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Bamberg
Wirtschaft

Schauer schließt: Hochburg der Narren vor dem Aus

Schauers Traditionsladen schließt Ende März. Als Spielverderber nennt die Familie den Brandschutz. Tochter Sonja will woanders weitermachen. Die Wunderburg sorgt sich um das Gebäude.
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Foto: Schanz
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Kein Geschäft hat den Fasching in der Region Bamberg so stark geprägt wie dieses. Generationen von Narren haben sich hier für Umzüge und Rosenmontage eingekleidet, sich mit literweise Kunstblut eingedeckt und mit Tonnen an Luftschlangen ausgerüstet. In dem urigen Backsteingebäude in der Wunderburg gibt es scheinbar nichts, was es nicht gibt. Da schaut der Kobold dem Schneewittchen unter den Rock, die Polizeiuniform hängt neben dem Batman-Umhang, und in der Maskenabteilung finden sich sogar noch Gummigesichter von Politikern wie Nikita Sergejewitsch Chruschtschow, Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl oder George Bush - senior wohlbemerkt!

Aus der Zeit gefallen scheint dieser Laden. Auch deshalb ist er Kult in Bamberg. Nun aber sieht es so aus, als ob die Zeit auch Schauers "Kaufhaus der fünf Jahreszeiten" eingeholt hat. Am 31. März ist Schluss, bestätigt die Familie die hartnäckigen Gerüchte. "Wissen Sie, wenn man selbst nach 46 Jahren Faschingsverkauf immer wieder erneute Auflagen bekommt, die sich in höheren Kostenfaktoren bewegen, dann kommt die Zeit, wenn auch mit einem weinenden Auge, und der Beschluss, am Aschermittwoch Süddeutschlands größten Saisonverkauf zu beenden und das Kaufhaus zu schließen", erzählt Gundi Schauer.

Spielverderber sei der Brandschutz. Treppenhaus, Außentreppe, Brandschutzmelder: Peter Schauer und seine Frau, beide über 70, nennen eine Summe von über 300 000 Euro, die sie hätten investieren müssen, um moderne Brandschutzstandards einhalten zu können. Zwar habe man die Laden-Stockwerke extra reduziert, um die Brandlast zu senken, doch bei einem neuerlichen Rundgang von Vertretern der Stadt und der Feuerwehr seien erneut einige Forderungen gekommen.

Bedauern in Bamberg

Stadtbrandrat Matthias Moyano will sich nicht den Schwarzen Peter zuschieben lassen. Zwar habe es Mängel gegeben, doch wären die mit einem "relativ geringen Betrag und organisatorischen Änderungen zu beseitigen" gewesen. Eine Nutzungsuntersagung habe nicht im Raum gestanden, betont Moyano. Es gelte Bestandsschutz. Die Bescheide zum Brandschutz stelle außerdem nicht die Feuerwehr sondern die Stadt aus.

Auch die bedauert den Schritt der Schauers. "Wegen der gestiegenen Anforderungen an das Gebäude sind hohe Investitionen notwendig. Gleichwohl haben wir Verständnis, dass die Familie Schauer diese nicht mehr tragen möchte und in den wohlverdienten Ruhestand geht", erklärt dazu die Wirtschaftsförderung.

"Der Laden ist ein Bamberger Kuriosum, deshalb ist das schade", sagt Klaus Stieringer. Der Stadtmarketingchef macht sich aber um den Faschingsstandort Bamberg keine Sorgen. Er nennt den Fundus des Theaters, den Karstadt sowie die Innenstadtläden als Anlaufstellen für Narren auf Kostümsuche.

Ertl und den Kostümverleih in Sassendorf nennt Hans-Werner Müller, als Sitzungspräsident des MCC Memmelsdorf eine Instanz in Sachen Fasching. Die Garden kleiden sich ohnehin in Fachmärkten und bei Schneidereien mit Miniröcken ein. Dennoch reiße die Schauer-Schließung eine Lücke ins Bamberger Narrentreiben.

Wie geht es weiter?

Die Familie macht Hoffnung: "Unsere Tochter Sonja will Mitte dieses Jahres einen neuen Betrieb an einem anderen Standort mit ähnlichen Artikeln eröffnen." Vielleicht in einem eigenen Gebäude in der Geisfelder Straße. Doch sehen sie sich auch nach Hallen um, die um die 300 Quadratmeter haben. Zum Vergleich: Bisher dehnten sich die Ladenflächen auf insgesamt 3000 Quadratmeter aus. Die Zeiten des Riesen in Sachen Fasching, Halloween, Weihnachten und Ostern sind also vorbei.

Angefangen hat alles ganz klein, im Jahr 1974 auf 100 Quadratmetern in der Oberen Königstraße. 1987 zog man in die Wunderburg - mit einem Kostümladen in der Stadt der Faschingsmuffel. "Von den Bamberger Kunden alleine hätten wir nicht überleben können, da Bamberg nicht die Faschingshochburg ist", bestätigt Peter Schauer, dessen Kunden aus ganz Nordbayern kommen.

Künftig wolle er sich im Café seiner Tochter Sonja in der Geisfelder Straße einbringen, immerhin sei er Konditor. Dort soll von den fünf festen Angestellten ein Großteil weiter beschäftigt werden, bei den Saisonaushilfen müsse man sehen. Das Gebäude ist verkauft (siehe Kasten).

Was passiert mit dem Gebäude?

Gebäude Das markante Backsteingebäude an der Nürnberger Straße ist Teil der ehemaligen Ulanenkaserne Bamberg.

Geschichte Zwischen 1863 und 1919 hatte das 1. Königlich-Bayrische Ulanen-Regiment in Bamberg sein Domizil. Die Lanzenreiter waren "die wahren Bamberger Reiter", schreibt Stefan Sengenberger in einer Historie des Bürgervereins Wunderburg. Der sandige Boden des Hauptsmoorwaldes bot ideale Übungsbedingungen für den Kampf zu Pferde. Der Hufschlag ist verklungen, heute erinnert ein Ulanendenkmal in der Wunderburg an diesen Teil der Bamberger Geschichte - und eben besagte Kasernengebäude.

Geschäft Peter Schauer hat das Gebäude 1987 gekauft. Nach mehr als drei Jahrzehnten ist nun Schluss.

Investor Ein Immobilienbüro aus Bamberg hat das Gebäude erworben. Erste Pläne sehen Wohnungen wie bei Nachbargebäuden vor, sind aber noch nicht spruchreif. Auch ein Abriss wird in Betracht gezogen. Die Kasernenhäuser stehen laut Landesamt nicht unter Denkmalschutz.

Bürgerverein Der bedauert nicht nur die Schließung des Ladens, sondern sorgt sich auch um das markante Gebäude. Die Vermischung aus Gewerbe und Wohnraum mache den Charme der Wunderburg aus, erklärt Vorsitzender Dieter Gramß. "Es wäre schade, wenn das für Wohnungen zerrupft wird." Man müsse in Bamberg aufpassen, nicht alles mit Wohnungen "zuzupflastern".

Stadt Im Rathaus sind Wohnungen gern gesehen, allerdings sieht man ungern Gewerbeflächen verschwinden.