Amberg
Beerdigung

Sophia Lösche: Getötete Tramperin in Amberg beigesetzt - klare Worte in der Trauerrede

Rund drei Monate nach dem Mord an Sophia Lösche ist die Studentin im Familien- und Freundeskreis beigesetzt worden. Die Trauerrede richtete sich auch an diejenigen, die das Schicksal der jungen Frau instrumentalisieren wollen.
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Rund drei Monate nach dem Mord an Sophia Lösche ist die Studentin im Familien- und Freundeskreis beigesetzt worden. Die Trauerrede richtete sich auch an diejenigen, die das Schicksal der jungen Frau instrumentalisieren wollen. FotoF: Daniel Karmann/dpa
Rund drei Monate nach dem Mord an Sophia Lösche ist die Studentin im Familien- und Freundeskreis beigesetzt worden. Die Trauerrede richtete sich auch an diejenigen, die das Schicksal der jungen Frau instrumentalisieren wollen. FotoF: Daniel Karmann/dpa

Wohl für einen kurzen Moment fanden die Angehörigen der beim Trampen getötete Studentin Sophia Lösche jene Ruhe, auf die sie so lange gehofft hatten: Rund drei Monate nach dem gewaltsamen Tod der jungen Frau konnte die 28-Jährige endlich im Familien- und Freundeskreis beigesetzt werden. Sophia wurde nach Angaben ihres Bruders Andreas Lösche am Freitag auf dem Katharinenfriedhof in Amberg bestattet, rund 200 Freunde und Angehörige begleiteten sie auf ihrem letzten Weg. Die Staatsanwaltschaft hatte den Leichnam von Sophia erst Ende August freigegeben. Sophia Lösche hatte lange Zeit in Bamberg gelebt und studiert und war hier auch politisch aktiv gewesen.

Kampf gegen Rechtspopulisten

Ob die Familie allerdings weiterhin in Ruhe trauern kann, dürfte zumindest fraglich sein. Seit Bekanntwerden von Sophias Tod missbrauchen Rechtspopulisten das Schicksal der jungen Frau für ihre Zwecke - wogegen sich Sophias Familie nach Kräften wehrt.Als Teilnehmer einer AfD-Demonstration am 1. September in Chemnitz ihr Foto durch die Innenstadt trugen, erklärte ihr Bruder danach: "Wir lassen nicht zu, dass das Andenken an unsere Sophia für ausländerfeindliche Zwecke missbraucht wird. Wir stellen uns in ihrem Namen gegen die Instrumentalisierung ihrer Person für Hetze, Rassismus und Hass."

Sophias Angehörige prüfen derzeit sogar rechtliche Schritte gegen den Plakatträger und gegen jene, die das Foto nachträglich über soziale Netzwerke verbreitet hatten. Auch die Traueransprache am Freitag richtete sich nach Angaben von Andreas Lösche an all diejenigen, die den Mord an seiner Schwester für ihre perfiden Absichten instrumentalisieren.

"Wir können, wir müssen sie nicht mehr beschützen. Nur vor einem noch (...): vor dem Missbrauch ihrer Geschichte und ihres Namens. Wenn ihrem Namen, wenn ihrer Liebe, wenn ihrer Haltung und ihrem Schicksal Gewalt angetan werden, weil manche meinen, damit Hass und Kälte verbreiten zu können - und menschenverachtendes Reden und Verhalten rechtfertigen zu können - ja, davor können und müssen wir sie schützen", hieß es in der Trauerrede.

Den Trauergottesdienst hielt das Pfarrerehepaar Susanne Wittmann-Schlechtweg und Andreas Schlechtweg aus Hallstadt bei Bamberg. Sophias Bruder Andreas lebt im Landkreis Bamberg und ist hier als Kreisrat für die Grünen aktiv.

Die 28-jährige Sophia, die zuletzt in Leipzig studierte, war den Ermittlungen zufolge Mitte Juni beim Trampen umgebracht worden. Wenige Tage später wurde ihre Leiche bei einer Autobahntankstelle nahe der Gemeinde Asparrena in Nordspanien gefunden. Zuvor hatte die Polizeieinheit Guardia Civil in Jaen in der südspanischen Region Andalusien den Tatverdächtigen gefasst. Ein 41 Jahre alter marokkanischer Lastwagenfahrer sitzt als ihr mutmaßlicher Mörder in Untersuchungshaft. Er wurde nach Deutschland ausgeliefert und befindet sich derzeit in einem Gefängnis in Oberfranken. Wann die Staatsanwaltschaft in Bayreuth Anklage gegen den Marokkaner erheben wird, steht noch nicht fest.

j



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