Bamberg
Beschluss

Sind zwei Kulturhäuser möglich?

Mit klarer Mehrheit hat sich der Kultursenat dafür ausgesprochen, Modelle für ein Kulturhaus Posthalle zu erarbeiten und fürs Kesselhaus eine Machbarkeitsstudie anzustoßen.
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Das Kesselhaus  soll nach den Vorstellungen einer klaren Mehrheit im Kultursenat ebenso zum Kulturhaus wachsen wie die Posthalle. Davor sind allerdings noch Fragen der Umsetzung und Finanzierung zu klären. Fotos: Ronald Rinklef
Das Kesselhaus soll nach den Vorstellungen einer klaren Mehrheit im Kultursenat ebenso zum Kulturhaus wachsen wie die Posthalle. Davor sind allerdings noch Fragen der Umsetzung und Finanzierung zu klären. Fotos: Ronald Rinklef
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Es sollen die nächsten Schritte für zwei neue Kulturhäuser im Kesselhaus und auf dem Lagarde-Gelände sein. Für die beiden Projekte sollen nun Nutzungsmodelle und Machbarkeitsstudien erarbeitet werden. Doch trotz klarer Mehrheiten im Kultursenat wurde bereits deutlich, dass am Ende auch alles eine Frage der Finanzierbarkeit sein wird.

Thomas Kästle vom Projektentwicklungsbüro Eloprop gab dem Gremium einen zusammenfassenden Überblick über die seit zwei Jahren laufenden Untersuchungen zum Kulturquartier Lagarde. Zu Beginn habe es eine "undefinierte Gemengelage aus Kulturschaffenden und Gebäuden" gegeben. Deshalb wurden unter anderem Flächenbedarfe möglicher Akteure und das potenzielle Angebot auf dem früheren Kasernengelände gegenübergestellt. "Bei einem Kulturquartier geht es nicht nur im engeren Sinn um Kunst, sondern auch um flankierende Nutzung", stellte Kästle heraus. "Es ist eine Mischung aus vielen Dingen."

Eine Frage des Zeitplans

Die Übergänge vom Non-Profit- in den Profit-Bereich seien dabei fließend, die Bandbreite könne von der Galerie bis zum Ingenieurbüro reichen. "Ich warne aber davor, alles bis zum letzten Quadratmeter zu verplanen. Sie werden später vielleicht noch Flächen für Nutzungen brauchen, die Sie jetzt noch nicht absehen können." Kästle sieht die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Nutzung der Reithalle mit einem privaten Betreiber und empfiehlt eine entsprechende Ausschreibung. Die kulturelle Nutzung der Posthalle könne wohl nicht profitabel gestaltet werden und sei daher auf die Unterstützung der Stadt angewiesen.

Für Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) kommt es nun zu einer "wichtigen Weichenstellung für die kommenden Jahre". Da die Bauarbeiten für die Tiefgarage auf dem Lagarde-Gelände frühestens 2022 abgeschlossen seien, während die Mietverträge für das Kesselhaus bereits 2021 auslaufen, ergebe sich dadurch auch die Reihenfolge der Projekte. Er betonte jedoch nochmals: "Unser Ziel heute ist das Und, wir wollen nicht Kesselhaus gegen Lagarde ausspielen." Was die Reithalle angeht, für deren rein kulturelle Nutzung die SPD einen Nachtragsantrag stellen wollte, würden 250- bis 300 000 Euro jährliche Zuschüsse erforderlich. "Wenn wir hier nicht mal eine Ausschreibung testen, werden wir uns jahrelang im Kreis bewegen." Für das Kesselhaus warb Lange unter anderem mit der Aussicht auf hohe Förderung und mit dem Argument, dass es die Villa Dessauer als Ausstellungsort ersetzen könne, die sanierungsbedürftig und nicht barrierefrei sei.

"Wer glaubt, dass Kultur zum Nulltarif zu bekommen ist, der irrt sich", erklärte Franz-Wilhelm Heller (CSU). "Aber wir glauben, dass wir dieses Geld in die Hand nehmen sollten, weil auch Kultur ein Teil der Daseinsvorsorge ist." Da rund um Bamberg neue Kulturangebote entstünden, müsse man dem auch gute Angebote entgegensetzen. Felix Holland wies darauf hin, dass in den letzten Jahren in Bamberg viele Räume für Bürger- und Subkultur weggefallen sind. Diese würden nun schmerzlich vermisst und "die Konversion bietet eine einmalige Chance, diese Lücke zu schließen".

Hoher Investitionsstau

Wolfgang Wußmann (BA) wies darauf hin, dass das Kesselhaus Priorität haben müsste, denn "es ist ein Haus mit großem Charme im geschichtsträchtigen Herzen unserer Stadt - und es ist schon da". Wasser in den Wein goss hingegen Annette Neumann (BBB), die gegen eine Machbarkeitsstudie für das Kesselhaus ist: "Wir gehen auch alle gern in neue Ausstellungen, aber wir können nicht für zwei Kulturhäuser stimmen, solange unsere Schulen in einem teilweise katastrophalen Zustand sind."

Die Stadt Bamberg habe kein Geld und müsse genau prüfen, was notwendig ist, und was wünschenswert. Dem schloss sich Martin Pöhner (FDP) an und verwies auf einen Investitionsstau von 200 Millionen Euro bei den Schulen: "Viele unserer Schulen sind in einem deutlich schlechteren Zustand als die Villa Dessauer. Ich sehe nicht die Möglichkeit, in den nächsten zehn Jahren zwei Kulturquartiere zu ermöglichen." Sein Antrag, daher dem Kulturquartier Lagarde Priorität vor dem Kesselhaus zu geben, wurde von den anderen Senatsmitgliedern jedoch abgelehnt.

Andreas Reuß (GAL) beantragte unter anderem, eine Frist zu setzen, bis wann die Verwaltung ein Nutzungs- und Betriebsmodell für die Posthalle zu erarbeiten hat. Außerdem forderte er wie auch die SPD, die Kulturschaffenden von Kontakt und dem Kulturquartier Lagarde mit einzubeziehen.

Nach entsprechender Überarbeitung der Vorlage beschloss der Kultursenat den Punkt einstimmig, die SPD zog ihren Änderungsantrag zurück. Bis 2020 soll ein entsprechendes Modell für die Posthalle vorgelegt werden. Auch die Machbarkeitsstudie zum Kesselhaus soll auf den Weg gebracht werden - am Ende stimmten dafür elf Räte, gegen die Stimmen von Pöhner und Neumann.

"Wir wollen Räume für Kultur schaffen, der artikulierte Bedarf ist sehr groß", machte Oliver Will vom städtischen Kulturamt deutlich. Die beiden genannten Areale eigneten sich nach seiner Einschätzung sehr gut für die Entwicklung von Kulturhäusern. "Es wäre nun hilfreich, beide Optionen voranzubringen." Die Finanzdebatte sei dann gesondert zu führen.

Wie haben Kulturschaffende die Pläne im Vorfeld bewertet? Dies und weitere Hintergründe lesen Sie hier bei inFranken.dePlus

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