Staffelbach
Landwirtschaft

Schweinezucht - schon lange kein Saustall mehr

Roland Reh ist Schweinezüchter in Staffelbach und stellt seinen Betrieb vor. Er klärt auf, wie sich die Schweinezucht verändert hat.
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Zum Knutschen: In der Schweinezucht von Roland Reh befinden sich zur Zeit etwa 800 Ferkel.  Foto: Matthias Hoch
Zum Knutschen: In der Schweinezucht von Roland Reh befinden sich zur Zeit etwa 800 Ferkel. Foto: Matthias Hoch
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Stolz hält Roland Reh ein Ferkel in der Hand. Es ist erst wenige Tage alt und seine kommenden Wochen sind schon vor der Geburt bestimmt, denn Roland Reh züchtet Schweine und arbeitet nach einem getakteten Zeitplan.

Nach der Geburt kommen die kleinen Schweine in einen Abferkelstall, in dem die Mutter sie säugt. Nach vier Wochen werden sie von der Mutter getrennt und im Ferkelaufzuchtstall weiter großgezogen. Dort verbringen sie sechs bis sieben Wochen und werden angefüttert.

Die Mutterschweine kommen währenddessen wieder in den Deckstall und werden erneut gedeckt. Roland Reh beschreibt den Vorgang der künstlichen Besamung als "Frühling" für die Tiere: "Der Eber läuft in einem warmen Licht durch den Gang im Stall, um die Sau zu stimulieren." Die Schwangerschaft dauert dann etwa 115 Tage, oder - wie Roland Reh es gerne veranschaulicht: "Drei Monate, drei Wochen und drei Tage."

Nach dem Aufenthalt im Ferkelaufzuchtstall teilt Roland Reh seine Schweine auf: "Entweder sie kommen in unseren Maststall oder zur Ferkelerzeugergemeinschaft." Ein Drittel seiner Schweine mästet Roland Reh selbst und bringt sie nach drei bis vier Monaten zum Metzger in der Region. Der Preis für ein Mastschwein passt sich dem Preis für die Ferkel an.

Auf seinem Hof in Staffelbach hält der Schweinezüchter derzeit etwa 800 Ferkel, 130 Zuchtsäue und fast 400 Mastschweine. Vor etwa 50 Jahren hatten seine Großeltern damit angefangen, Schweine zu züchten. Heute betreibt er die Zucht mit seinem Vater, alle drei Wochen kommen in Staffelbach fast 200 neue Ferkel zur Welt. Pro Jahr sind das dann 3000 kleine Schweine, die auf Rehs Hof geboren werden.

Rückgang der Schweinezüchter

Daniel Spaderna vom Bayerischen Bauernverband zeigt auf, wie sich die Anzahl der Zuchtsauenhalter im gesamten Landkreis in den letzten Jahren verkleinert hat. Im Jahr 2000 gab es noch 248 Zuchtsauenhalter mit 4087 Zuchtsauen, 2011 waren es nur noch 104 Halter mit 2815 Tieren und im vergangenen Jahr ging die Zahl noch einmal zurück.

"Dieser Rückgang liegt an der geänderten Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung", erklärt Daniel Spaderna. Diese beinhalte Vorgaben zur Schweinehaltung, wie die Pflicht zur Gruppenhaltung, die Erweiterung des Platzbedarfs für Schweine und die Bodenbeschaffenheit. Der Sauenbestand in ganz Bayern ist seit Jahren stark rückläufig.

Im Vergleich zu 2012 haben im vergangenen Jahr in Deutschland 22 Prozent der Betriebe mit bis zu 100 Sauen ihre Arbeit eingestellt, da die Umstellung auf die Gruppenhaltung für viele kleine Betriebe zu teuer war. Große Höfe mit mindestens 50 Zuchtsauen gibt es dagegen immer mehr.

Verbesserungen für Schweine

Diesen Strukturwandel bemängelt Roland Reh. Die Zucht der Schweine habe sich in den Jahren gewandelt, merkt er an. Dabei habe sich viel zum Positiven, aber auch zum Negativen gewandelt: "Früher hat es weniger Vorschriften gegeben.

Heutzutage kommen immer wieder neue Regeln hinzu. Man muss Dokumente ausfüllen und viel Büroarbeit machen." Der Schweinezüchter müsse auf viel mehr achten, beispielsweise auf das Spielzeug, das er seit einiger Zeit für die Ferkel anbringen müsse.

Doch einiges hat sich auch positiv entwickelt: "Früher wurden die Schweine meist unterhalb der Hühner gehalten, es gab wenig Licht. Sie hatten dort einen schlechten Platz, die Ställe waren mit Stroh und Sägespänen bedeckt und es gab viele Würmer. "Dadurch entstand die Bezeichnung Saustall", merkt Roland Reh lachend an.

Heute befinden sich die Ferkel und die Muttersau im Abferkelstall auf einem Kunststoffboden, der im Winter eine Fußbodenheizung hat und im Sommer gekühlt werden kann, sodass die Ferkel sich in einer konstanten Raumtemperatur aufhalten. Und noch etwas hat sich verändert: "Früher wurden die Schweine mit der Hand gefüttert, heute verläuft die Fütterung automatisch."

Antibiotikum nur bei Krankheiten

Das Getreide-Futter für seine Tiere erzeugt Roland Reh selbst, hinzugesetzt werden Mineralien, Soja und Zucker. Dabei legt er Wert auf die Gesundheit der Tiere: "Bei uns bekommen die Schweine kein Antibiotikum, nur wenn sie krank sind. Wir impfen sie regelmäßig, unter anderem gegen Lungenkrankheiten und Durchfall."

Das Gewicht eines Schweins unterscheidet sich sehr in den verschiedenen Abschnitten der Züchtung: Ein Ferkel wiegt etwa acht Kilo, sobald es in den Ferkelaufzuchtstall kommt, beim Verkauf etwa 30 Kilo und nach der Mast, wenn es geschlachtet wird, bis zu 120 Kilo. Eine Muttersau wiegt sogar 250 bis 300 Kilogramm. Sie wird nach etwa zehn Würfen geschlachtet.


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