Bamberg
Gericht

Sandstraßenprozess: Staatsanwaltschaft fordert neuen Gutachter

Die Staatsanwaltschaft will ein neues rechtsmedizinisches Gutachten im Sandstraßenprozess.
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An der Ecke Sandbad kam es am 30. Juli 2017 zur folgenschweren Attacke, wegen der vor dem Landgericht verhandelt wird. Foto: Ronald Rinklef
An der Ecke Sandbad kam es am 30. Juli 2017 zur folgenschweren Attacke, wegen der vor dem Landgericht verhandelt wird. Foto: Ronald Rinklef

Drei recht unterschiedliche Zeugenaussagen erlebten die Beobachter des Sandstraßenprozesses am Freitag. Zunächst erzählte der Halbbruder des älteren Angeklagten Andi H., wie sehr ihm dessen Verhaftung damals zu schaffen machte und wie er mehr durch Zufall erfuhr, dass tatsächlich Tom Z. hinter dem folgenschweren Angriff in den Morgenstunden des 30. Juli 2017 steckte. Nicht zuletzt, weil ein Freund des Zeugen darauf bestand, dies der Polizei mitzuteilen, nahmen die Ermittlungen im Anschluss einen völlig anderen Verlauf.

Nun ist es Z., der sich vor dem Landgericht Bamberg wegen versuchten Totschlags verantworten muss, weil er in jener Nacht den heute 36-Jährigen Christian K. so schwer verletzte, dass er sein Leben lang an den Folgen leiden wird. Für H. geht es hingegen nur noch um gefährliche Körperverletzung, weil er einen anderen Mann mit Faustschlägen und Tritten traktierte.

Bevor die Zeugen aussagten, brachte Oberstaatsanwalt Otto Heyder eine ganze Reihe weiterer Beweisanregungen ein. So wünscht er sich ein neues rechtsmedizinisches Gutachten, weil das bisherige nur "aus der Hüfte heraus entstanden sei" und er sich von einem anderen Experten neue Erkenntnisse zu möglichen Tritten Z.s gegen K.s Kopf verspricht. Bewertet werden soll auch ein Tatortbild, das bislang nicht ins Verfahren eingeführt worden war. Heyder hat dort unter anderem eine Rötung in K.s Gesicht ausgemacht, die laut Heyder auch von einem Tritt stammen könne. Dass es den gegeben habe, bekräftigte H. noch einmal vor Gericht: "Ich habe einen Tritt gesehen, der in Richtung rechter Gesichtshälfte ging." Der jüngere Angeklagte blieb jedoch bei seiner Aussage, wonach er K. "umgetackelt", aber nicht getreten habe.

Ermittlungen gegen elf Zeugen

H.s Halbbruder hatte im Sommer wochenlang versucht, Licht ins Dunkel zu bringen und mit allen möglichen Bekannten über die Gewalttat gesprochen. Auch mit Z., der ihn sogar noch trösten wollte und erklärte, in dieser Nacht nicht dabei gewesen zu sein. Doch dann erfuhr der Zeuge von einem Dritten, an den Z. sich gewandt hatte, dass alles ganz anders war.

Ein Kripobeamter, der am Montagmorgen nach der Tat mit der Spurensicherung beauftragt worden war, fand am Tatort nur noch den Umriss einer großen Blutlache vor. Denn Regen und reinliche Anwohner hatten zu diesem Zeitpunkt bereits den Gehsteig gesäubert. Rechtsanwalt Oliver Teichmann, der Z. vertritt, wollte wissen, weshalb die Spuren nicht früher gesichert wurden. Darauf antwortete der Beamte: "Was ist den verloren gegangen? Wir hätten höchstens noch das Blut sichern können." Hilfreicher war da schon die Auswertung der Kamera vor der Justizvollzugsanstalt, die sowohl Angeklagte, als auch zahlreiche Zeugen ins Bild genommen hatte. Die Gewalttat fand jedoch außerhalb des Sichtfelds statt.

Ein weiterer Zeuge, der sich als guten Freund Z.s bezeichnete, kannte viele, die bereits in diesem Prozess ausgesagt hatten. Er beschrieb zahlreiche Gespräche über diese Nacht, ging aber nur wenig ins Konkrete, was die entscheidenden Sekunden betrifft. Er wusste früh, dass Z. den Schwerverletzten zu Fall gebracht hatte. Der Polizei wollte er das aber nicht melden, denn "dafür bin ich nicht sein Freund".

Für Andi H.s Anwalt Jochen Kaller erschienen Teile dieser Aussage "absolut weltfremd". Er habe sich damit abgefunden, dass in diesem Prozess viele nicht die Wahrheit sagen. "So weit bin ich noch nicht", erwiderte Oberstaatsanwalt Heyder, der mittlerweile gegen elf Zeugen Ermittlungen wegen Falschaussagen aufgenommen hat.

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