Bamberg
Sicherheit

So schützt sich die Wunderburgschule Bamberg vor einem Amoklauf

Kameras, verschlossene Türen und aufmerksame Lehrer. In der Wunderburgschule in Bamberg tun Lehrer alles für die Sicherheit ihrer Schüler.
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Michael Kaukal, Schulleiter der Wunderburgschule in Bamberg, zeigt das Überwachungssystem. Foto: Michael Gründel
Michael Kaukal, Schulleiter der Wunderburgschule in Bamberg, zeigt das Überwachungssystem. Foto: Michael Gründel
Michael Kaukal sagt, er war geschockt. Erst die Bilder: schreiende Kinder, betende Mütter, Polizisten, die die Schule stürmen. Dann die Gedanken: Ist meine Schule sicher? Was nützen unsere Vorkehrungen im Ernstfall? Kann man so einen Amoklauf wie in den USA überhaupt verhindern? Freitagabend war das. Im Fernseher liefen die Nachrichten, der Amoklauf von Newtown. Am Montag sitzt Michael Kaukal hinter seinem Schreibtisch in der Bamberger Wunderburgschule. Kaukal ist der Schulleiter, 185 Kinder gehen in seine Schule, erste bis vierte Klasse. Er sagt: "Ich wüsste nicht, was wir besser machen könnten an dieser Schule."

Dann steht er auf, geht in das Nachbarzimmer. Wieder ein Schreibtisch, eine Tafel mit Magneten für den Stundenplan, vorne, quer zur Tür eine Art Tresen. Das Sekretariat. Vormittags immer besetzt, eine Art Eingangskontrolle der Schule. Weil ab 8.05 Uhr alle vier Türen verschlossen sind. Wer in die Schule will, muss klingeln, in die Kamera schauen, sein Anliegen schildern. Bei einer Schule dieser Größenordnung kennt die Sekretärin jeden Schüler.


Kinder immer unter Aufsicht

Michael Kaukal erzählt viel von Ketten und Übergaben. Er sagt, ab dem Moment, ab dem die Kinder aus dem Schulbus steigen, stehen sie unter Aufsicht. Ein Lehrer am Fußgängerüberweg, der Hausmeister, der die beiden Treppenaufgänge im Blick hat, ab dreiviertel acht Lehrer in den Klassenzimmern. Bezugspersonen für die Kinder, kein Hochsicherheitstrakt. Trotzdem: "Die Sicherheit ist gewährleistet."

Das sagt auch Wolfgang Zeis. Zeis ist einer der Schulräte des Landkreises Bamberg. 44 Grund- und Mittelschulen fallen in seinen Zuständigkeitsbereich. 44 Mal sieht die Situation vor Ort anders. 44 Mal erarbeiteten Schulen, Kommunen und Polizei Sicherheitskonzepte. Immer individuell. Wolfgang Zeis sagt: "Wir müssen unser möglichstes tun, dass Lehrer und Eltern sicher sind."

Alternative Fluchtwege, Turnhallen und Pfarrheime, in die Schüler und Lehrer sich in Sicherheit bringen können. Im Brandfall. Bei Amok-Alarm. Die Schulen müssen den Notfall zwei Mal im Jahr üben. Einmal angekündigt und einmal spontan. Wolfgang Zeis sagt, die Schulen sind sensibel geworden. Bei Autos, bei Meldungen der Kinder, bei Fremden.

In der Wunderburgschule fragen die Lehrer, wenn sie einen Fremden im Treppenhaus treffen. "Wen suchen Sie ? Kann ich helfen?" Freundlich, aber bestimmt. In jedem Stockwerk hängen blaue Kästchen, mit Glasscheiben und einem schwarzen Knopf. Der Hausalarm. In den beiden Treppenhäusern hängen weitere Kameras. Die hat der Hausmeister im Blick. Mehr kann man nicht tun. Michael Kaukal stoppt im Treppenhaus. Dort haben sie einen Adventskranz aufgehängt, drei Kerzen brennen. In den Gängen stehen Schautafeln, darauf Kinder mit Schultüten, mit gelben Mützen und Schüler, die den Wald anschauen. Kleine Kinder neben großen Bäumen. Das ist Schule, so wie sie sein soll.


Sicherheitsdebatte nach Erfurt

Die Sicherheitsdebatte in den deutschen Schulen begann nach Erfurt. 2002 war das. Damals brachte der 19-Jährige Robert Steinhäuser in knapp 20 Minuten 16 Menschen um und erschoss sich selbst. Es war der erste von einem Schüler verübte Amoklauf in Deutschland. Städte, Schulen und Polizei reagierten. Konferenzen, Konzepte, Notfallpläne. In der Wunderburgschule war die Polizei zwei Tage unterwegs. Mit Schulleiter und Hausmeister. Sie haben Fenster inspiziert, Fotos gemacht, beraten. Einen Evakuierungsplan, einen Verständigungsplan, die Sicherung des Schulhauses.

Michael Kaukal sagt: "Wenn einer will, dann schmeißt er eine Scheibe ein. " Weiter spricht er nicht. Sie wollten die Hemmschwelle erhöhen. Verschlossene Türen, Kameras, Aufsicht. Das ist es, was die Schule leisten kann.


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