Burgwindheim
Denkmaltour (2)

Schloss Burgwindheim sollte für vieles offen sein

Das Burgwindheimer Wahrzeichen gehört der Katholischen Kirchenstiftung und bereitet dieser wegen der enormen Kosten erheblich Sorgen. Auch davon erfuhr Generalkonservator Mathias Pfeil auf seiner Tour durch den Landkreis.
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Damit der neue Generalkonservator Mathias Pfeil ein Gespür für die denkmalschützerischen Besonderheiten der Region bekommt, hatte ihn MdL Heinrich Rudrof zu diesem besonderen "Rundgang" eingeladen. Stationen waren neben - der ersten in dieser Serie vorgestellten - Burg Lisberg das Schloss Burgwindheim, das neu sanierte Schloss Sassanfahrt, die marode Stadtmauer in Scheßlitz, das älteste Fachwerkhaus des Landkreises in Baunach sowie die instandgesetzte historische Kelleranlage in Unterhaid.

Die Katholische Kirchenstiftung Burgwindheim vermag die mit dem Unterhalt und Erhalt des Schlosses verbundenen Kosten unmöglich alleine zu schultern. Das erklärten Pfeil Kirchenpfleger Oliver Dorn und Hannelore Schmitt beim Rundgang im Burgwindheimer Wahrzeichen.
Seitens der Marktgemeinde machte deren Erster Bürgermeister Heinrich Thaler deutlich, dass man finanziell durchaus im Boot sei, die Kommune ihrerseits das Denkmal aber unmöglich selbst übernehmen könne. Wichtig sei jedoch, dass es nicht "in falsche Hände" gerate. Das sei beinahe passiert, denn die Katholische Kirchenstiftung trage sich durchaus mit dem Gedanken, die einstige Sommerresidenz der Ebracher Äbte eventuell zu veräußern. Schloss-Kennerin Hannelore Schmitt nannte hier einen der Gründe: Jährliche Heizölkosten von bis zu 20.000 Euro.


In öffentlicher Hand

Tourleiter Rudrof brachte in Erwähnung, dass dieser Bau, dessen Entwurf übrigens Balthasar Neumann zugeschrieben wird, sich bereits einmal im Eigentum des Staates befunden hatte. Er votiert dafür, dass dieses Denkmal in öffentlicher Hand bleiben sollte. Er formulierte die Vision einer "Einrichtung mit überregionaler Bedeutung". Wobei der Bürgermeister ergänzend die aktuellen Entwicklungen mit Nachhaltigkeitszentrum Handthal und den Baumwipfelpfad bei Ebrach ansprach, die durch eine weitere Einrichtung in Burgwindheim gut flankiert werden könnten.

Der Generalkonservator sah sich das Schloss mit großem Interesse und ebensolchem Fachwissen an, schließlich hatte er vor seiner jetzigen Tätigkeit seit 2006 die Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung geleitet. Selbstverständlich ließ er sich den Saal - "die gute Stube des Wallfahrtsortes", so der Hinweis der Burgwindheimer. "Ein toller Raum," so der spontane Kommentar des Generalkonservators - ebenso zeigen wie Treppenhaus, Wallfahrtsmuseum, Dachgeschoss und Küche. Pfeil hakte insbesondere bei den Nutzungen des Denkmals nach. Während der oberste Denkmalschützer bei den Rissen im Saal nach seinem ersten Eindruck einigermaßen Entwarnung zu geben suchte, horchte er ganz besonders bei Details aus dem Untergrund auf: "Das Schloss gründet auf einem Eichenwald", so Bürgermeister Thaler. Wobei sein Amtsvorgänger Erhard Werner an Diskussionen in der Fachwelt erinnerte, ob die Eichenpfähle möglicherweise wieder geflutet werden sollen oder nicht. Es sei abgeraten worden. Speziell für diesen Aspekt interessierte sich Annette Faber, Referatsleiterin Praktische Denkmalpflege Bau- und Kunstdenkmäler (Oberfranken/Unterfranken).

Doch diese Frage musste bei dem Blitzbesuch logischerweise unbeantwortet bleiben. Dafür empfahl der hohe Gast aus der Landeshauptstadt, sich Gedanken über ein Raumkonzept zu machen. Dann könne die Kirchenstiftung entsprechend in Verhandlungen gehen, wenn sie wisse, wie viel Raum sie benötigt.


Befremdliche Farbenfreude

Mit dem schönen Ensemble behutsam umzugehen, womit er das nähere Umfeld ansprach, empfahl Pfeils Stellvertreter Bernd Vollmar. Die Farbenfreude, die hier herrsche, sei für einen Denkmalexperten allerdings befremdend. Wobei er jedoch nicht nur Burgwindheim meinte.

Heinrich Rudrof jedenfalls legte dem einzigen Ort, in dem ein Kindergarten im Schloss untergebracht war (bis vor 20 Jahren) ans Herz, "für viele Wege offen" zu sein. Mit dem Hinweis, dass er gerne hierher gekommen sei und jederzeit wiederkomme, verabschiedete sich Mathias Pfeil zu den nächsten Stationen der Denkmaltour.
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