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Oberfranken: Zwei Wölfe gesichtet - Hundert Hektar Schutzraum im Steigerwald eingerichtet

Das zuletzt bei Oberhaid gesichtete Tier ist nach Ebrach weitergezogen, wo es sogar mit einem anderen Wolf gesichtet wurde. Dort entsteht ein Gehege.
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Experten des Landesamtes für Umwelt haben auf diesem Infrarotfoto einer Wildkamera zweifelsfrei Wölfe erkannt. Symbolbild: Gemeinde Ebrach
Experten des Landesamtes für Umwelt haben auf diesem Infrarotfoto einer Wildkamera zweifelsfrei Wölfe erkannt. Symbolbild: Gemeinde Ebrach

Zuerst war es ja nur die Meldung eines Busfahrers, der bei Fürnbach einen Wolf gesehen haben wollte. Dann entdeckten Mitarbeiter am Baumwipfelpfad oberhalb Ebrachs Anfang letzter Woche ebenfalls einen Wolf.

Und jetzt ist Barbara Ernwein ein großer Coup gelungen. Im dritten Jahr des Bestehens machte man sich am Baumwipfelpfad Gedanken, wie die Attraktion der Staatsforsten-Einrichtung weiter gesteigert werden kann. Dann stellt sich diese praktisch von selbst ein: Zu dem einen Wolf gesellte sich nur zwei Tage später ein weiterer. Ausgerechnet immer in Straßennähe. "Da konnten wir nicht einfach zusehen und abwarten, bis die Tiere totgefahren werden", berichtet die Pfadleiterin. So wurden die zwei Wölfe in einer konzertierten Aktion mit Spezialisten betäubt und in ein Sicherungsgehege gebracht.

Mit der Mitteilung an die Vorgesetzten in Regensburg kam in der Antwort zugleich ein Vorschlag, der das Zeug für eine echte Sensation hat und angetan ist, Nationalpark-Befürworter und -Gegner zusammenzubringen.

Weitläufiges Schutzgehege

Zum Schutz und zum weiteren Wieder-Heimisch-Werden des Wolfs in der Region haben Mitarbeiter des Forstbetriebs Ebrach inzwischen ein etwa 1000 mal 1000 Meter großes Schutzgehege gebaut. Es soll sukzessive bis in den Hohen Buchener Wald erweitert werden. Den Bereich also, der Nationalpark werden sollte. Damit könnte auch dieses Vorhaben noch zeitnah realisiert werden.

Liebhard Löffler, Erster Vorsitzender des Vereins Nationalpark Steigerwald, begrüßt erst einmal die Rückkehr des Wolfes in diese Gegend und sieht genau darin "eine Riesenchance". Denn dann würde mit dem Riesen-Wolfsgehege in eben dem geschilderten Bereich die Holznutzung durch die Staatsforsten entfallen und die Natur könnte sich weiter entwickeln.

Kein Geringerer als Ministerpräsident Markus Söder (CSU) greift diesen Gedanken auf und sieht das Konzept als einmaligen Ansatz, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Den Steigerwald und die gegensätzlichen Parteien nach Jahren der Unruhe endlich wieder zu befrieden.

Sonderförderung für Waldbesitzer

Für die regionalen Sägewerke wie auch die Privatwaldbesitzer im Umkreis von 15 Kilometern um das neue Wolf-Schutzgebiet sollen Sonderförderprogramme entwickelt werden, als Kompensation für Nutzungsentgang oder Mehraufwand bei Holzgewinnung beziehungsweise Produktion. "Das zeigt, wie schnell, flexibel und unbürokratisch wir in Bayern auf aktuelle Entwicklungen reagieren", meint Söder.

Von dieser überraschenden Wendung bei dem "Dauer-Konfliktthema" zeigt sich indes auch Landkreis-Chef Johann Kalb (CSU) mehr als angetan: "Ich bin begeistert!" Einen Seitenhieb gegen die Grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum kann er sich freilich nicht verkneifen: "Dann wird auch endlich die Buche wieder frei, an der sie sich da so medienwirksam angekettet hat."

Dank der Entschädigungsperspektive, "bei der man selbstverständlich eine auf Langfristigkeit angelegte Regelung finden muss", kann sich auch der Vorsitzende des Vereins "Unser Steigerwald", Gerhard Eck, "grundsätzlich mit dem Gedanken anfreunden". Trotzdem könne er eine gewisse Skepsis nicht verleugnen und möchte das Weitere rechtlich "absolut wasserdicht für unsere Waldbesitzer" geklärt haben. "In der Kürze der Zeit konnte ich das noch nicht endgültig bewerten", bittet er um Verständnis.

"Wenn es auf diese Weise funktioniert und wir so zu einem Nationalpark kommen und touristisch weitere Potenziale erschließen, soll es mir recht sein", gibt sich Ebrachs Bürgermeister Max-Dieter Schneider (SPD) pragmatisch.

Wolfsexpertin Gerlinde Weinhäupl ist ihrerseits erst einmal froh, dass in dem Bereich am Radstein oberhalb Ebrachs kein Wolf zu Schaden gekommen ist. Auch wenn sie bei der Größe des provisorischen Geheges noch "Luft nach oben sieht".

Ein Wolfs-Paar: Rudelbildung steht nichts im Weg

Wie die Auslesung der Chips ergab, handelt es sich bei den beiden Radstein-Wölfen um ein männliches und ein weibliches Exemplar, die nicht miteinander verwandt sind. Somit steht der Rudelbildung nichts mehr im Weg. Mit anderen Nationalparks werden nun Verhandlungen aufgenommen, welche Tiere sie an den Steigerwald abgeben können, so die Pfadleiterin.

Barbara Ernwein freut sich, dass Besucher mit Hilfe eines Fernglases (es gibt inzwischen schon Leihgeräte im Gastrobereich) die Wölfe mit etwas Glück vom Aussichtsturm auch entdecken können.

Ebrach: Feierstunde am Montag

Den Durchbruch und die neuen Tiere am Pfad wollen Landrat Kalb, Pfadleiterin Ernwein und Bürgermeister Schneider am Montag (1. April 2019) mit einer kleinen Feier für die Öffentlichkeit um 10.30 Uhr auf dem Festgelände unterhalb des Turms begehen. Für die ersten zehn Besucher gibt es Plüsch-Wölfe als Erinnerung. Später sollen solche ins Souvenir-Sortiment des Kiosks aufgenommen werden, so Ernwein.

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