Bamberg

Söder: Bamberg ist Erinnerungsort für Demokratie

Mit einem Festakt würdigte die Staatsregierung die vor 100 Jahren verabschiedete "Bamberger Verfassung".
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Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums gaben Landtagspräsidentin Ilse Aigner (vorne rechts) und Ministerpräsident Markus Söder (vorne Mitte) eine kleine Einführung in ihre Wanderausstellung zum Thema "100 Jahre Bamberger Verfassung".  Foto: Ronald Rinklef
Schüler des Franz-Ludwig-Gymnasiums gaben Landtagspräsidentin Ilse Aigner (vorne rechts) und Ministerpräsident Markus Söder (vorne Mitte) eine kleine Einführung in ihre Wanderausstellung zum Thema "100 Jahre Bamberger Verfassung". Foto: Ronald Rinklef
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Einst floh sie vor der "Narrenhauspolitik" in München ins beschauliche Bamberg, um dem Freistaat eine neue Verfassung zu geben. Am Mittwochabend kam sie freiwillig, um diesem Ereignis vor 100 Jahren zu gedenken. Die Bayerische Staatsregierung zollte der "Bamberger Verfassung" mit einem Festakt in der Konzert- und Kongresshalle ihren Respekt. Als "ganz bedeutenden Erinnerungsort für die Demokratie in Bayern" würdigte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei diesem Anlass die Welterbestadt.

In ihren Reden erinnerten Söder, Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) und Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) an die dramatischen Zustände im Jahr 1919 inklusive den Mord an Ministerpräsident Kurt Eisner, die dazu geführt hatten, dass sich die Staatsregierung aus der Landeshauptstadt verabschiedete. In friedlicher Umgebung wollte sie die Grundlagen für die erste parlamentarisch-repräsentative Demokratie in Bayern ausarbeiten.

"Wir sind stolz auf diese demokratische Tradition", betonte Starke und bot Söder augenzwinkernd an, dass Bamberg der Staatsregierung gerne wieder Asyl gewähre, wenn die Lage in München zu brenzlig werde.

Ein geistiges Klima von Liberalität

In milder Erzählstimme führte Söder den geladenen Gästen - darunter fast die Hälfte in der Uniform der Bundespolizei - die historische Bedeutung der "Bamberger Verfassung" vor Augen. Nicht allein ihre Beschaulichkeit hätte damals dafür gesprochen, in die Domstadt auszuweichen, sondern auch ihre gute Verkehrsanbindung und das "geistige Klima von Liberalität in der Universitätsstadt". Im Ergebnis sei ein Schatz entstanden, "der heute herausgefordert wird durch Gedankenlosigkeit und auch durch digitale Formen der Demokratie". In Anspielung auf die neue AfD-Fraktion im Landtag bekräftigte er, dass die damals etablierten demokratischen Errungenschaften "jeden Tag aufs Neue gelebt werden müssen".

Aigner knüpfte daran an und brachte es auf den Nenner: "Demokratie muss, gerade weil sie etwas Großartiges ist, jeden Tag aufs Neue verteidigt werden." Sie freute sich, anschließend eine Schülergruppe des Franz-Ludwig-Gymnasiums mit dem Sonderpreis des Bayerischen Landtags ehren zu dürfen. Die Jugendlichen hatten im Rahmen des Schülerlandeswettbewerbs "Erinnerungszeichen" zwei beeindruckende Filme über die Bamberger Verfassung produziert. Bereits vor dem offiziellen Festakt, der mit einem Konzert der Bamberger Symphoniker ausklang, hatten die FLG-Schüler die Ehrengäste durch die von ihnen konzipierte Wanderausstellung "Demokratie in unruhigen Zeiten" im Foyer der Halle geführt.

Ein Brief für Söder für Bosch, Brose und Michelin

Wer darauf gehofft hatte, dass der Ministerpräsident zum 100. Geburtstag der "Bamberger Verfassung" ein Geschenk zum Beispiel in Form von Zugeständnissen bei der Nutzung der Ankereinrichtung Oberfranken (AEO) mitbringen würde, sah sich enttäuscht. Stattdessen nutzten jedoch Starke und Landrat Johann Kalb (CSU) die Gelegenheit, um Söder einen Brief zu übergeben mit der Forderung, sich für den Automobil-Standort Bamberg einzusetzen und den großen Umbruch bei den hier agierenden "Global Playern" Bosch, Brose und Michelin mit allen zur Verfügung stehenden Förderinstrumenten zu begleiten. "Wir laden Sie ein, sich selbst vor Ort ein Bild von der schwierigen Situation zu machen und mit allen Beteiligten konkrete Lösungsansätze aus der Krise zu diskutieren", heißt es in dem Schreiben.

Kommentar von Michael Memmel: Volkfest statt Festakt

Frauenwahlrecht, Volksbegehren, Grundrechte und die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde - das alles wurde vor 100 Jahren erstmals in Bayern mit der "Bamberger Verfassung" verankert. Deshalb waren die großen Worte über die mutigen Menschen, die in gefährlichen Zeiten "Demokratie-Geschichte" (Aigner) geschrieben hatten, beim Festakt in Bamberg vollkommen angebracht. Schade nur, dass sie lediglich geladene Gäste im halbvollen Joseph-Keilberth-Saal zu hören bekamen. Das gemeine Volk, für das die Verfassung einst gemacht wurde, blieb außen vor. Dabei ist jeder Bamberger und Bayer heute noch gefordert, den hohen Wert der Demokratie zu erkennen und zu verteidigen.

Aigner will eine neue Veranstaltungsreihe in bayerischen Demokratie-Orten etablieren. Sie würde gut daran tun, diese nicht als abgehobene Festakte zu gestalten sondern als Volksfeste - im besten Wortsinn.

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