Merkendorf
Windräder

Sind Windkraftanlagen wirtschaftlich sinnvoll?

Das Vorranggebiet Nr. 130 zur Gewinnung von Windenergie wird in Merkendorf und Starkenschwind abgelehnt. Der Scheßlitzer Stadtrat verschiebt seine Stellungnahme zum Regionalplan. Der Mindestabstand zu Wohngebieten soll von bisher 700 auf 900 Meter erhöht werden. Erneut steht der wirtschaftliche Sinn der Windräder in Frage.
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Windräder über Merkendorf? Diese Fotomontage zeigt, maßstabgerecht, wie es aussehen könnte.  Fotomontage: Wilhelm Will
Windräder über Merkendorf? Diese Fotomontage zeigt, maßstabgerecht, wie es aussehen könnte. Fotomontage: Wilhelm Will
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Auf wenig Gegenliebe bei der Bevölkerung stößt die Ausweisung einer Vorrangfläche zur Windenergie-Gewinnung in Merkendorf und Starkenschwind. Zwischen den beiden Orten könnten auf einer Fläche von etwa 125 Hektar fünf bis sechs Windräder aufgestellt werden, wenn es bei der derzeitigen Größe und den Mindestabständen zur Wohnbebauung bleibt. Doch: "In Merkendorf wie in Starkenschwind haben sich bisher etwa 75 Prozent der wahlberechtigten Bürger mit ihren Unterschriften gegen die Realisierung ausgesprochen", betonen Alfons Distler und Wilhelm Will in Merkendorf. Gesundheit und Lebensqualität der Menschen sollen im Vordergrund stehen. Deshalb sollten Anlagen dieser Größe in mindestens zwei Kilometer Abstand von Wohnsiedlungen errichtet werden.

Windräder müssten aber auch wirtschaftlich sinnvoll sein, sollten sie für die Bevölkerung akzeptabel werden, betont Alfons Distler.
"Man darf nicht nur den momentanen Cashflow sehen und die mittel- und langfristigen Folgen verdrängen". Im vergangenen Jahr habe Deutschland, das bei der Einspeisung erneuerbarer Energien in die internationalen Stromnetze weltweit nach den USA und China an dritter Stelle stehe, etwa 22 Milliarden Kilowattstunden Energie geliefert. Die deutschen Stromkunden subventionierten dies mit 0,359 Cent pro kWh, also mit 789 Millionen Euro. Im kommenden Jahr werde dieser Wert auf 0,528 Cent respektive dann 1,161 Milliarden Euro steigen. "Deshalb ist dem unkontrollierten Ausbau der Windenergie Einheit zu gebieten", sagt Distler.

Vor der Aufstellung weiterer Rotoren müsse es ein Konzept über deren Notwendigkeit geben, wie es früher Voraussetzung beim Bau von Kraftwerken gewesen sei. 25 000 Windräder in Deutschland seien genug.
Mindestens genau so schwer wiege aber die Zerstörung der Landschaft "fränkische Toskana" mitsamt den Lebensräumen für geschützte Tiere wie Fledermaus und Roten Milan, die es nachweislich gebe. Beide Arten seien nach FFH-Richtlinien geschützt.

Im Scheßlitzer Stadtrat eröffnete das Starkenschwinder Ratsmitglied Günther Dech (CWG), dass ein Mindestabstand von 900 Metern angebracht sei. Dann aber "könne man diesen Plan vergessen". Im Ort sei es mittlerweile soweit, dass "einer dem anderen nicht mehr traut". Der mögliche Investor gehe von Abständen von 700 Metern aus, ergänzte Christian Freudensprung.

Fläche 127 fällt heraus

Bei der Fortschreibung des Regionalplanes Oberfranken-West habe man in Sachen Windenergie dennoch "ein bisschen was erreicht", ließ Bürgermeister Franz Zenk (CSU) wissen. So sei die Vorrangfläche im Wald westlich von Scheßlitz (127) komplett gestrichen worden. Dieser Forst sei lange und gut gepflegt worden. Die Siedlungsabstände - bisher mindestens 700 Meter - sollten um 200 Meter vergrößert werden und würden dann 900 Meter betragen. "Das soll der Akzeptanz solcher Vorhaben in der Bevölkerung dienen", so Zenk.

Kritisiert wurde die Aufstellung weiterer Windräder von Stadtrat Otto Nüßlein (VJW). "Irgendwann muss es gut sein, sonst siedeln die Leute um", schilderte der Kübelsteiner die Stimmung auf dem Jura. Früher habe man wegen des Naturparks Fränkische Schweiz "Bauern gepeinigt und Bauherren zurück gewiesen", jetzt würden Schutzgebiete einfach aufgelassen. Nüßlein schilderte weitergehende Pläne zur Aufstellung von Windrädern, die beim Regionalen Planungsverband hinterfragt werden sollen.

Laut Bürgermeister Zenk werde das "Thema Fledermäuse" derzeit bei der Regierung von Oberfranken geprüft. Es gebe bei den Würgauer Windrädern offenbar "eine Menge Opfer zu beklagen" hieß es in der Debatte. "Irgendjemand hat sich da wohl zu schnell 'nausgewagt". Mit der Fortschreibung des Regionalplanes solle ein Rahmen für eine künftige Versorgung mit Windenergie gesetzt werden, so Bürgermeister Zenk. Nur so behalte man eine Steuerungsmöglichkeit. Eine Entscheidung wurde im Stadtrat noch nicht getroffen‚ sie muss bis 11. Oktober bei der Regierung von Oberfranken sein.
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