Laden...
Bamberg
Literaturfestival

Spannung mit Augenzwinkern

Mordgeschichten traut man ihr gar nicht zu, mords Geschichte aber schon: Karin Dengler-Schreiber liest im Literaturbus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Karin Dengler-Schreiber gibt im Literaturbus Kostproben aus ihren Romanen.  Fotos: Rüdiger Klein
Karin Dengler-Schreiber gibt im Literaturbus Kostproben aus ihren Romanen. Fotos: Rüdiger Klein
+3 Bilder

Das Wichtigste vorneweg: Die Historikerin Karin Dengler-Schreiber alias Anna Degen hat gestanden. Eigentlich wollte sie sich zu Beginn ihrer Krimiautorinnen-Karriere das Pseudonym Anna Anders zulegen - und nicht, wie dann vom Verlag gewünscht, den Namen "Anna Degen". Den Verdacht, sie habe sich mit "Anna Anders" einen vorderen Platz in allen alphabetisch angelegten Autorenverzeichnissen ergattern wollen, bestätigte Karin Dengler-Schreiber selbstverständlich unverhohlen, souverän und begleitet von einem herzlichen Lachen. Mit einigem Augenzwingern fügt sie im Hain, am Tatort ihres neuesten Bamberg-Krimis, unter den Augen von König Ludwig hinzu, dass alle prominenten Tatorte in Bamberg nun bald von ihren und den Mordgeschichten anderer Bamberger Krimi-Autoren belegt sein dürften.

Da gibt's dann wie in Alfred Hitchcocks Krimikomödie "Immer Ärger mit Harry" von 1955 bald keinen prominenten Platz mehr im verträumten Bamberg, wo man eine Krimi-Leiche verschwinden oder auftauchen lassen könnte.

Nun aber der wahre Grund, weshalb es bei der renommierten Historikerin Dengler-Schreiber ein Pseudonym sein musste. "Ich wollte nicht, dass Leser meiner Forschungsarbeiten sich irgendwann einmal verdutzt fragen würden, was denn bei mir alles unter wissenschaftlicher Arbeit firmiert".

Man ahnt, dass die zweite Runde mit dem Stadtwerke-Omnibus und neuerlich Harald Wessely am Steuer wenigstens so kurzweilig verlief wie die erste Runde mit dem Krimi-Autor Harry Luck. Beide Veranstaltungen - eine dritte Rundfahrt zu imaginierten Tatorten in Bamberg steht noch aus - liefen im Rahmen des Bamberger Literaturfestivals und sie waren beide zu Recht ganz schnell ausgebucht. Bleibt nur zu hoffen, dass es dem Bamlit-Team auch 2021 gelingt, die Stadtwerke wieder mit ins Boot zu holen, damit das Literaturbus-Format erhalten bleibt.

So amüsant die Tour mit Karin Dengler-Schreiber alias Anna Degen dann auch war, es ließ einen der reale Hintergrund ihres Romans "Bamberger Verrat" schon auch ein wenig den Atem stocken. Denn die Autorin hat darin einem jungen Mann, einem in den Westen geflohenen DDR-Offizier, ein kleines Denkmal gesetzt. Im Roman heißt der fiktive Held Franz Novak, sein Vorbild in der realen Welt musste jedoch, nachdem der "Republikflüchtling" von seinem besten Freund verraten worden war, ein tragisches Schicksal erleiden. Die Stasi fasste ihn und ließ ihn hinrichten. "Das ganze Drama der deutschen Teilung in komprimierter Form", so Dengler-Schreiber dazu ernst und ganz und gar nicht ungerührt.

Heiteres inbegriffen

Dann aber schlug Dengler-Schreiber, die von Festival-Schirmherrin Tanja Kinkel reichlich für ihre Forschungsarbeiten zur Geschichte Bambergs bedankt und von Asli Heinzel auf ihr zahlreiches ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement angesprochen wurde, wieder heiterere Töne an und las jeweils Passagen aus ihren Romanen "Haus am Nonnengraben" und "Bamberger Verrat".

Dabei breitete der lebendige Vortrag einer Passage aus dem Roman "Bamberger Verrat" dem Publikum im Literaturbus größtes Vergnügen. Der alte, aber doch auch irgendwie recht sympathische Pedant Staatsanwalt Benno, einer der Protagonisten im "Bamberger Verrat", wurde gerade von seiner Hanna verlassen. Unglückliche Zufälle lassen ihn glauben, seine Hanna tröste sich mit dem venezianischen Lebemann Paolo. Und dieser Paolo macht halt auch mit seiner feinen Garderobe mehr her als Benno. Aber das ficht Benno nicht an, er geht ganz nach dem Motto "des kann ich a" in der Langen Straße zum Herrenausstatter. Klar, das wird ein mittleres Desaster.

Karin Dengler-Schreiber trägt das vor, gerade so, als wär's eine komödiantische Szene aus dem wirklichen Leben. Und die Zuhörer, sie denken bei sich: "Mensch, da war ich scheint's a mit dabei". Witz, Humor und Komik eben, die anstecken. Auch das kann die Krimiautorin Anna Degen und davon wünscht man sich bald schon viel, viel mehr.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren