Bamberg
Brauereiwesen

Schwere Zeiten für kleine Brauereien

Im Fränkischen Brauereimuseum am Michelsberg macht man sich auch Gedanken um die Zukunft eines Traditionsgewerbes.
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Bierkrüge in Hülle und Fülle verweisen auf eine traditionsreiche Brauereigeschichte. Foto: Antonia Wild
Bierkrüge in Hülle und Fülle verweisen auf eine traditionsreiche Brauereigeschichte. Foto: Antonia Wild
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Auf dem Michelsberg, links hinter dem Eingang zum Kloster, hat es sich versteckt. Das Fränkische Brauereimuseum sieht von außen ganz unscheinbar aus. Innen erwarten den Besucher aber fünf Ebenen voller Brauereikultur, darunter nun auch eine Karte der Brauereien in der Stadt und im Landkreis Bamberg. Wer auf sie blickt, dem wird schnell klar: Viele Braustätten in der Region, die noch 1950 gebraut haben, existieren heute nicht mehr.

"Die zwei Hauptgründe für das Brauereisterben sind zum einen der Personalmangel und zum anderen die hohen Kosten, die mit den notwendigen Modernisierungsarbeiten verbunden sind", erklärt Nina Schipkowski, Museumsleiterin des Fränkischen Brauereimuseums Bamberg, das dieser Tage seinen 40. Geburtstag gefeiert hat. Oft seien die Brauhäuser vor mehreren Hundert Jahren gebaut worden und nur sehr schwer auf den heutigen technischen Standard zu bringen.

Immer mehr neue Sorten

Anfänglich hatte man überlegt, auch Brauereien, die es vor 1950 gab, aufzunehmen, doch das hätte den Rahmen gesprengt. "Dass es im 19. Jahrhundert noch wesentlich mehr Braustätten gab, liegt daran, dass damals auch noch viele Privathaushalte gebraut haben", erklärt Schipkowski. Diese hätten vor allem für den Eigenbedarf im kleinen Stil gebraut und seien mit dem heutigen industriellen Brauen nicht zu vergleichen.

Gleichzeitig zum Brauereisterben beobachtet die Expertin aber auch eine neue Blütezeit der Sortenvielfalt und eine Rückkehr zum Privatbrauen. "In den letzten Jahren kam mit dem Craft-Beer-Trend auch wieder eine Experimentierfreude ins Brauwesen", sagt sie. Dadurch würden zwar keine neuen Sorten entstehen, alte aber wiederentdeckt werden. Und auch die großen Brauhäuser haben auf den Trend reagiert und ihr Sortiment in den letzten Jahren um einige Varianten erweitert.

Für die Zukunft des Brauwesens prognostiziert Nina Schipkowski vor allem für die kleinen Brauereien schwere Zeiten. "Viele Brauereien distribuieren ihr Bier nur über ihr eigenes Gasthaus und wenn da dann das Personal fehlt und die Gaststätte schließen muss, kann das Bier auch nicht mehr vertrieben werden", sagt sie. Vor allem auf dem Land sei der Personalmangel inzwischen ein großes Problem. "Nur wenige Menschen sind noch bereit, bis spät in die Nacht und am Wochenende und an Feiertagen im Wirtshaus zu arbeiten", erklärt Schipkowski. Wer nun die Marke seiner Wahl schützen möchte, sollte sie weiterempfehlen und natürlich selbst fördern, rät die Expertin. "Nur wenn die Bierliebhaber öfter ins Wirtshaus des Lieblingsbiers gehen, bleibt die Bierkultur weiterhin so vielfältig", sagt sie. Nur so könne eine kleine Brauerei noch genug Gewinn machen, um den Betrieb auch zukünftig aufrechtzuerhalten.

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