Bamberg
Ernährung

Schulessen im Test: Gangolfschule in Bamberg

Was bekommen Bambergs Schüler mittags in der Schulmensa auf den Tisch? Ernährungswissenschaftlerin Susanne Dobelke schaut mit klar.text auf die Teller der Schüler. Heute im Test: Das Mittagessen an der Gangolfschule. Lieferant ist der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF).
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Foto: Michael Gründel, Grafik: Tanja Friedrich
Foto: Michael Gründel, Grafik: Tanja Friedrich
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Hühnchenfilet in Currysoße, dazu bunte Nudeln und Salat. Als Nachspeise: Ananas-Kokos-Quark. Das stand auf dem Speiseplan der Gangolfschüler. Klingt erst einmal ziemlich lecker. Schmeckte auch so. Zumindest wenn man keine Gourmetansprüche hat. Und die sollte man bei einem Preis von 2,50 Euro pro Mahlzeit auch nicht stellen.

Aber ist lecker gleichzeitig ausgewogen und gesund? Entsprach das, was die 86 Schüler vorgesetzt bekamen, den empfohlenen Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung? "Im Großen und Ganzen kann man mit dem Essen zufrieden sein", sagt Susanne Dobelke, Ernährungswissenschaftlerin und Leiterin der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Oberfranken. Das Verhältnis von Fleisch zu Beilage und Salat war in Ordnung.



Auch religiöse Kriterien beachtet

Für die Schüler stand Wasser zum Trinken bereit. Lobenswert: Die Skf-Küche setzte auf mageres Hähnchenfleisch. "Damit wird auch das Kriterium erfüllt, religiöse Belange zu beachten. Weil zum Beispiel Muslime kein Schweinefleisch essen dürfen", so Dobelke. Die Nudeln waren nicht verkocht, und dem Karotten-Sellerie-Salat kann man sogar Saisonalität unterstellen. Alle Zusatzstoffe waren vorschriftsmäßig deklariert. "Das ist vielleicht für die Schüler weniger interessant, zeugt aber doch davon, dass da jemand genau weiß, was er macht."

Weniger gut: Die recht gehaltvolle Soße (die einige Kinder als zu scharf empfanden) und das ebenfalls recht schwer anmutende Salatdressing. Schön wäre es auch gewesen, wenn Vollkornnudeln auf dem Teller zu finden gewesen wären. "Denn die bunten Nudeln haben die Mahlzeit nicht unbedingt bunter - im Sinne einer gesunden Ernährung - gemacht." Allerdings würden Kinder gerade die bunten Nudeln gerne essen. "Vollkornprodukte bleiben da schon mal eher liegen", weiß die Expertin.


Essen steht lange herum

Größtes Manko des Testmenüs aber: die relativ lange Standzeit. Angeliefert wird das Essen in der Gangolfschule in großen Thermobehältern um 11.10 Uhr. Die letzte Ausgabe erfolgt um 13.10 Uhr. "Aber immerhin gibt es in der Schulkantine ein Lebensmittelthermometer." Und das zeigte die vorgeschriebenen 65 Grad an. Zumindest die Schüler, die in der ersten von den vier Schichten essen können, bekommen also halbwegs warmes Essen. "Die langen Standzeiten in der Kantine sind ein Problem der Organisation", benennt Dobelke das Dilemma vieler Schulen. Verteilerküchen müssen demnach auch noch bei der Auswahl der Speisen den Schichtbetrieb berücksichtigen. "Ein Blattsalat etwa übersteht zwei Stunden gar nicht."

Maximal sollten Menüs von der fertigen Zubereitung bis zur Ausgabe nämlich nicht länger als drei Stunden stehen. "Je kürzer die Zeit ist, desto besser", so Dobelke. Lange Standzeiten würden laut Expertin nicht nur geschmackliche Veränderungen der Speisen bedeuten, auch qualitativ würde das Essen leiden. "Die Gangolfschule hat aber hier zumindest den Vorteil, dass ihre Verteilerküche sehr nahe liegt", so Dobelke. Insofern lässt sich diese Vorgabe einhalten. "Wenn auch gerade so", sagt Dobelke. Laut SkF wird das Essen auf direktem Weg zur Schule gefahren. Ohne Umwege.


Den Kinder hat's geschmeckt
Insgesamt also: Daumen hoch für die Mittagsverpflegung an der Gangolfschule. Den meisten Kindern hat es, wie eine Blitzumfrage ergab, auch noch gut geschmeckt. Und satt waren auch alle.


Die Kriterien:

Isst mein Kind in der Schule gesund? Viele Eltern stellen sich die Frage. In unserem Test untersucht Susanne Doblke, Leiterin der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Oberfranken am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bayreuth, Qualitätskriterien, die auch die "Checkliste Schulverpflegung" der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aufführt.

Hauptaugenmerk liegt dabei auf Menübestandteile, die die DGE als tägliche Anforderungen an das Schulessen stellt: Gibt es ausreichend Gemüse, ersatzweise Salat? Welche Beilagen werden angeboten? Stimmt das Verhältnis von Fleisch und Beilage? Bekommen die Schüler Wasser bzw. ungesüßten Tee zum Menü? Wir beurteilen Frische bzw. Standzeiten der Mahlzeiten und deren Fettgehalt.

Für Vollkornprodukte - ein Kriterium, dessen Erfüllung nicht täglich von der DGE gefordert wird - gibt es einen Bonus-stern. Ebenso für Saisonalität, Deklaration der Zusatzstoffe, Beachtung religlöser Belange oder ein alternatives Menüangebot.

Susanne Dobelke beantwortet auch gerne Eltern-Fragen: Telefon: 0921/591341
Email: Schulverpflegung@aelf-bayern.de


Pro Bewertungskriterium sind fünf Sterne zu erreichen. (Bonusstern maximal einer)

1. Ausgewogenheit der Mahlzeit *****

2. Fettgehalt ***

3. Frische ***

4. Bonusstern


Saisonalität *

Beachtung der religiösen Belange *

Ordnungsgemäße Deklaration der Zusatzstoffe *

Vollkorn *

Alternativangebot *

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