Bamberg
Schulstart

So entsteht ein Stundenplan an der Schule

Heute wird der Nachwuchs den neuen Stundenplan mit nach Hause bringen. Der entsteht nicht mal eben an einem Nachmittag.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bernd Zuber (vorne) und Thomas Platzöder sind das Stundenplan-Team am Dientzenhofer-Gymnasium in Bamberg.  Foto: Anna Lienhardt
Bernd Zuber (vorne) und Thomas Platzöder sind das Stundenplan-Team am Dientzenhofer-Gymnasium in Bamberg. Foto: Anna Lienhardt
Mathe in der ersten Stunde am Montag? Oder in der sechsten am Freitag? Wer an seine eigene Schulzeit zurückdenkt, erinnert sich vielleicht noch an den gespannten Blick auf den neuen Stundenplan. Wie fallen die Fächer?
Wobei "fallen" nicht der treffendste Ausdruck ist. Denn die Stunden werden bewusst zugeordnet. Etwa eine bis eineinhalb Wochen stecken die Stundenplan-Teams der Schulen in den Ferien die Köpfe zusammen und tüfteln, so wie Thomas Platzöder und Bernd Zuber am Dientzenhofer Gymnasium.

Die beiden sitzen vor einem Computerbildschirm so groß wie ein Flachbildfernseher. In bunten Farbfeldern sind zum Beispiel die Fächer einer fünften Klasse zu sehen. Doch bis so ein Stundenplan fertig ist, muss viel Arbeit geleistet werden - vom Computer und vom Menschen.

"Der Stundenplan ist das Herz der Schule", sagt Lehrer Thomas Platzöder. "Denn ohne Stundenplan gibt es keinen Unterricht." Die Fächer sollen so verteilt sein, dass sie für Schüler und Lehrer möglichst angenehm sind. Bei 30 Klassen und etwa 80 Lehrern am DG als Beispielschule eine Herausforderung.
"Die Grundlage für einen gemeinsamen Stundenplan ist der Oberstufenplan", beginnt Platzöder. Also die Kurse für jene Schüler, die sich auf das Abitur vorbereiten und die nicht mehr im Klassenverband unterrichtet werden. "Diese Schienen sind dann unverrückbar."

Es folgt die Frage: Wer unterrichtet welches Fach in welcher Klasse? Früher habe man mit sogenannten Stecktafeln gearbeitete, jedes Kärtchen war mit Lehrer, Klasse und Fach versehen und wurde einer Stunde zugeordnet. "Damals gab es allerdings noch nicht so viele Kopplungen wie heute", erläutert Platzöder. So müssen etwa die Spanisch- und Italienischschüler einer Klasse parallel unterrichtet werden.

Ähnlich läuft es bei evangelischer und katholischer Religion sowie Ethik ab. Zudem muss beachtet werden, ob ein Fachraum notwendig ist, etwa für Physik, was Platzöder selbst unterrichtet. Und dann ist da noch die Frage der Aushilfen: "Sie sind oft an mehreren Schulen beschäftigt. Da heißt es dann telefonieren und feilschen."
Schließlich ist das DG auch Seminarschule, da wollen zahlreiche Referendare untergebracht werden. "Dann gibt es noch persönliche Rahmenbedingungen. Wir versuchen zum Beispiel, Hol- und Bringzeiten von Kitas zu berücksichtigen."

Mit all diesen Kriterien wird das Computerprogramm gefüttert, das das DG vor einigen Jahren angeschafft hat. Hinzu kommt auch das "Doppelstundenkonzept", auf das die Schule Wert legt. Bezogen auf alle Jahrgangsstufen, werden etwa 70 Prozent der Fächer bewusst in Doppelstunden unterrichtet. Gleichwohl wünscht sich mancher Lehrer für sein Fach auch mal eine Einzelstunde. "Auch das berücksichtigt das Programm im besten Fall."
Wenn der Computer gut durchkommt, rechnet er etwa vier Stunden lang. Danach zeigt sich: Geht alles auf? Oder gibt es noch unverplante Stunden? Dann muss die Maschine noch mal rechnen. "Erst nach dem Eingeben kommt die eigentliche Stundenplanarbeit", sagt Platzöder.

Wenn das Programm einem Kollegen zum Beispiel drei Nachmittage zuteilt, einem anderen Lehrer aber nur Vormittagsunterricht. Oder Mathe immer in der fünften und sechsten Stunde liegt. Auch sollten die Lehrkräfte nicht allzu große Lücken im Unterrichtsplan haben. "Die Stundenplanarbeit funktioniert nur, wenn man ein gutes Team ist", sagt Platzöder.

Das bestätigt auch Thomas Kohl, Leiter der Staatlichen Schulämter für Stadt und Landkreis Bamberg. Die Behörde ist für die Grund- und Mittelschulen zuständig und betreut den größten Schulamtsbezirk in Oberfranken.


Herausforderungen sind überall

Kohl erklärt, dass es beim Erstellen der Stundenpläne zwar Parallelen zu den anderen Schulformen gebe, gleichwohl auch Unterschiede: "Wir haben kleine Grundschulen mit 60 Schülern, und dann welche mit 300." Auch hier heißt die Herausforderung: Fachlehrer parallel arbeiten lassen, Räume zuordnen oder den Sportunterricht organisieren - "dazu brauchen Sie nun mal eine Turnhalle, da muss der Betrieb möglichst reibungslos ablaufen". Hinzu kommen die sechs Mittelschul-Verbünde, in denen etwa gemeinsamer Fachunterricht abgestimmt wird. Und: "Jede Schule hat ein eigenes Profil und pädagogisches Konzept." Sei es Inklusion, die gebundene Ganztagsschule oder die flexible Eingangsstufe, sprich: erste und zweite Klasse zusammengefasst.

"Dann wollen Sie ja auch noch Abwechslung zwischen den Kernfächern und den anderen schaffen", fügt der Schulamtsdirektor hinzu. In vielen Schulen würde deshalb parallel mit Stecktafel und PC gearbeitet.
Egal, welche Schulform: am Ende soll für jede Klasse ein möglichst ausgewogener Stundenplan herauskommen. Und das jedes Jahr aufs Neue.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren