Bamberg
Gericht

Shoppingtour auf fremde Kosten

Weil er Kreditkarten fälschte, muss sich ein 30-Jähriger vor Bamberger Justiz verantworten. Opfer sind die Mitglieder eines Bamberger Vereins.
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Seit Juli letzten Jahres sitzt der angeklagte 30-Jährige in Untersuchungshaft.Symbolbild: David Ebener
Seit Juli letzten Jahres sitzt der angeklagte 30-Jährige in Untersuchungshaft.Symbolbild: David Ebener
Wegen 15-fachen Computerbetruges und zehnfacher Urkundenfälschung steht ein 30-jähriger Berliner vor der neugebildeten 3. Strafkammer des Landgerichtes Bamberg. Der Immobilienmakler hatte Mitglieder des Vereins "Haus & Grund Bamberg" mit gefälschten Kreditkarten um insgesamt mehr als 75 000 Euro geprellt. Am ersten Verhandlungstag gab er die Taten größtenteils zu und nannte dem Vorsitzenden Richter Markus Reznik seine Komplizen.

Fast eine halbe Stunde dauerte es, bis Tobias Ceffinato die Anklageschrift verlesen hatte. Schließlich hatte der Staatsanwalt von der für ganz Bayern zuständigen "Zentralstelle Cybercrime" der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg über 300 Einzelbuchungen vorzuwerfen. Zwischen Mai 2015 und Mai 2017 hatte der Angeklagte, der Sproß eines einst angesehenen fränkischen Adelsgeschlechtes, mit gefälschten Kreditkarten ein kleines Vermögen ergaunert. Wie sich nun herausstellte nicht im Alleingang.

Das Schema war stets das Gleiche. Aus der erschlichenen Mitgliederliste des Vereins besorgte er sich die entsprechenden Daten und beantragte damit eine Kreditkarte. Mittels einer Komplizin hatte er sich die für die Identitätsprüfung notwendigen Formulare bei verschiedenen Berliner Sparkassen-Filialen besorgt. Hinzu kam ein gefälschter Bankstempel - deshalb war Urkundenfälschung angeklagt.


Falsche Namensschilder, illegale Abbuchungen

Dann ließen sich die Täter die auf eine reale Person ausgestellten Karten an eine Deckadresse schicken. Dazu hatten sie Briefkästen mit selbstgedruckten Namensschildern versehen. Die Karten waren immer nur wenige Tage oder Wochen in Gebrauch, bis die Geschädigten auf ihren Kontoauszügen die illegalen Abbuchungen bemerkten. Doch bis dahin hatte das viereckige Stück Plastik bereits die Runde gemacht.

Mehrere Täter teilten sich die Nutzung und lebten auf großem Fuß. Restaurantbesuche, Bahn- und Flugreisen, Unterhaltungselektronik und Sportartikel, Tankfüllungen und Kosmetika, Textilien und Möbel... Kurioserweise entpuppten sich die Kriminellen zugleich als ungemein preisbewusst, kauften sie doch in Discountern und bei Billig-Möbelhäusern ein.

Der Angeklagte, seit Juli 2017 in Untersuchungshaft in der JVA Kronach, berichtete ganz freimütig von einem Berliner Bordell, in dem es nicht nur Alkohol und Prostituierte, sondern auch Kokain gab - alles über die Karte abgerechnet. "Da kostet eine Frau schon einmal 300 Euro pro Stunde."


Schäden bis zu 15 200 Euro

So fügten er und seine Mittäter zehn Opfern aus Berlin, Bamberg, Rattelsdorf, Trunstadt, Strullendorf, Redwitz und Hausen erhebliche Schäden zu. Die Summen reichten von 600 Euro für eine nicht benutzte Karte, soviel kostet die Jahresgebühr der Kreditkartenfirma, bis zu 15 200 Euro. Am Ende übernahm die Kreditkartenfirma die Kosten von über 75 000 Euro - möchte den Schaden allerdings wieder ersetzt haben.

In die kriminelle Szene war der 30-jährige Franke, der nach einer Verurteilung 2014 in Nürnberg zu einer Bewährungsstrafe in die Bundeshauptstadt gezogen war, in Hamburg geraten. Dort hatte er nach eigener Aussage zufällig ein Trio getroffen, das ohne zu arbeiten "auf dicke Hose" gemacht habe. "Die fuhren immer die größten Autos - auf Kosten anderer." Von ihnen bekam der drogenabhängige junge Mann sein Kokain. "Vier bis fünf Monate täglich ein halbes Gramm."

Als Gegenleistung half er den Mitarbeitern eines Finanzvertriebes bei ihrer nebenberuflichen Betrugsmasche, indem er etwa bei der Beschaffung der gefälschten Kreditkarten mitwirkte. "Die hatten Kundendaten und suchten sich immer die aus, die gut verdienten." Später in Berlin wandte er die dabei gewonnenen kriminellen Kenntnisse zum eigenen Vorteil an. Dabei halfen ihm eine Ex-Bekannte aus Nürnberg, die "dringend Geld brauchte", ein mit Drogen handelnder KfZ-Mechaniker aus Berlin, sowie einige Bekannte "vom Fach".

Am Freitag wird das Verfahren fortgesetzt. Dann will Rechtsanwalt Thomas Drehsen (Bamberg), so hat er es bereits angekündigt, den Mitarbeiter der Kreditkartenfirma fragen, was diese tue, "um so etwas zu verhindern." Außerdem wird ein Kripobeamter berichten, wie man dem Angeklagten auf die Spur gekommen ist, und es werden die Vorstrafen des Angeklagten zur Sprache kommen. Ob dann bereits plädiert und ein Urteil gesprochen werden kann, das wollte Vorsitzender Richter Markus Reznik nicht prognostizieren. Vielleicht sind trotz des umfänglichen Geständnisses noch weitere Zeugen nötig.
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