Laden...
Bamberg
Vandalismus

Schmierereien in Bamberg: Überall dieselbe "Handschrift"

Die Ruhe war trügerisch. Fast ein Jahr nach den letzten Farbanschlägen auf die Gedenktafeln an der Oberen und Unteren Brücke scheint der Spuk von Neuem zu beginnen. Mehr noch: Der Aktionsradius der Täter ist größer denn je. Der oder die Unbekannten richteten für rund 7000 Euro Schaden an.
Artikel drucken Artikel einbetten
Fast bis zu Unleserlichkeit beschmiert: Das Mahnmal für Hitler-Attentäter Stauffenberg im Torbogen des Alten Rathauses. Fotos: Ronald Rinklef
Fast bis zu Unleserlichkeit beschmiert: Das Mahnmal für Hitler-Attentäter Stauffenberg im Torbogen des Alten Rathauses. Fotos: Ronald Rinklef
+3 Bilder
Mit derselben schwarzen Farbe hinterließen die Täter an vier weiteren Stellen im Stadtgebiet ihre hässlichen Visitenkarten: an der Fassade der Polizeistation Schranne sowie - wie erst jetzt bekannt wurde - an der Nonnenbrücke, am Theater und auf einem Zigarettenautomaten am Zinkenwörth.

Die Farbe, die Wegstrecke und die "Handschrift" spricht aus Sicht der Kriminalpolizei dafür, dass es sich in allen Fällen um dieselben Täter handeln muss. Die Ermittler gehen deshalb auch davon aus, dass sämtliche Schmierereien in der Nacht zum 25. Dezember angebracht wurden, so Sonja Schneider von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken. Mit einer inhaltlichen Bewertung hält sich die Polizei zurück. Man wolle die Täter durch ihre Zuordnung innerhalb des politischen Spektrums nicht zu weiteren Aktionen animieren oder herausfordern, heißt es.


Linksextremer Hintergrund?

Vorsichtig, aber etwas präziser äußert sich Steffen Schützwohl von der städtischen Pressestelle: Die Schlagwörter und Symbole, die an einigen Stellen an Hammer und Sichel erinnern, könnten auf einen linksextremen Hin
tergrund hindeuten.

Auf die Gedenktafel für Hitler-Attentäter Stauffenberg im Durchgang des Brückenrathauses schrieben die Unbekannten unter anderem das Wort "Nazi". Neben der Unteren Brücke, wo die umstrittene Gedenktafel für Gefallene der beiden Weltkriege schon wiederholt zur Angriffsfläche für Schmierfinken wurde, prangt auf der Sandsteinmauer die Parole "No tears for Krauts" - sinngemäß übersetzt heißt das "keine Tränen für Deutsche".

Auf die Mauer, die von der Nonnenbrücke hinunter zum Treidelpfad am Alten Kanal führt, schrieben die Täter in Großbuchstaben "Staat. Nation. Kapital. Scheiße". Selbst die Gedenktafel, die am Theater an die Verabschiedung der Bayerischen Verfassung anno 1919 in Bamberg erinnert, blieb nicht verschont.

Mit Leiter "gearbeitet"?

Schützwohl wüsste nicht, dass sie jemals beschmiert worden wäre. Im Unterschied zu den anderen Zielen ist sie außer Reichweite angebracht, hängt zweieinhalb bis drei Meter hoch. Was bedeutet, dass der Täter einen gewissen Aufwand getrieben und eine Leiter oder etwas vergleichbares benutzt haben muss. Oder er war nicht allein und stand auf den Schultern eines zweiten Mannes.

"So eine halb akrobatische Einlage kostet jedenfalls Zeit", konstatiert die Polizeisprecherin und knüpft daran die Hoffnung, dass das Tun am Schillerplatz jemandem aufgefallen sein könnte. Oder, dass dort in der Weihnachtszeit eine Person gesehen wurde, die in den Abendstunden mit einer ungewöhnlichen Last wie einer Leiter oder einem Stuhl unterwegs war.

Nach den Farbanschlägen vom Heiligen Abend hatte die Stadt die Gedenktafeln am Alten Rathaus verhängen lassen. Die Täter hinderte das nicht, ein zweites Mal aktiv zu werden, wie Schützwohl berichtet: Sie sollen zwischen dem 27. und 30. Dezember die Folien entfernt und dann auch das Mauerwerk neben den Tafeln an der Oberen und Unteren Brücke verunstaltet haben.

Der gläserne Schutz fehlt noch

Seit Januar 2013 schien sich der "Wettlauf" zwischen der Stadt als Eigentümerin der Gedenktafeln und dem unbekannten Farb-Attentäter beruhigt zu haben. Hatte es vorher immer wieder in oft kurzen Abständen Schmierereien und als Reaktion Reinigungsaktionen aus Steuergeld gegeben, herrschte fast ein Jahr lang Ruhe.

Der Stadtrat erneuerte im Herbst seine Entscheidung, die Tafeln trotz immer wieder kehrender Kritik nicht aus dem Stadtbild zu entfernen, fasste aber zugleich den Beschluss, sie durch Sicherheitsglas schützen zu lassen.

Nun kamen die Vandalen der Verwaltung zuvor. Die Ausschreibung der Schutzvorrichtungen läuft laut Schützwohl noch bis Ende dieser Woche. Die Firma, die den Auftrag erhält, werde die Originale abnehmen, den Stein reinigen, die Inschriften restaurieren und mit vorgeblendetem Glas wieder montieren. In der Zwischenzeit sollen auch die Wände gestrichen werden, die diesmal besonders arg in Mitleidenschaft gezogen sind.

Die Kriminalpolizei appelliert unterdessen an die Bürger, Beobachtungen zu melden, die in einem Zusammenhang mit den jüngsten Schmierereien stehen könnten. Sie taxiert den Gesamtschaden an den bislang bekannten Tatorten auf ungefähr 7000 Euro.

Die Polizei bittet auch um Hinweise auf mögliche weitere Sachbeschädigungen in schwarzer Farbe. Zeugen mögen sich unter der Telefonnummer 0951/9129491 melden.

Kommentare (3)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren