Bamberg
Schandflecken

Schandflecken: Der Verfall ist kein Einzelfall

Wie in der Sandstraße verkommt auch ein Anwesen in der Unteren Königstraße - es gehört den selben Eigentümern. Können die Stadt und eine Online-Petition etwas ausrichten?
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Hingucker mit Gruselcharme: Das verfallende Anwesen prägt das Stadtbild in der einst als Einkaufsmeile bekannten Unteren Königstraße. Fotos: Sebastian Schanz
Hingucker mit Gruselcharme: Das verfallende Anwesen prägt das Stadtbild in der einst als Einkaufsmeile bekannten Unteren Königstraße. Fotos: Sebastian Schanz
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Karlheinz Brehm hat im wahrsten Sinne des Wortes Angst, dass ihm irgendwann die Decke auf den Kopf fällt. "Ich warte eigentlich nur darauf, dass ich die Westmauer sichern muss, damit von drüben nichts durchbricht", sagt der Hausverwalter in der Unteren Königstraße 11. Gleich neben dem Fotoladen, in dem Brehm arbeitet, haben unsere Leser einen großen Bamberger Schandfleck ausgemacht: Das Anwesen mit den Hausnummern 13 und 15 verfällt. Plakate weisen auf 90er-Jahre-Partys und FKK-Saunaclubs hin. Die einzige Belebung dieser Immobilie. Seit Jahren.

In den 80ern genossen die Bamberger in der Wirtschaft Roter Ochse noch gut bürgerliche Küche, die ganze Königstraße galt als Einkaufsmeile. Heute ist davon nicht mehr viel zu sehen. Der Rote Ochse ist Geschichte. Alle paar Jahre wechselte seither der Eigentümer des Areals, Pläne wurden verlautbart und landeten in der Schublade. Und obwohl das Mauerwerk nach und nach bröckelte, stieg und stieg der kolportierte Immobilienpreis.

Wem diese Geschichte nun vom einsturzgefährdeten Sound-n-Arts-Debakel in der Oberen Sandstraße bekannt vorkommt, der hat eine gute Spürnase für Schandflecken.

Beide Häuser eint, dass ihre Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert zurückgehen. Die bittersüße Pointe: Beide Anwesen gehören der "German Property Group" (GPG), die im Verdacht steht, denkmalgeschützte Gebäude aus Spekulationsgründen verfallen zu lassen.

Mit einer Online-Petition will die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg den Investor nun dazu auffordern, den Verfall beider Anwesen zu stoppen. Unterstützt wird die Petition vom Verein "Bewahrt die Bergstadt", von den Bürgervereinen Bamberg Mitte und Nord so wie von der Interessengemeinschaft "interesSand". Bisher haben mehr als 560 Bürger unterzeichnet, darunter auch die OB-Kandidaten Andreas Starke (SPD), Christian Lange (CSU) und Jonas Glüsenkamp (GAL).

"Im besten Fall beweist das Unternehmen, dass es in der Lage ist, seine Versprechen einzulösen und seine beiden Denkmäler vollständig zu bewahren", heißt es in einem offenen Brief, den die Schutzgemeinschaft der Firma zukommen lassen will. "Falls sie sich dazu nicht in der Lage sieht, so zeigt sie sich hoffentlich verantwortungsbewusst genug, um die Anwesen zu einem fairen Preis an Sanierungswillige weiterzugeben."

Im Fall Obere Sandstraße scheint ein Schritt in diese Richtung bevorzustehen: Die Stadt hat kürzlich Kaufwillen betont. Ein fairer Preis soll durch ein gemeinsames Gutachten festgelegt werden. Bei einer vorherigen Kaufanfrage hatte die GPG laut Baureferent Thomas Beese den dreifachen Marktwert verlangt.

"Kein Sanierungswille"

Zeigt sich der Investor in der Unteren Königstraße sanierungswilliger? "Ein Bebauungsplan ist nicht eingereicht. Ein echter Sanierungswille nicht zu erkennen", antwortet Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar auf Nachfrage. Das Gebäude ist laut Stadt bereits seit Mitte 2014 im Besitz des Investors.

Will die Kommune nun auch diese historische Immobilie übernehmen und sanieren? "Genauso wie bei der Oberen Sandstraße 20 haben wir mehrfach versucht, das Gebäude zu erwerben. Politik und Verwaltung sind seit Jahren am Thema dran", sagt Siebenhaar. Die Preisvorstellung des Investors? "Fast noch mehr als beim ersten Angebot in der Sandstraße." Die Verwaltung wolle aber dranbleiben, denn "es wäre natürlich sehr gut, wenn es der Stadt gehören würde. Denn Immobilienspekulation ist immer ein Ärgernis."

Die German Property Group wehrt sich gegen die Vorwürfe: Primäres Ziel sei es bei allen eigenen Objekten, sie zu sanieren, betont Sprecherin Monika Schröder, die den Markt in Bamberg als überaus interessant bewertet.

Studentenbuden und Wohnungen waren einmal geplant. Passiert ist in der Praxis nichts. Doch wie viel Potenzial vorhanden wäre, zeigt das Gebäude rechts daneben: Hier sind Wohnungen mit Blick auf die Kettenbrücke entstanden. Es gibt schlechtere Aussichten.

Info:

Historisches Gebäude Das Anwesen in der Unteren Königstraße 13/15 besteht aus ehemals zwei Gebäuden, die im 18. Jahrhundert vereint wurden. Der Hausteil Nummer 13 kann bis ins Jahr 1356 zurückverfolgt werden. Der andere Hausteil weist noch Bausubstanz von 1563 auf und ist Teil einer ehemaligen Brauerei, die vermutlich ab dem 17. Jahrhundert betrieben wurde. Diese kam 1774 in den Besitz des Büttnermeisters Martin Wagner, der 1778 auch den anderen Hausteil erwarb und beide zu einem Anwesen vereinigte. Richtung Fluss steht noch heute ein gotischer Speicherbau aus dem Jahr 1309. Das historische Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist derzeit vom Verfall bedroht. Petition Mit einer Online-Petition kämpft die Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg gegen den Verfall der Gebäude in der Oberen Sandstraße und in der Unteren Königstraße an: opepetiton.de/!sand

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