Hallstadt
Mobilität

Schlimmster Kreisel Deutschlands: Radfahrer kritisieren Hallstadt

Bei einem bundesweiten Negativpreis für miserable Radwege kommt der Hallstadter Kreisverkehr am Hafen auf Platz 3. Die Jury kritisiert die "gefährliche Wegführung". Stadt und Landratsamt sehen dennoch keinen Änderungsbedarf.
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Oliver und Petra Grell aus Unterfranken haben den Kreisverkehr unbeschadet durchfahren - ein sicheres Gefühl hatten sie dabei aber nicht.  Fotos: Sebastian Schanz
Oliver und Petra Grell aus Unterfranken haben den Kreisverkehr unbeschadet durchfahren - ein sicheres Gefühl hatten sie dabei aber nicht. Fotos: Sebastian Schanz
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Den sogenannten "Pannenflicken" verleiht die Radfahrinitiative Cycleride jedes Jahr an Städte, Gemeinden und Landkreise, die "allzu offensichtlich nicht an den Radverkehr denken und fahrlässig die Gesundheit von Radfahrern gefährden". Die ungeliebte Bronzemedaille ging heuer nach Hallstadt - für den Kreisverkehr an der Emil-Kemmer-Straße.

"Mit Kindern brauchst du da nicht drüber fahren", sagt Oliver Grell, der mit seiner Frau Petra gerade heil die ausgeschilderte Radroute in Richtung Innenstadt hinter sich gebracht hat - doch sicher gefühlt habe er sich nicht. Zu schmal, zu verwinkelt, zu leicht zu übersehen ist der rot markierte Radweg. "Ich hab' kurz überlegt, die Autospur zu verwenden", sagt Grell.

"Mit reichlichem Aufwand hat man einen riesigen Kreisverkehr neu gestaltet und dabei offensichtlich den Radverkehr vergessen", kritisiert die Jury des bundesweiten Negativpreises, bestehend aus Vertretern großer Radfahrverbände.

Konkret wird bemängelt, dass bei den Zufahrten des Kreisverkehrs zunächst keinerlei Radwege vorhanden sind - erst kurz vor dem Kreisverkehr sind Radspuren ausgewiesen. "Sie führen in viel zu geringen Breiten von teils nicht einmal 90 Zentimetern, mit engen Verschwenkungen, über Verkehrsinseln, über die maximal ein Normal-Fahrrad ohne Anhänger passt und führen dahinter wieder auf abenteuerliche Weise zurück", erklären die Juroren.

Doch wie könnte es aus ihrer Sicht besser gemacht werden? "Bei einer sicheren Radverkehrsführung wird der Radler auf der allgemeinen Fahrbahn durch den Kreisel geführt, alternativ über großzügige Radwege mit erheblich größeren Breiten und vorrangige Radwegsfurten außen herum", erklärt die Initiative. Dabei würden die Furten am besten als erhöhte Schwellen realisiert, um den Autoverkehr zu verlangsamen. "Dies böte Klarheit und Sicherheit. In Hallstadt hat man etwas Eigenes erfunden, was unnötig gefährdet und verunsichert."

Bernd Sluka, zugleich bayerischer Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), urteilt deutlich: "Hier werden die Sicherheitsbelange der Radfahrer aufs Gröbste verletzt." Gar von "Inkompetenz" und "Versagen" spricht Klaus Wörle vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC).

Kritik prallt ab

Die Stadt Hallstadt weist die Kritik zurück: "Es gibt keine Pläne etwas zu ändern, da der Kreisverkehr den Normen entspricht." Die Verwaltung verweist dabei auf ein Urteil aus dem Jahr 2015 des Verwaltungsgerichts Bayreuth, das der Stadt schon damals Recht gab.

"Bei der Gestaltung des Kreisverkehrs stand die Sicherstellung der Verkehrssicherheit im Vordergrund", erklärt Janina Selig, Pressesprecherin der Stadt, die auf einige Maßnahmen hinweist, um den Radverkehr in Hallstadt zu verbessern: einen Fahrradweg nach Bamberg über die Bahnbrücke und einen auf dem neuen Hochwasserdamm als Lückenschluss zwischen Bischberg und Kemmern.

Auch im Landratsamt prallt die Kreisel-Kritik der Radverbände ab. Die Kontrollbehörde befasste sich nach Beschwerden 2011 mit dem Fall. "Bemängelt wurden damals die Breite des Radweges sowie die Tatsache, dass der Radverkehr auf einem umlaufenden Radweg geführt wurde. Die Prüfung hat bereits damals ergeben, dass dies nicht zu beanstanden ist", berichtet Pressesprecher Frank Förtsch.

Konkret erklärt er dazu: Die Breite von 90 Zentimetern sei "zwar nicht optimal, erreicht aber mit dem seitlichen Sicherheitsraum die 1,50 Meter". Der Kreisverkehr sei aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens mit täglich bis zu 30 000 Fahrzeugen als zweistreifig befahrbarer Kreisverkehr geplant worden. Dafür sei eine umgehende Radwegführung empfohlen, weil ein Spurwechsel im zweistreifigen Kreisverkehr für einen Radfahrer ein höheres Gefährdungspotenzial bilde, heißt es aus dem Amt.

Vor Ort ließe sich darüber streiten: Innen gibt es keine Trennlinie in zwei Streifen, nur bei den Auffahrten. Doch darauf kommt es laut Gericht nicht an.

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