Bamberg
Kurzfilmtage

Schokoreiter für die besten Kurzfilme

Bei den 23. Bamberger Kurzfilmtagen gewann Philip Käßbohrers "Armadingen" gleich zwei Preise - den der Jury sowie den Publikumspreis.
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Foto: Eva Hagen / Lebensart genießen.
Foto: Eva Hagen / Lebensart genießen.
Das ist ja gerade noch einmal gut gegangen! Der Weltuntergang, eben noch zum Greifen nah, weicht dem Happy End. Auf der Leinwand ist die Apokalypse schon zigmal über uns hereingebrochen. Atomkrieg, Angriff aus dem All, Klimakatastrophen - alles schon gesehen. Durch Hollywood sind die Bilderspektakel in alle Kinosäle geschwappt. In "Armageddon" gibt der Astronaut Harry Stamper, gespielt von Bruce Willis, sein Leben auf, um das Überleben der Menschheit zu retten. Der Kurzfilm "Armadingen" von 2011 greift die Schlüsselszenen des Blockbusters auf. Ein Bauer, der mit seiner Frau in "Armadingen" mühsam und zäh sein Dasein fristet, erfährt aus dem Radio, dass sich ein Komet offenbar unaufhaltsam der Erde nähert.

ARMADINGEN Teaser from bildundtonfabrik on Vimeo.



Da erkennt der Bauer, wie hartherzig er gegenüber seiner Lebensgefährtin war. Ihr selbst aber verrät nichts von dem drohenden Einschlag. Rührend unbeholfen interessiert er sich statt dessen für ihre Blumen, arrangiert ein Abendessen im Kerzenlicht, da der Strom bereits ausgefallen ist, und lädt sie für den nächsten Tag zum Wandern ein, obwohl genau da der Untergang beginnen soll. Aber: Der Einschlag wurde in letzter Sekunde vom US-Astronauten abgewendet, wie der Rundfunk meldet, und mit der Einladung zum Wandern wird's ernst.

Großes Thema in kleiner Form
Sicher nicht nur der schönen Pointe wegen erhielt Philip Käßbohrers "Armadingen" bei den Bamberger Kurzfilmtagen an diesem Wochenende gleich zwei begehrte Preise: Das Publikum hob ihn als seine Nummer eins auf das Podest. Und zudem prämierte die Jury den Beitrag als besten Kurzfilm. Sie lobte den "ungeschönten, direkten Blick, aus dem heraus Humor entsteht." Dramaturgisch elegant vermittelt der 23 Minuten kurze Film ein großes Thema in kleiner Form und spielt dabei noch ganz beiläufig mit Zitaten aus dem Hollywood-Repertoire. Von der standardisierten Moral der Traumfabrik ist er dabei ungefähr so weit entfernt wie Bamberg von Kalifornien.

Überhaupt erzählten sämtliche Filme, die in der Best-Of-Rolle präsentiert wurden, auf ihre Art ungewöhnliche, merkwürdige, interessante Geschichten. Da war der von der Kinderjury ausgezeichnete "Gekidnapped" (Regie: Sarah Winkenstette"), der wie jeder gute Kinderfilm auch Erwachsenen gefiel. Da gab es den Gewinner des Jugendfilm-Preises "Qe skem a´malla harza - Ich bin manchmal einsam" (Regie: Tobias Brehm), der die Begegnung zweier Außenseiter, der eine "Blattfall-Forscher", der andere ein sonderbarer Wald-Kauz, nachzeichnet.

Im Luitpold-Saal wurde es eng
Berührendes, das im Dokumentarfilm geschilderte Innenleben der Autistin "Veronika" (Regie: Mark Michel), war dabei, Beklemmendes, wie im Animationsfilm "Kellerkind" zu sehen, dann aber auch das pure Spiel im Animationsfilm "Little plastic figure" (Regie: Samo-Sama). Für Lokalkolorit sorgte "Regionalfilm" mit dem witzigen Sieger "Kaiserschmarrn" (Regie: Philipp Mößner).

Besonders erfreulich darf das durchweg hohe bis höchste Niveau der Best-Of-Rolle in Erinnerung bleiben. Der neue Spielort im großzügigen Luitpold-Saal ist in Details, etwa bei der Akustik und der Platzenge, noch verbesserungsfähig. Gleichwohl sind die Veranstalter damit in eine neue, vielversprechende Dimension des Kinoerlebnisses vorgestoßen. Aus Bildern wurden Impressionen.

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