten den Jugend- und Vereins-Basketball in der Mainstadt mitgeprägt. Als "Vater" der Korbjäger gilt Dr. Roland Wohner, ein begeisterter Sportlehrer, der versuchte, über Kontakte zu den Amerikanern Basketball voranzutreiben.

Das erste offizielle Spiel fand bereits im Jahre 1950 statt: Am 16.Dezember traten die Jungen der MC (Marianische Kongregation) gegen eine Auswahl der Pfarrei Stift Haug an (28:7). Es dauerte nur noch ein paar Wochen, bis die MC-Jungen sich der DJK Würzburg anschlossen. Die erste Basketballabteilung war im Nu gegründet. Weitere Vereine zogen nach. Zahlreiche Turniere, Sommer- und Winterrunden brachten den "neuen" Sport in die Öffentlichkeit.

Vergleicht man in den 60er-Jahren Würzburg mit Bamberg, so hatten die Unterfranken in puncto Bundesliga-Aufstieg um ein Jahr die Nase vorne. Doch mit nur einem Unentschieden ging es gleich wieder nach unten.
Robert Harth widmete sich zu diesem Zeitpunkt als Erster einer wettbewerbsfähigen Jugendarbeit, der 68er-Bundesliga-Impuls war die Initialzündung für die positive Würzburg-Entwicklung. Der Nonplusultra-Impuls war dann unumstritten Dirk Nowitzki, der über die verwandtschaftliche Schiene zum Basketball kam. Damit begann eine Basketball-Ära, die bereits mehrere Geschichtsbücher füllt und noch nicht zu Ende ist.


Basketball in der Bayreuther Markthalle

Die allererste Basketball-Begegnung in der heutigen BBL-Stadt endete mit einer klaren 23:59-Niederlage gegen BBC Coburg. Diese Premiere fand am 29. Januar 1955 am Deutschen Gymnasium statt, bestritten von einer Heimmannschaft, die sich aus DG-Schülern und Lehramtsstudenten - unter ihnen auch Sportlehrer Werner Pietschmann - zusammensetzte.

An diese Zeit in der Wagnerstadt kann sich Horst Link, der am 1. Januar 1957 als 14-Jähriger zum Basketball kam, noch gut erinnern. "Wir spielten in einer Markthalle, in der auch Vieh versteigert wurde. Am Samstagvormittag noch Markt, dann eine umfangreiche Säuberung, dass wir später spielen konnten. Die weitere Entwicklung des Sports hatte aufgrund dieser Gegebenheiten natürlich ihre Grenzen." Auf der Suche nach besseren Bedingungen fand ein Großteil der Basketballer am 7. April 1964 Aufnahme in den Post-SV Bayreuth. Das erste Bayreuth-"Hoch" begann: Von der Bezirksliga bis 1970 in die Regionalliga-Süd, dann mit Bamberger und Kronacher Verpflichtungen der endgültige Durchbruch 1976 in die Bundesliga.

Das Fundament mit den Kämpf-Brüdern stand, aber nicht immer auf festem Grund, was die doch sehr schwankende Bayreuther Historie (USC, Steiner, BBC und medi) unterstreicht.
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