Bamberg
Einschränkung

Schlaganfall: Plötzlich kann er nicht mehr sprechen

Ein Schlaganfall verändert das Leben der Betroffenen von Grund auf. Neben den körperlichen Einschränkungen kommt bei einigen noch die Aphasie hinzu. Das bedeutet, dass die Betroffenen nicht mehr sprechen können.
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Doris Schäfer vom Aphasiker-Zentrum Oberfranken unterstützt Wolfgang Haas bei seiner Tätigkeit als Leiter der Bamberger Selbsthilfegruppe.  Foto: Annika Munk
Doris Schäfer vom Aphasiker-Zentrum Oberfranken unterstützt Wolfgang Haas bei seiner Tätigkeit als Leiter der Bamberger Selbsthilfegruppe. Foto: Annika Munk
Was wie ein ganz normaler Arbeitstag für Wolfgang Haas im April 2002 begann, sollte am Ende der Tag werden, an dem sich sein ganzes Leben von Grund auf änderte.

Bis auf ein paar leichte Kopfschmerzen beim Aufstehen war alles wie immer. Der Doktor der Chemie ging morgens zur Arbeit und machte seine Versuche. Doch plötzlich verstand er die Abläufe der Reaktionen, die er täglich erledigte, nicht mehr. Seine linke Körperhälfte fühlte sich schwach an und gab plötzlich nach. Er sank auf den Boden. Seine Versuche, aufzustehen, scheiterten. Als er nach Hilfe rufen wollte, merkte er, dass noch etwas nicht stimmte. Er wusste zwar, was er sagen wollte, konnte sich aber nicht mehr äußern.

Was Wolfgang Haas zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste - er hatte einen Schlaganfall in der rechten Gehirnhälfte erlitten und sein Sprachzentrum war innerhalb von fünf Minuten zerstört worden.

Nach circa zehn Minuten wurde der Chemiker von seinen Kollegen gefunden. Aber so genau weiß er auch nicht, wie lang es dauerte. Er kam sofort ins Krankenhaus. Erste Untersuchungen ergaben, dass er einen Schlaganfall erlitten hatte. Auslöser war vermutlich eine Ader im Hals, die fast vollständig verschlossen war.

Sofort wurde eine Lysetherapie gemacht. Mit deren Hilfe soll der Blutpfropfen, der meist Auslöser für einen Schlaganfall ist, aufgelöst werden. Das ist aber nur in einem knappen Zeitfenster nach dem Anfall möglich. Bei dem damals 39-Jährigen war das Zeitfenster bereits überschritten.

Bei weiteren Untersuchungen stellten die Ärzte fest, dass der Schlaganfall bei Wolfgang Haas zu Aphasie geführt hatte. Die Sprachstörung tritt bei circa 20 Prozent der Schlaganfallpatienten auf, kann aber auch durch Hirnbluten oder Entzündungen ausgelöst werden. Die Betroffenen können nicht mehr lesen, schreiben und sprechen. Mit Hilfe einer oftmals langjährigen Therapie müssen die Patienten dies wieder lernen.

Langwierige Klinikaufenthalte
Nach der Diagnose kam Wolfgang Haas auf die Intensivstation und wurde in den nächsten fünf Monaten in verschiedenen Kliniken behandelt. Da er nicht mehr selbst laufen konnte, war er einige Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen.

Im Herbst 2002 kam er in die Reha nach Bayreuth, wo er Schritt für Schritt das Laufen wieder lernte. "Zu Beginn macht man schnell viele Fortschritte, aber mit der Zeit sind immer langsamer Erfolge festzustellen", erklärt Wolfgang Haas. Grund dafür ist, dass bei einem Schlaganfall verschiedene Gehirnareale beschädigt werden. Manche regenerieren sich durch Therapie wieder relativ schnell. Andere Bereiche erfordern jahrelange Therapien, um die verloren gegangen Fähigkeiten wieder zu erlernen.

Nach zehn Monaten Klinik- und Reha-Aufenthalt ging es für Wolfgang Haas nach Hause. Mit Hilfe von Ergotherapie, Krankengymnastik und Logopädie konnte Wolfgang Haas immer mehr positive Ergebnisse verzeichnen. "Es ist ein jahrelanger Prozess. Da muss man geduldig sein. Aber die positive Entwicklung hilft dabei, immer weiter zu machen", weiß Wolfgang Haas. So machte er knapp zwei Jahre nach seinem Schlaganfall wieder den Führerschein. Auch das Sprechen fiel ihm immer leichter. Besonders geholfen hat ihm dabei die Selbsthilfegruppe der Aphasiker in Bamberg. "Von Außenstehenden wurde man immer angeschaut als wäre man nicht ganz richtig im Kopf", erzählt der 51-Jährige. "In der Gruppe ist die Scham zu sprechen erst einmal außen vor, da man unter Gleichgesinnten ist." Nachdem er ein Jahr als Kassenwart tätig war, wurde er 2007 zum Leiter der Gruppe.
Auch heute geht Wolfgang Haas immer noch zur Logopädie und macht immer noch Fortschritte. Neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Leiter der Selbsthilfegruppe geht er gerne Rad fahren, spazieren und spielt Schach. "Schach spielen konnte ich sofort nach den Schlaganfall wieder - genauso gut oder schlecht wie davor."

Aphasie

Begriff Aphasie (griech.: nicht sprechen) bezeichnet eine Sprachstörung des Spachzentrums im Gehirn. Ursache einer solchen Schädigung ist oft ein Schlaganfall, ein Hirntumor oder ein Unfall mit Schädel-Hirn-Verletzung. Aphasie ist eine Sprachstörung und keine Denkstörung. Aphasiker fühlen sich oftmals wie Sprachfremde in ihrer eigenen Muttersprache.
Aphasiker leiden meist unter mehreren sprachlichen Problemen.

Beeinträchtigungen Zum einen kann die Sprachproduktion beeinträchtigt sein. Betroffene leiden häufig unter Wortfindungsstörungen oder verwechseln Wörter.
Zum anderen kann bei der Sprachverständnisstörung das Verstehen der gesprochen Sprache beeinträchtigt sein. Zusätzlich kann das Schreiben, Lesen und das Produzieren und Verstehen von Zahlen gestört sein.

Begleitsymptome können Lähmungen, Schluckstörungen und Gedächtnisschwiergkeiten sein.

Behandelt werden kann die Schädigung nur durch jahrelange Therapie.
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