Bamberg
Besinnung

Seehofer besucht Gottesdienst in Bamberg

Regionalbischöfin Dorothea Greiner und Generalvikar Georg Kestel feierten mit der Landtags-CSU im Dom einen Gottesdienst. Nach dem Tagesgeschäft der Fraktionsklausur in Kloster Banz dankten die Politiker für diesen "Tiefgang".
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Die CSU-Landtagsfraktion mit Ministerpräsident Seehofer in der Mitte auf ihrem Weg zum Schlenkerla  Foto: Ronald Rinklef
Die CSU-Landtagsfraktion mit Ministerpräsident Seehofer in der Mitte auf ihrem Weg zum Schlenkerla Foto: Ronald Rinklef
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Bevor Ministerpräsident Horst Seehofer, Kabinettsmitglieder und die CSU-Landtagsabgeordneten in den Dom strömten, hatte ein holländischer Schäferhund seinen schnüffelnden Auftritt. Polizeihauptmeister Teuchert und zwei Kollegen durchsuchten mit dem Vierbeiner das Gotteshaus bis in den letzten Winkel. Höchste Sicherheitsstufe war angesagt.

"Vielen Dank für Ihren Dienst!", winkte Regionalbischöfin Dorothea Greiner den Polizisten zu, als sie in die Sakristei zu Generalvikar Georg Kestel eilte. Die beiden Kirchenvertreter standen dem Ökumenischen Gottesdienst vor, den sie am Mittwochabend nach der Klausurtagung der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz feierten.

Sind denn Politiker besonders erlösungsbedürftig, dass sie so einen Gottesdienst brauchen? Bischöfin Greiner lachte herzlich über diese Frage von inFranken.de, um diplomatisch zu antworten: "Alle Menschen, nicht nur Politiker, sind total erlösungsbedürftig!"

Feste Herzen

Tatsächlich schien es so, dass die CSUler nach den aufreibenden Diskussionen in Banz etwas zur Entspannung gebrauchen könnten. "Es ist gut, nach dem tagespolitischen Geschäft tiefer zu gehen und zur Besinnung zu kommen", meinte Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Der Bamberger Landtagsabgeordnete Heinrich Rudrof pflichtete ihr bei: "Es ist gut, dass zur Klausur auch ein Gottesdienst gehört."

Ihm gefiel besonders der Bibelvers, unter den die Bischöfin ihre Predigt gestellt hatte: "Lasst Euch nicht durch mancherlei und fremde Lehre umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht aus Gnade (Hebräer 13,9)."

Mit einem Wechselgebet über den "wichtigen Dreiklang im Leben: Glaube, Hoffnung, Liebe", so Generalvikar Kestel, bekamen die Politiker schon einmal ein gewisses Rüstzeug und Orientierung. Auch die Lieder, die Domorganist Professor Markus Willinger anstimmte, konnten die Männer und Frauen aus ganz Bayern gekonnt mitsingen: "Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit ..." hatte der alte Komponist große Schuhe vor die Politprominenz gestellt.

Dem Morden Einhalt gebieten

Als Bischöfin Greiner predigte, hätte man die berühmte fallende Stecknadel hören können, so still wurde es im Dom. "Christus ist unser Maßstab, gerade diese feste Grundorientierung ermöglicht Offenheit zur Prüfung und Klarheit zum uneingeschränkten oder differenzierten Ja oder Nein", schrieb Greiner den Christsozialen ins Stammbuch.

Für "stabile wirtschaftliche und politische Verhältnisse braucht es Menschen mit Rückgrat, mit Herz und Gewissen, eben ganzheitlich gebildete Menschen", spielte die Predigerin auf das Klausurthema "Bildung" an. Alle bräuchten in ihrem beruflichen und privaten Leben voller "Verantwortung, terminlicher Belastung, intriganten Spielen" eine stabile Mitte: "das feste Herz", besonders, wenn Entscheidungen wie etwa Waffenlieferungen anstehen: "Wenn unser Land Waffen liefert, um der IS Einhalt zu gebieten, werden wir schuldig, weil diese Waffen auch in die Hände skrupelloser Machtmenschen geraten und auch zum Tod Unbeteiligter beitragen können. Liefern wir sie aber nicht, so werden wir schuldig an denen, die durch die IS geschlachtet werden", erklärte die Bischöfin.

Manchmal gebe es keinen Königsweg. Es entspreche jedoch ausdrücklich dem Liebesgebot Christi, dem Morden anderer Einhalt zu gebieten und bösem Verhalten Grenzen zu setzen, um Menschen zu schützen oder um dem Frieden den Boden zu bereiten.

Wegmarken für anstehende Entscheidungen setzte die Bischöfin auch in der Frage nach der so genannten Sterbehilfe. "Wenn wir das Tor zum selbstbestimmten Todeszeitpunkt öffnen, kommt eine Eigendynamik in Gang, die wir nicht mehr bremsen werden", mahnte Greiner. Auch "unsere Freiheit und Würde haben ihre Wurzel nicht in uns, sondern in der Verbundenheit mit Gott".

Es sei kein Akt der Freiheit, "uns das Leben zu nehmen, weil daraus neue, größere Unfreiheit wächst". Die Freiheit, den Todeszeitpunkt zu bestimmen, führe zu größeren Zwängen. Die Theorie selbstbestimmten Sterbens sei ein Widerspruch in sich und eine verführende Lehre.

Nach dem Schlusssegen durch die Bischöfin und den Generalvikar kamen viele CSUler auf die beiden Kirchenleute zu, um ihnen ausdrücklich für die weiterführenden Worte "mit Tiefgang" zu danken. Und entschwanden flugs Richtung "Schlenkerla", wo das Rauchbier sicher die im Gottesdienst verbreitete ernste Stimmung verscheuchte.
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