Bamberg
Schandfleck

Schandfleck Bahnhofsplatz: Der erste Eindruck schreckt ab

Der Bahnhofsplatz ist das erste, was Reisende von der Welterbestadt sehen - er könnte hässlicher kaum sein. Konzepte für einen Umbau zum Regionalen Omnibusbahnhof gibt es bereits. Doch die Bahn stellt bisher nicht die Weichen.
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Foto: Sebastian Schanz
Foto: Sebastian Schanz
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Nach einer langen Zugfahrt durchquert Jörg Limberg mit seinem Rucksack auf den Schultern die Bahnhofshalle, die große Schwingtür öffnet sich vor ihm, und der Bremer ist endlich in Bamberg angekommen. Sein erster Eindruck? "Man hatte andere Erwartungen bei dieser historischen Stadt", sagt Limberg und blickt über den Platz.

Tristesse schlägt ihm entgegen: Im Vordergrund grauer Straßenbelag, unterbrochen nur von weißen Parkverbotslinien und einem abgefahrenen Zebrastreifen, der von zwei großen Bussen überrollt wird. Im Hintergrund viele Autos vor Betonarchitektur. Links gegenüber immerhin Bäume, darunter zwielichtige Zeitgenossen. Die Blickachse auf die beiden Türme des Bamberger Doms, die hinter der Luitpoldstraße über die Häuserdächer spitzen, wird von unübersichtlichen Hinweisschildern versperrt.

"Alles recht funktional", sagt der 33-Jährige. "Schon eher hässlich." Seine Begleiterin nickt. "Und wo wir unseren Bus finden, wissen wir auch nicht."

Das also ist der erste Eindruck, den Zugreisende von der Welterbestadt erhalten. Ein Schandfleck, keine Frage.

Befreiungsschlag abgeblockt

"Ziel ist die umfassende Aufwertung des gesamten Bahnhofsplatzes als wichtiges Eingangstor in die Stadt", räumt Stadtsprecherin Ulrike Siebenhaar ein. Dies betreffe die Flächen unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude, aber auch die gegenüberliegenden Freiflächen vor der Postfiliale und dem ehemaligen Eon-Areal.

Ein großer Befreiungsschlag soll das werden. "Die Maßnahme setzt allerdings voraus, dass hier keine Regionalbusse und keine Taxis mehr unmittelbar vor dem Bahnhof halten. Hierfür ist die Errichtung eines Busbahnhofes unbedingt erforderlich", erklärt Siebenhaar.

Für den Bamberger Architekten Franz Ullrich eine längst überfällige Maßnahme. "Wir reden alle über Klimaschutz, und der ÖPNV kann einen riesengroßen Beitrag zum Klimaschutz leisten." Damit er gut angenommen werde, brauche es aber auch funktionierende Knotenpunkte. Das sei am Bahnhofsplatz nicht gut gelöst. "Es gibt keine Orientierung zwischen Stadtbussen, Regionalbussen und Bahn. Das ist unübersichtlich und gefährlich", sagt der Stadtplaner, der von Budapest bis Donauwörth Plätze optimiert hat.

"All das könnte man durch eine Neugestaltung des Platzes ins Gegenteil umdrehen und eine positive Visitenkarte am Stadteingang schaffen", ist sich Ullrich sicher. Wichtigstes Element dabei sei der Regionale Omnibusbahnhof. "Denn um den Platz neu zu gestalten, muss ich ihn leer machen." Das Potenzial sei riesig. Sichtachse zum Dom, sonnige Lage, gut erreichbar von allen Richtungen: "Ein absoluter Top-Platz", betont der Stadtplaner. "Man muss wieder Bäume pflanzen. Bäume sind nicht das Allheilmittel. Aber sie wirken der Erwärmung der Städte entgegen. Natürliche Schattenspender, um sie herum bilden sich kleine Klimainseln."

Ein sonniges, grünes, weiträumiges Tor zu Bamberg! Es könnte alles so schön sein. Doch dunkle Wolken verhängen seit Jahren die Aussichten.

"Aufgrund der aktuellen Planungen zum Ausbau der Bahnstrecke durch Bamberg, welche davon ausgehen, dass hier Baustelleneinrichtungsflächen erforderlich sein werden, wird die Umsetzung der Maßnahme voraussichtlich erst in Jahren erfolgen", bremst Stadtsprecherin Siebenhaar die Erwartungen.

Wann soll das sein? Bis die neue Bahnlinie fertig ist? Stillstand bis 2031? Warum blockiert die Deutsche Bahn die Pläne, obwohl sie doch ein Interesse daran haben müsste, einen funktionierenden Knotenpunkt für den ÖPNV in Bamberg direkt am Bahnhof zu schaffen? "Es liegt uns fern, die Planungen zum Busbahnhof zu blockieren", antwortet ein hochrangiger Bahnsprecher. "Im Gegenteil, die DB Netz AG unterstützt ausdrücklich das Ansinnen der Stadt."

Aus diesem Grund habe die Bahn ihre Tochtergesellschaft DB Station&Service AG - also den formalen Eigentümer der Immobilien - bei den regelmäßigen Monatsgesprächen mit an den Tisch geholt. Es sei im Interesse der Stadt, "den Bauzeitraum so kurz wie möglich zu gestalten", dafür brauche es Flächen für die Baustelleneinrichtung entlang der Strecke.

Also doch 2031? Der Bahnsprecher will sich auf kein Datum festlegen, weckt aber Hoffnung, dass die Baustellen-Einrichtung andernorts passieren könnte - und es durchaus vorher klappen könnte. Immerhin sei ein stark frequentierter Bahnknotenpunkt im Interesse der Bahn.

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