Würgau
Unfälle

Sperrung: Nicht alle Würgauer atmen auf

Die unfallträchtige Bergstrecke in Würgau wird für Biker gesperrt. Die Reaktionen am Ort sind unterschiedlich.
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Der Berg, die Biker und die Gefahren Fotos: Anette Schreiber
Der Berg, die Biker und die Gefahren Fotos: Anette Schreiber
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"Die Sperrung finde ich wirklich sehr gut." Der jungen Frau ist eine gewisse Erleichterung durchaus anzumerken. "Wir haben alle darauf gewartet, dass etwas passiert." Sie meint nach verschiedenen baulichen Maßnahmen nun die verkehrsrechtliche Anordnung des Landratsamtes Bamberg, wonach der Berg versuchsweise für ein Jahr an Wochenenden und Feiertagen für Biker gesperrt ist. Freilich gibt es auch andere Stimmen im 360-Seelen-Ort, der nicht wenige Arbeitsplätze im Fremdenverkehrsbereich hat. Und hier stellen gerade Motorradfahrer einen nicht zu unterschätzenden Anteil dar.


Drei Gaststätten

Drei Gaststätten und etliche Pensionen säumen die B 22, die durch den Ort und den berühmten Würgauer Berg hoch führt. Auch an diesem Freitagmittag cruisen etliche Motorradfahrer den Berg hinauf oder aus der anderen Richtung wieder hinunter. Im Bereich des Erlaubten, wie es den Anschein hat. Also mit den vorgeschriebenen 50 Stundenkilometern.

An Wochenenden verhält es sich freilich durchaus auch anders. "Extrem, wie sie die Straße entlang gebrettert sind", beschreibt die oben genannte junge Frau die Verhältnisse.

"Jeder Unfall ist einer zu viel", sagt ein Gastronom. Er stellt aber gleichfalls die Frage, ob man auch wirklich jeden potenziellen Raser vor sich selbst schützen könne und meint, dann müsse man wohl auch nahe liegende ähnliche Strecken gleichfalls sperren, um das Problem nicht einfach nur ein bisschen zu verlagern.

Freilich hat der Gastronom auch Verständnis dafür, dass gerade die Anwohner aufatmen, die an der Bundesstraße leben, weil sie an Wochenenden jetzt wieder ihre Balkons und Terrassen nutzen können.

Für alle, die Gastronomie, Hotels und Pensionen in Würgau betreiben, lässt der Gastronom aber auch wissen, dass der Ort nicht zuletzt auch von den motorisierten Gästen profitiere. "Unsere Gäste sind nicht die Raser, sondern die, die gemütlich fahren und die Strecke genießen wollen." Da werden Touren extra so gewählt, dass man drei bis vier Tage in Würgau übernachtet. Deswegen inseriere dieser Gastro-Betrieb in entsprechenden Biker-Magazinen. Etwa 30 Prozent des Umsatzes entfalle auf den Bereich der Motorradfahrer. Die eröffnen in Würgau oft die Saison und sie sind diejenigen, mit denen sie gemeinhin endet.

Auch dieses Segment ist für die Gastronomie und Hotellerie am Ort nicht unerheblich. Die drei Gaststätten wurden von jungen Leuten übernommen, die langfristig hier wirtschaften wollen und auch entsprechende Arbeitsplätze bieten. "Würgau war schon immer ein Fremdenverkehrsort, der mit Motorsport verknüpft wurde und so rein Magnet ist", sagt der Gastronom und stellt die Frage, ob und welche Konsequenz die Neuerung für das Bergrennen hat.


Verlagerung

Skeptisch steht die Landwirtschaft der Neuerung gegenüber. Ob die Sperrung nur an Wochenenden und Feiertagen etwas bringe, dann würden sich die Biker eben auf die Wochentage verlegen. Das Groß der landwirtschaftlichen Fläche ist nur über den Würgauer Berg zu erreichen. Bei jeder Tour fahre die Angst mit. Die Präsenz der Polizei habe Wirkung gezeigt, allerdings könne sie nicht andauernd vor Ort sein. Es habe viel zu lange gedauert, bis durchgegriffen wurde. "Ich bin mal gespannt, ob die Sperrung was bringt", heißt es von diesem Mitglied einer Landwirtsfamilie.

Schon jetzt will ein anderer Würgauer Verbesserungen merken. "Schön, dass sich was tut." Sonst ist er an Wochenenden während der Saison lieber aus dem Ort verschwunden. Er freut sich darauf, sein Eigenheim nun zu genießen. "Vorher konnte man es an Wochenenden hier nicht aushalten.

"Freiwillige, die für einen Verein werkeln, sehen es pragmatisch: "Wenn die Sperrung was bringt, soll's gut sein'."
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