Bamberg
Fall Sophia L.

Sophia L.: Kritik der Angehörigen richtet sich an Polizei aus Leipzig

Andreas Lösche, der Bruder der getöteten Studentin, hat die Kritik an den ermittelnden Behörden bekräftigt und konkretisiert. Demnach sei ihm vor allem die Zusammenarbeit mit der Kriminalpolizei in Leipzig aufgestoßen.
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Trauer mischt sich mit Wut: Die Angehörigen von Sophia L. kritisieren die Arbeit der ermittelnden Behörden.  Foto: Jesus Andrade/El Correo/dpa
Trauer mischt sich mit Wut: Die Angehörigen von Sophia L. kritisieren die Arbeit der ermittelnden Behörden. Foto: Jesus Andrade/El Correo/dpa
Die Vorwürfe wiegen schwer. In einem offenen Brief hatten Freunde und Angehörige der getöteten Studentin Sophia L. die Polizeiarbeit kritisiert. Ebenfalls unterschrieben hat der im Landkreis Bamberg lebende Bruder des Opfers Andreas Lösche. Mit unserer Zeitung hat er noch einmal über die schwierige Zusammenarbeit mit den Behörden gesprochen.

"Liebe Polizei, die Menschen würden Ihnen gerne vertrauen, enttäuschen Sie sie nicht wieder, lassen Sie sie das nächste Mal nicht alleine", heißt es in dem Brief. Dabei richtet sich diese Kritik mitnichten an alle in dem Fall involvierten Ermittler. Lösche spricht konkret die Polizei in Leipzig an, "die vom ersten Tag an zuständig gewesen wäre", wie er mitteilt.

Die nach der zuerst vermissten Tramperin suchenden Freunde und Angehörige hätten sich laut Lösche von den Behörden nicht ernst genommen gefühlt. Die erste Vermisstenmeldung in Amberg ein. "Was man dort in den ersten 24 Stunden daraus gemacht hat, ist mir nicht klar", sagt er. Deshalb seien sie selbst aktiv geworden und ermittelten auf eigene Faust. "Von Amberg über Bamberg bis Berlin und Leipzig haben sich Freunde und Verwandte auf den Weg gemacht, Flyer an den Raststätten verteilt, Plakate gehängt und potenzielle Zeugen befragt", so Lösche.Von Beginn an - auch für Kritik - hat das Team von FindSophia.blog auf Öffentlichkeit gesetzt, weil man wolle, dass die Polizei tatsächlich aktiv werde. "Dann hätte Sophias Schicksal wenigstens etwas Gutes bewirkt", so Lösche.


Mehr Unterstützung gewünscht

Auch und gerade hierbei hätte er sich mehr Unterstützung von den Beamten gewünscht. Sie "mussten die Polizei beknien", nach Schkeuditz zu kommen und die Videoaufzeichnung der Tankstelle zu sichten, an der Sophia losfuhr. So kamen sie schließlich auf die Spedition und den Fahrer. "Wir hätten Sophia sicher nicht retten können, aber das Leid der Angehörigen und Freunde hätte deutlich verkürzt werden können", so Lösche.

Im weiteren Verlauf der Ermittlungen habe es zusätzlich Verfehlungen in der Informationspolitik der Behörden gegeben, wie es in dem offenen Brief weiter heißt. "Wenn das nächste Mal verzweifelte Menschen zu Ihnen kommen, dann sprechen Sie mit ihnen, informieren Sie sie und verschweigen Sie ihnen nichts", schreiben sie.

"Uns sind die Vorwürfe bekannt", sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth auf Anfrage. "Aktuell äußern wir uns aber nicht dazu", meint er auf das laufende Verfahren hinweisend. Dabei richtet sich die Kritik Lösches gar nicht in Richtung Bayreuth. Wie er der FAZ sagte, laufe die Zusammenarbeit "mit Bayern hervorragend, mit Leipzig leider ganz schlecht". Dort habe man sie eher als "Nervensägen" gesehen, führt er aus.

Laut des Sprechers sind Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei aus Bayreuth sowie spanische Behörden involviert. Derzeit laufe ein Rechtshilfeersuchen, den in Spanien festgenommenen mutmaßlichen Täter nach Deutschland auszuliefern. Wegen der Anfeindungen und Drohungen gegen Sophias Angehörige wird außerdem ermittelt. "Die Mails und Kommentare werden gesammelt und der Staatsanwaltschaft übergeben", so Lösche.

Eine Chronik des Falles Sophia L. können Sie unter www.infranken.de nachlesen.


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