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Selbstständigkeit im Landkreis Bamberg kann Wirklichkeit werden

Selbstständigkeit bedeutet, sein eigener Chef zu sein. Dazu kommen noch Büroarbeit, Versicherung, Selbstdisziplin und Finanzierung. Mit welchen Anforderungen hatten - und haben - Existenzgründer im Landkreis zu kämpfen?
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In ihrer Praxis bietet Lisa Dietz Krankengymnastik an. Foto: Sarah Dann
In ihrer Praxis bietet Lisa Dietz Krankengymnastik an. Foto: Sarah Dann
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In der Schule hat sich Lisa Dietz eher selten gemeldet. Das vor den Mitschülern Reden war so gar nicht ihre Sache. Heute ist sie Chefin, Inhaberin einer eigenen Physiopraxis in Gundelsheim. Mit schlichtem Shirt und Trainingshose empfängt sie Patienten an der Eingangstüre - nur die Turnschuhe stechen mit ihrem Knallorange sofort ins Auge. Vor über einem Jahr, im Oktober 2013, hat sie sich selbstständig gemacht. Nicht ganz von heute auf morgen. Aber so überraschend sich die räumliche Gegebenheit im Landkreis Bamberg für die gebürtige Ebensfelderin bot, so ungeplant war zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch der Gedanke, nicht mehr als Angestellte, sondern als Selbstständige Geld zu verdienen.

"Eine Geschäftsidee alleine ist zu wenig", steht da gleich in den ersten Sätzen der Existenzgründer-Broschüre des Landkreises. "Für eine erfolgreiche Zukunft, als Unternehmer müssen Sie sich mit zahlreichen anderen Fragestellungen auseinandersetzen." Sicher, als Physiotherapeutin verfolgt Dietz erst einmal keine neuerfundene Geschäftsidee, aber mit Buchhaltung, Finanzierung, Haftung, Versicherung und Marketing musste sie sich in ihrem Anstellungsverhältnis nicht beschäftigen. Und in der Ausbildung wurde sie damit auch nicht im Besonderen konfrontiert.


Risiko ist immer dabei

Bis sich die Gelegenheit in Gundelsheim bot, war die 26-Jährige zwar nicht täglich auf der Suche nach der eigenen Praxis. Aber: "Mein Papa hat schon damit geliebäugelt, dass ich mich irgendwann einmal selbstständig machen könnte", erinnert sie sich. Dementsprechend fehlte es ihr weder an Rückhalt noch an Zuspruch aus der Familie.

Im Gründerreport 2014 der deutschlandweiten IHK meinen 64 Prozent der IHK-Experten, dass Eigenkapitalmangel für Gründer ein starkes Hemmnis sei. Schließlich sind nicht nur Personal, sondern auch Miete, Versicherungen oder die Innenausstattung zu zahlen. "Das Eigenkapital ist immer abhängig vom Geschäftsmodell", sagt Konrad Bastian. Er ist Geschäftsführer vom Zentrum für Innovation und neue Unternehmen (IGZ) in Bamberg.

Ein Web-Designer muss beispielsweise keinen Maschinenpark anschaffen und kann ganz am Anfang vielleicht auch noch von daheim aus arbeiten. Da ist nicht so viel Startkapital notwendig. Aber auch als freiberuflicher Web-Designer - überhaupt als Selbstständiger - muss man sich eigenverantwortlich krankenversichern und für das Alter vorsorgen. Im Bereich Physiotherapie gehe es dann aber schon klar um eine "Marktgeschichte", bei der es "nicht schlecht wäre, wenn man ein bisschen Kapital hat", unterscheidet Bastian.

Das kann Lisa Dietz auch aus eigener Erfahrung unterstreichen. "Meine Eltern sind mit mir zur Bank gegangen, zum Steuerberater...", ohne diese Stütze - sicherlich auch in finanzieller Hinsicht - hätten sich vermutlich öfter Existenzsorgen gegen die Anfangseuphorie durchgesetzt. Ein entscheidender Punkt, den sie zwar auch mitbezahlt hat, aber das Risiko ein bisschen entschärft hat: Dietz hat sich zwar erstmalig selbstständig gemacht, konnte aber eine bereits bestehende Praxis mit festem Kundenstamm übernehmen. Auch dafür, nicht nur für die Räume oder die medizinischen Geräte, hat Lisa Dietz gezahlt. Eine tatsächliche Garantie, dass die Patienten auch zu ihr kommen, gab es aber nicht. Funktioniert hat es trotzdem. Das kann sie nach einem Jahr sagen: "Auto, Praxis, Miete daheim... das alles kann ich jetzt selber zahlen und am Ende bleibt trotzdem noch ein bisschen was übrig", sagt Dietz.


Fünf bis acht Jahre Zeit

Ein bisschen mehr Geduld und Durchhaltevermögen kann der Weg zur Selbstständigkeit, die sich ja auch finanziell lohnen soll, aber fordern. Seit 1999 gibt es das Gründerzentrum in Bamberg. Konrad Bastian hat viele Existenzgründer kommen und gehen sehen. Neben einer ausgeklügelten Idee, die seriöserweise in einem Businessplan ausgearbeitet ist, kommt es auch auf die Überzeugung an: "Man muss dahinter stehen", sagt Bastian. Die Gründeragentur bietet 2200 Quadratmeter Bürofläche und 600 Quadratmeter Produktionsfläche, die an (mittelständische) Kleingründer aus dem Landkreis vermietet werden.
Es gab hier auch mal ein Yoga- Studio, wie sich Konrad Bastian erinnert, aber "zu zwei Drittel sind die Räume im Bereich IT vermietet", weiß der Geschäftsführer. Dann gibt es da noch Existenzgründer im Bereich Maschinenbau oder Versicherung oder Sprachdienstleistung oder.... "Wir haben keine Wartelisten", mal sind es mehr, mal weniger "round about 35 Firmen", die für fünf bis maximal acht Jahre in den Räumlichkeiten des IGZ aufgenommen werden. Je nachdem, wie lange die Fördergelder eben fließen.
"Aber es gibt auch Berufsfelder, die möglichst innenstadtnah sein sollten", sagt Bastian. Jetzt ist Gundelsheim nicht riesig und die Innenstadt gut erreichbar, aber Dietz hat erfahren, dass zum Beispiel freie Parkplätze wichtig für die Kunden sind.
Mit aktuell einer Praktikantin und zwei weiteren Mitarbeiterinnen in Teilzeit kann sie als Chefin A rbeit abgeben, "und auch mal Urlaub machen", sagt sie und rechnet nach: Zehn freie Wochentage waren es im letzten Jahr. Und ihre Arbeitstage sind lange. Da fällt das Wäschewaschen auch mal aufs Wochenende oder an einem Feiertag wird von früh bis spät Papierkram erledigt. Auch daran haben sie und ihre Familie und Freunde sich gewöhnt. Mehr zu arbeiten stört Dietz vielleicht auch deshalb nicht, weil ihr mit jedem (neuen) Patienten klar wird, "die Menschen kommen gerne zu mir".
Wenn sie ihrer Praktikantin einen Tipp geben müsste, würde sie wohl Infoveranstaltungen der Gründerszene annehmen. "Eigentlich ist es aber nicht so ein riesen Ding", sagt Lisa Dietz und meint damit, dass auch Mut dazugehört. Statt im Dauer-Grübel-Modus zu sein und sich nur noch verrückt zu machen, gilt vielleicht: "Einfach mal machen."

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