Bamberg
Einblick

Sonntag in Bamberg: Konsum von Musik statt Waren

Die Innenstadt wurde am Sonntag von Besuchern gestürmt - aber nicht wegen der verkaufsoffenen Geschäfte. Das Blues- und Jazzfestival lockte Einheimische und Touristen.
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Der Großteil der Besucher der Innenstadt kam zum Blues- & Jazzfestival, nicht zum verkaufsoffenen Sonntag.   Foto: Barbara Herbst
Der Großteil der Besucher der Innenstadt kam zum Blues- & Jazzfestival, nicht zum verkaufsoffenen Sonntag. Foto: Barbara Herbst
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Regina Paul eilte durch die Fußgängerzone, soweit die kurzen Beinchen ihrer Dackelhündin Nike diesem Sturmschritt gewachsen waren. Ziel der beiden Damen war der Gabelmann, an dem sich "Lucky & The Heartbreakers" schon einmal mit Blues-Rock aufwärmten. "Denen werde ich etwas erzählen! Diese dröhnende Musik! Und in St. Martin beginnt gleich die Messe!" Und überhaupt: "Sonntags einkaufen: Muss das denn sein?"

Ob nun die flotte Bambergerin Regina Paul tatsächlich dafür gesorgt hat, dass die Band nach einem ohrenbetäubenden Auftakt Gongschlag 11 Uhr, also pünktlich zum Gottesdienstbeginn, erst einmal eine Ruhepause einlegte, ist unserer Zeitung nicht bekannt. Dabei hätte es schon um diese Uhrzeit genügend Zuhörer gegeben, die bereits in die Innenstadt gestürmt waren. Obwohl die Geschäfte an diesem verkaufsoffenen Sonntag erst um 13 Uhr öffnen durften.

Wenig Kaufwillige

Das geschah dann auch. Beileibe aber nicht alle Läden luden ein, einige blieben geschlossen. Weise Voraussicht? Denn erst einmal verloren sich nur wenige Kunden - oder Schaulustige - zwischen den Verkaufsständen. In so manchem Geschäft blieben die Verkäuferinnen unter sich. Nur die Läden, die als Lockmittel ein Warenangebot vor der Tür platziert hatten, sahen den einen oder anderen - zumeist jüngeren - Kaufwilligen auch eintreten.

"Keiner ist glücklich über diesen Sonntag, von allen möglichen verkaufsoffenen Sonntagen ist dieser der drittschlechteste", räumte City-Manager Klaus Stieringer gegenüber unserer Zeitung ein. Der Gesetzgeber habe dafür nur die Wahl zwischen drei Großveranstaltungen gelassen, die nachweislich mehr Besucher anziehen als die offenen Läden, nämlich die Sandkerwa, Bamberg zaubert und das Blues- & Jazzfestival.

Bisher schönstes Festival

Es traf also das Festival. Nach Stieringers Worten das "bisher schönste mit Rekordbeteiligung". Zehntausende würden "friedlich feiern ohne besondere Vorkommnisse". Für den Geschäftsführer von Stadtmarketing war dieser Sonntag "der krönende Abschluss des Festivals" mit den deutschlandweit bekannten Musikern. Dass nun zugleich die Geschäfte offen sein konnten, sei "ein angenehmer Nebeneffekt. Aber die meisten wollen Musik hören", sagte Klaus Stieringer.

Eine nicht repräsentative Umfrage unter Passanten der Fußgängerzone bestätigte ihn: "Die Musik ist klasse, aber sonntags einkaufen furchtbar", bekundete beispielsweise ein Ehepaar mittleren Alters aus Hirschaid. "Sonntags einkaufen ist ungewöhnlich, Musik nicht", meinte eine 36-jährige Bambergerin.

Die beiden Freundinnen, eine 30-jährige Dresdnerin und eine 26-jährige Münchnerin auf Bamberg-Urlaubstour, hätten dagegen gern eingekauft, "wenn die Läden früher aufgemacht hätten". Doch nun würden die "Deviltrain" auf der Maxplatzbühne mit fetzigem Rock fesseln - und dann müssten sie ihren Zug erreichen, erklärten die jungen Frauen.

Keine Anwohnerproteste

Klaus Stieringer zeigte sich erleichtert, dass zumindest die Anwohner nicht gegen das Blues- & Jazzfestival protestiert hätten. "Wir versuchen, alle Interessen zu berücksichtigen", betonte der City-Manager.

Apropos Sonntagsgottesdienst in St. Martin: Da war City-Manager Stieringer fälschlicherweise von einem Beginn um 10 Uhr ausgegangen, was den Musikstart um 11 Uhr natürlich erleichtert hätte. So gab es eben zu Beginn der Messe E-Gitarre, Schlagzeug und Orgel in dissonanter Kombination.

Ob es Gott gestört hat, ist uns nicht überliefert.

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