Seit über vierzig Jahren machen Sie Musik, doch erst in den letzten sechs Jahren sind Sie voll durchgestartet und haben seither in den Top-Ten-Charts schon so manchen Popstar vom Platz 1 verdrängt. Wann haben Sie eigentlich Ihre Liebe zur Musik entdeckt?
Bernd Ulrich: Schon als Kind. Unsere Oma hat immer erzählt, dass wir bereits mit zwei, drei Jahren kräftig gesungen haben. Die Musik hat uns dann ein ganzes Leben wie ein roter Faden begleitet.

Inzwischen zählen "Die Amigos" zu einem der erfolgreichsten Duos in der Schlagerwelt. Allerdings hat es einige Jahre gedauert, bis sich der Erfolg einstellte. Wie und wann kam es zum eigentlichen Durchbruch?
Uns hat lange Zeit die breite Masse nicht gehört. Der eigentliche Durchbruch kam beim MDR. 2006 wurden wir bei Achims Hitparade zunächst "Musikantenkönig" und später "Musikantenkaiser" geworden. Von da an ging es gewaltig steil bergauf. In den letzten fünf Jahren haben wir knapp vier Millionen CDs verkauft.

Ihr großer Durchbruch ließ fast zwanzig Jahre auf sich warten. Was hat Sie motiviert, so lange durchzuhalten?
"Eigentlich gar nichts. Wir wollten einfach Musik machen und uns hat es Spaß gemacht. Wir sind nicht dem Erfolg hinterher gehechelt oder waren neidisch auf andere. Ganz im Gegenteil, wir waren zufrieden und hatten beide unsere Jobs. Ich war Bierbrauer, mein Bruder ist Lkw gefahren und am Wochenende haben wir Musik gemacht. Und für uns war es immer das Schönste, mit unserer Musik, und wenn es auch nur für einen kleinen Kreis war, Freude zu machen. Uns fiel die Entscheidung aber auch 2006 nicht leicht, als "Garagenband" aufzuhören, unsere Berufe nach 40 Jahren an den Nagel zu hängen und als Vollzeitmusiker auf Tournee zu gehen. Jetzt sind wir 200 Tage im Jahr unterwegs und es macht großen Spaß.

Wobei es sicherlich kein leichtes Unterfangen ist, mit Schlagermusik so erfolgreich zu werden.

Unseren Erfolg haben wir aber einzig und allein unseren Fans zu verdanken. Denn im Radio werden wir kaum gespielt und auch die Fernsehsendungen mit Schlager- und Volksmusik werden immer weniger. Ich weiß nicht, was die Intendanten oder Musikredakteure vor haben. Die töten rigoros ein Stück Kultur! Was aber, bitte schön, sollen die Menschen ab 50 aufwärts hören oder sehen? Sagt man denen einfach: haltet eure Fresse und nehmt das, was wir euch anbieten? Oder sagt man, das sind Gebührenzahler, denen müssen wir Rechenschaft ablegen. Anscheinend denkt aber wohl niemand daran, dass es gerade diese Menschengruppe ist, die die Fernseh- oder Radiomacher mit ihren GEZ-Gebühren finanzieren. Wir müssen uns doch nicht unserer deutschen Sprache schämen. Übersetzen Sie mal die englischen Texte und sehen, was dabei zum Vorschein kommt.

Was hat Sie dennoch bewogen, Ihren Beruf aufzugeben und als Profimusiker durchzustarten?
Wir hatten wichtige Rückendeckung von unseren Familien. Unsere Frauen haben uns sogar immer wieder ermutigt. Denn in dem Alter, in welchem wir durchgestartet waren, hören andere bereits auf.

Wie haben Sie die Zeiten des großen Durchbruchs erlebt und was hat sich bei Ihnen seitdem geändert?
Es war eine ganz neue Welt für uns. Plötzlich haben uns die Menschen auf der Straße erkannt. Und auch egal, wohin wir heute kommen, wir sind keine Unbekannten mehr. Aber das ist ein unwahrscheinlich tolles Gefühl. Allerdings haben wir damit auch die Pflicht, bei den Fans stehen zu bleiben und ihnen auf Wunsch ein Autogramm zu geben. Wir vergessen eben nicht: Die Fans haben uns nach oben gebracht und kein anderer. Deswegen werden wir ihnen niemals aus dem Wege gehen. Ansonsten, was hat sich geändert? Wir sind weniger daheim. Die Freunde sind geblieben, nur der Kontakt ist etwas weniger geworden. Wir genießen die Zeit und freuen uns auf jedes einzelne Konzert oder auf jeden Auftritt in jeder Sendung. Es ist einfach super.

Vermissen Sie dennoch ein bisschen Ihre "gute alte Zeit", wo Sie noch vor einem überschaubaren Publikum aufgetreten sind?

Ich möchte keine Sekunde davon missen. Ich erinnere mich gerne daran zurück, als wir am Wochenende drei Tage lang bis morgens um vier Uhr auf der Kirmes gespielt hatten und am Montag dann wieder zur Arbeit gegangen sind. Zudem war es eine gute Lehrzeit für uns: Uns kann jetzt nichts erschüttern. Wir sind von ganz unten gekommen, haben unser Equipment selbst auf- und abgebaut.

Wie bleibt man trotz dieses großen Erfolges auf dem Boden der Tatsachen?
Wir Amigos vergessen nie, wer uns nach oben gebracht hat: die Fans. Zudem ist bei uns jeder Mensch gleich. Es gibt keinen, der über anderen steht. Wir verabscheuen es auch, wenn sich Menschen anmaßen, über einen anderen zu stehen oder ihn zurecht zu weisen.

In 40 Jahren haben Sie sicherlich einiges erlebt. Was waren Ihre lustigsten, schönsten oder gar peinlichsten Momente?
Ach, da gab es vieles. Wir sind mal an einen falschen Ort gefahren (lacht) oder wir standen vor einer verschlossenen Halle, da die Veranstaltung erst acht Tage später stattfand. Es gab auch aber auch viele schöne Momente in der Zeit, als wir auf Kirchweihen oder Hochzeiten gespielt haben.

Von wegen heile Schlagerwelt: Die Amigos singen nicht nur von der Liebe und der schönen Bergwelt, sondern greifen auch gesellschaftliche Probleme auf und prangern musikalisch den Kindesmissbrauch an. Was bewegt Sie dazu?
Wir schreiben Textinhalte, die uns bewegen oder bei denen wir der Meinung sind, wir müssten die Menschen musikalisch aufrütteln. Da ist Kindesmissbrauch ein ganz großes Thema für uns, auch wenn wir seit Jahren dafür von manchen belächelt werden. Aber das stört uns nicht. Denn es ist eine Schande, was in unserem Land mit unseren Kindern passiert. Sie sind die schwächsten Glieder unserer Gesellschaft und brauchen unseren Schutz. Wir kämpfen auch dafür, dass Kindesmissbrauch nicht verjähren darf. Darauf wollen wir mit unseren Liedern hinweisen und ganz klar stellen: Eine heile Welt gibt es nicht. Man kann den Leuten auch nicht von Sonne, Wind und Licht vorsingen, während sie mit Hartz IV, der Eurokrise und dergleichen kämpfen. Auch werden wir weiter an dem Thema Kindesmissbrauch weiter dranbleiben. Wir haben jetzt schon ein Lied in Planung, das sich mit der Thematik auseinander setzt.

Und wie reagieren Ihre Fans darauf? Wollen die nicht lieber Lieder über Liebe und Sonnenschein hören?
Nein, gar nicht. Viele kommen nach den Konzerten, wenn wir Autogramme schreiben, zu uns und finden es gut, dass wir solche Tabuthemen ansprechen. Ich bekomme auch jedes Mal eine Gänsehaut, wenn Frauen zu uns kommen, sich als Missbrauchsopfer outen und uns dafür danken, dass wir darüber singen.

Auf was dürfen sich die Bamberger Fans am 14. April in der Stechert-Arena jetzt schon freuen?

Wir bringen ein neues Bühnenbild mit drei großen Leinwänden mit. Wir werden viele neue Lieder präsentieren. Natürlich haben wir auch unsere alten Hits im Gepäck. Wir werden ein zweieinhalbstündiges Programm abliefern, das den Leuten sicherlich gefallen wird.


Die Amigos gastieren am 14. April um 19:30 Uhr in der Stechert-Arena. Karten sind erhältlich bei unter Telefon 0951/2 38 37 oder im Internet unter www.kartenkiosk-bamberg.de.