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Bamberg
Quartier an den Stadtmauern

Sparkasse Bamberg sucht nach richtigem Umgang mit uralter Mikwe

In der größten innerstädtischen Baustelle Bambergs liegt eine Mikwe aus dem 15. Jahrhundert. Die Sparkasse zog Experten zu Rate.
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Das Archivbild zeigt die Stufen der Mikwe, die in das rituelle Tauchbecken führen. Inzwischen ist die Mikwe mit Kies verfüllt, damit sie bei den laufenden Tiefbauarbeiten keinen Schaden nimmt. Foto: Sparkasse Bamberg
Das Archivbild zeigt die Stufen der Mikwe, die in das rituelle Tauchbecken führen. Inzwischen ist die Mikwe mit Kies verfüllt, damit sie bei den laufenden Tiefbauarbeiten keinen Schaden nimmt. Foto: Sparkasse Bamberg
14 Stufen führen hinunter in die Mikwe unter dem Gebäude Hellerstraße 13/Rückgebäude. Sie war im 15. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil des Judenviertels an der Stadtmauer, erforderlich für die rituellen Tauchbäder.

Wie groß ihr Becken ist, weiß niemand. Zwei mal zwei Meter wären typisch, meint Bambergs Stadtarchäologe Stefan Pfaffenberger. Genau wüsste man es, wenn man das Baudenkmal mitten im künftigen "Quartier an den Stadtmauern" (QuadS) freilegen würde. 2003, als die Mikwe entdeckt wurde, beließ man es beim Ausgraben der Treppe und eines kleinen Stücks vom Becken.

14 Jahre später stellt sich der Sparkasse als QuadS-Bauherrin und der Stadt die Frage, wie sie mit dem Baudenkmal umgehen sollen. Dass es erhalten werden muss, ist keine Frage mehr. Doch in welcher Weise? Soll man die Mikwe freilegen und sichtbar machen? Oder sollte der Status Quo beibehalten werden, sie also verfüllt bleiben? Zu dieser Maßnahme hat man gegriffen, um das fragile Gebilde so gut es geht vor den Erschütterungen zu schützen, die mit den laufenden Tiefbauarbeiten für das Quartier einhergehen.

Am Ende einer Expertenrunde, zu der Sparkasse und Stadt am Dienstag Abend eingeladen hatten, war klar: Es überwiegt der Wunsch, ja die Forderung, die Mikwe sichtbar und erlebbar zu machen. Und: Es gibt für die Sparkasse gute potenzielle Partner und technologische Hilfen - so das Fazit von Patricia Alberth, die als Leiterin des Zentrums Welterbe die Veranstaltung organisiert hatte und moderierte.

Zweieinhalb Stunden lang drehte sich im Spiegelsaal der Harmonie alles um das noch im Boden verborgene Denkmal mitten in der Stadt. Es liegt am westlichen Rand der 5200 Quadratmeter großen Fläche zwischen Lange Straße und Promenade, die bis Herbst 2018 mit neuen Wohnungen, einem Hotel und Einzelhandelsflächen bebaut werden soll.

Die Bauherrin möchte laut Vorstandsvorsitzendem Stephan Kirchner den Spagat zwischen dem Erhalt historischer Substanz und modernem Bauen schaffen. Auf dem Gelände befinden sich Reste der Stadtmauern des 13. und 15. Jahrhunderts. Sie werden zumindest in Teilen künftig zu sehen sein. Das ist beschlossene Sache.
Wie aber mit der Mikwe umgehen? Zumal sie in späteren Jahrhunderten überbaut wurde: Auf ihr steht ein Einzeldenkmal, das einer Sanierung als Wohnhaus entgegen sieht.

Der Erste Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, Martin Arieh Rudolph, fordert, die Mikwe der Öffentlichkeit wenn nicht zugänglich, dann wenigstens sichtbar zu machen. Sie sei "ein unschätzbares Kleinod": "1000 Jahre Bamberger jüdische Geschichte hätten nun endlich einen sichtbaren Beweis (...) und würden nicht nur die Juden von Bamberg mit Stolz erfüllen, sondern die gesamte Bamberger Bürgerschaft." Rudolph erwähnte in diesem Zusammenhang den Abbruch der vierten Synagoge und weiterer Zeugnisse jüdischer Geschichte zugunsten der "Theatergassen" in den 1980er Jahren.

In dieselbe Kerbe schlug Stadtheimatpflegerin Stephanie Eißing. Sie stellte außerdem vor, wie andere Städte historische Mikwen präsentieren. In Erfurt etwa gebe es ein Bamberg ähnliches Exemplar. Es sei 2007 nahe der berühmten Krämerbrücke gefunden und modern überbaut worden. Dank einer Art Guckloch könnten sich Interessierte auch außerhalb von Führungen ein Bild von der Mikwe machen. In Marburg und Köln präsentiert man Mikwen im öffentlichen Raum unter Glasplatten oder -pyramiden. Allen von Eißing genannten Beispielen gemeinsam ist, dass es an Ort und Stelle Informationstafeln gibt.

Die Leiterin der städtischen Museen, Regina Hanemann, kann sich in der Hellerstraße eine Außenstelle des Historischen Museums vorstellen, angebunden an die dort bestehende Ausstellung "Jüdisches in Bamberg". Traurig wäre es nach ihren Worten, wenn man am Ende gar nichts mehr von der Mikwe sehen würde.

Der einzige Referent, der genau diese Möglichkeit favorisiert, war Professor Sebastian Sommer. Er leitet die Abteilung praktische Denkmalpflege/Bodendenkmäler beim Landesamt für Denkmalpflege. Sommer warb dafür, den Ist-Zustand zu bewahren, also die Verfüllung auch nach Ende der Bauzeit zu lassen. So sei die Mikwe nachhaltig für die Zukunft gesichert.

Wolle man sie präsentieren, müsse eine große Grabung stattfinden, die er angesichts der räumlichen Enge für fast unmöglich hält. Sommer warnte vor "faktischen Problemen", beginnend bei möglicherweise eindringendem Grundwasser bis zu der Störung, die Besuchergruppen für die künftigen Bewohner des Einzeldenkmals auf der Mikwe bedeuten könnten.

Entschiedenen Widerspruch erntete er nicht nur, aber vor allem von Bernd Päffgen, Professor für Vor- und Frühgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitglied im Landesdenkmalrat. Für ihn ist die Bamberger Mikwe ein Denkmal von überregionaler Bedeutung. Er appellierte: "Sie haben in Bamberg jetzt die Chance, die einzige spätmittelalterliche Mikwe in ganz Bayern dauerhaft sichtbar zu machen." Anders als Sommer hält er eine umfangreichere Grabung für technisch machbar. Im Hinblick darauf müssten aber schnell weitere bauliche Sicherungsmaßnahmen erfolgen.

Eine virtuelle Erschließung, wie sie Ingo Krüger vorstellte, geschäftsführender Vorstand der bayerischen Sparkassenstiftung, wäre aus Päffgens Sichts eine sinnvolle Ergänzung, aber keinesfalls eine Alternative zur Sichtbarmachung der Mikwe. Laut Krüger ist die Sparkassenstiftung sehr daran interessiert, dass eine auf Bamberg zugeschnittene Lösung gefunden wird. Er bot seine Hilfe an.

Wortmeldungen aus dem Publikum, in dem Multiplikatoren von Denkmalpflege, Geschäftswelt, Vereinsleben, Politik und Nachbarschaft der Großbaustelle saßen, untermauerten den Wunsch der meisten Experten, die Mikwe erlebbar zu machen.

Über den Umgang mit der Mikwe muss und wird die Bauherrin entscheiden. Das hatte eingangs auch Bürgermeister Christian Lange (CSU) deutlich gemacht: Der wissenschaftliche Diskurs solle der Sparkasse helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Das Stimmungsbild sei klar, so Stephan Kirchner in seinem Schlusswort. Man werde es mit in die weitere Diskussion nehmen. Klar machte er aber auch, dass sich die Sparkasse dem sorgsamen Umgang mit Kundengeldern genauso verpflichtet fühlt wie dem Denkmalschutz.