Bamberg
Adventskalender

Salutieren und ab ins Bamberger Wasser

In der Regnitz wurde im Jahr 1827 eine Militärschwimmschule angelegt. Ein Ring erinnert noch heute daran, denn es handelte sich nicht um einen festen Bau.
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Nina Schipkowski kann erklären, was dieser Eisenring hier zu suchen hat. Foto: Mike Durlacher
Nina Schipkowski kann erklären, was dieser Eisenring hier zu suchen hat. Foto: Mike Durlacher
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Ein voller Magen kämpft nicht gern. Und wer gegessen hat, soll für eine halbe Stunde nicht ins Wasser. Wo diese beiden Weisheiten in Bamberg aufeinandertreffen? "An dieser Stelle hier haben sie zueinandergefunden", weiß Nina Schipkowski, die ein Buch über die Bamberger Badeanstalten mit herausgegeben hat, "denn genau hier war früher eine Militärschwimmschule." Beim Blick auf die Regnitz fragt sich der Betrachter jedoch, wo denn diese Schwimmschule hingekommen ist.

Ein großes Floß mit Pool

Nirgendwo ist ein Badehäuschen zu sehen, auch kein Steg, über den Soldaten mit nackten Füßen platschen konnten. Das Einzige, was daran noch erinnert, ist ein eiserner Ring im Ufer des Luisenhains, der in die Böschung einbetoniert ist. "Hier war die Schwimmschule festgemacht", erklärt die Wahlbambergerin. Da diese auf dem Wasser trieb - es handelte sich um ein großes Floß, in dessen Mitte sich eine rechteckige Aussparung befand, die eine Art Pool bildete -, musste sie am Ring befestigt werden, um nicht davonzutreiben. Nina Schipkowski ergänzt: "Was nutzten dem General hervorragende Schützen und Marschierer, wenn die Soldaten bei jeder zweiten Flussüberquerung zu ertrinken drohten?"

Also mussten die Soldaten auch schwimmen lernen, freiwillig oder nicht. 1805 war die allgemeine Wehrpflicht in Bayern eingeführt worden - die aber nicht für alle galt: Es durften nur "Landeskinder" eingezogen werden. Von der Wehrpflicht ausgenommen wurden "Adelige, siegelmäßige Beamte und deren Söhne, die Söhne von Offizieren sowie praktisch das gesamte Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum, z. T. einschließlich der Söhne, ferner die Bergarbeiter und ein Teil der Handwerker", listet der Historiker Max Spindler in seinem Buch "Das neue Bayern. Von 1800 bis zur Gegenwart. Staat und Politik" von 2003 auf. Man durfte sich auch nicht vom Dienst loskaufen oder sich vertreten lassen. Das hatten diejenigen, die es betraf, sowieso kaum gekonnt, denn nach all den Ausnahmen blieben nur noch "Kleinbürger, Bauern und Angehörige unterbürgerlicher Schichten" übrig, wie Spindler aufzahlt.

Zahl der Soldaten stieg rasch

Und eben diese Schichten konnten kaum oder überhaupt nicht schwimmen. Es waren viele, die Schwimmunterricht brauchten, denn mit der Wehrpflicht wuchs die bayerische Armee enorm an, von 16 000 Mann im Jahr 1799 auf 87 000 Mann im Jahr 1815. Der bayerische Staatsminister der Armee, Nikolaus von Maillot de la Treille, machte sich also daran, in Bayern Militärschwimmschulen einzurichten, zum Beispiel in Burghausen, Eichstatt, Amberg, Nürnberg, Aschaffenburg, Passau, Augsburg, Lindau, Ingolstadt und eben auch in Bamberg. 16 Anstalten sollten es zunächst sein, der Beginn der Bauarbeiten fiel in das Jahr 1827. Damit die Soldaten in Bamberg - die Stadt war Garnisonsstadt - schwimmen lernen konnten, wurde in der Regnitz also etwa 1827 eine Militärschwimmschule angelegt.

"Dabei ging es aber nicht allein darum, dass die Soldaten schwimmen lernten", erläutert Nina Schipkowski. Mediziner und Pädagogen priesen das Schwimmen, so auch "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn in seinem bekannten Buch Deutsche Turnkunst von 1816. Er zahlte das Schwimmen sogar zu den Kriegsübungen und ermunterte auch aus hygienischen Gründen zum Baden: "Ein Nichtschwimmer hat immer die Wasserscheu und geht aus Angst mit dem Schmutz der Haut, den er im Leben aufsammelt, jämmerlich zu Grabe."

Ein Hoch auf das kalte Baden

In den beiden "Mutterschwimmschulen" in Regensburg und Würzburg sollten hauptsachlich Schwimmlehrer ausgebildet werden, die dann die Mannschaften unterrichteten. Ein Lehrbuch wurde von den dortigen leitenden Offizieren verfasst, auch sie sprachen von der "Unentbehrlichkeit des Schwimmens im Kriege und dem Vorteil kalter Bader zur physischen Ausbildung der männlichen Jugend im Allgemeinen", wie Manuel Frey 1997 in seinem Buch "Der reinliche Bürger. Entstehung und Verbreitung bürgerlicher Tugenden in Deutschland, 1760-1860" das Lehrbuch zitiert. Vor allem bürgerliche Offiziere setzten sich dann auch dafür ein, dass die Badeanstalten, zunächst zur rein militärischen Nutzung angelegt, auch für Zivilisten nutzbar und mit etwas Komfort ausgestattet wurden, um sie "gemeinnützig für die bürgerlichen Stande zu machen", wie der Leiter der Bamberger Militärschwimmschule Hauptmann Schnitzlein 1827 seine Absicht beschreibt, denn Badehäuser und Umkleidekabinen waren vom Kriegsministerium nicht vorgesehen.

Um für die Kosten der Einrichtung von Schwimmschulen aufzukommen, planten die Verantwortlichen vor Ort trotz der eigentlich vom Kriegsministerium rein militärisch angedachten Nutzung eine Zugänglichkeit für Zivilpersonen, so auch im Hain, dem bürgerlichen Vergnügungspark Bambergs. Umkleidekabinen für Offiziere und Zivilisten wurden geplant. Auch in München sollten die 10 000 Gulden betragenden Entstehungskosten der dortigen Badeanstalt dadurch aufgebracht werden, dass man "das Anlagekapital durch die Einnahmen aus der Unterrichts-Teilnahme von Civilpersonen allmählich wieder abzahlen" kann. Bereits im ersten Jahr nach der Eröffnung der beiden Mutterschwimmschulen, 1825, absolvierten 617 Männer die Abschlussprüfung.

Schwimmschule auf Wanderschaft

Bis 1829 wurden 3822 Anwärter aus allen Rangen, vom Gemeinen bis zum Unteroffizier, ausgebildet. Bis zu fünf Stunden täglich zogen einen ganzen Sommer lang bayerische Soldaten ihre Bahnen durch das kühle Nass. Die Militärschwimmschule in Bamberg bestand bis 1945. "Aber sie befand sich nicht immer an derselben Stelle", erzählt Nina Schipkowski. Die Schwimmschule war nämlich kein fest installierter und aus Stein errichteter Bau, sondern eine aus Holz gefertigte Plattform, die mit dem Ufer vertaut war, und zwar mit dicken Seilen, die durch am Ufer befestigte Ringe hindurchgeführt wurden. Und eben ein solcher historischer Ring ist im Hain noch zu entdecken.

1834 ankerte die Holzplattform gegenüber dem chirurgischen Krankenhaus, in dem sich heute das Stadtarchiv befindet. Drei Jahre später zog sie wieder in den Hain um, musste dort aber bald wieder weg, denn der Ludwigkanal wurde gebaut. Die Schwimmschule wich an die "Elmer Spitze" aus. "Diese befindet sich dort, wo der linke und der rechte Regnitzarm sich in Gaustadt wieder vereinen", erklärt Nina Schipkowski. 1938 fand die Schwimmschule wieder im Hain eine Heimat, etwa bei der Statue des heiligen Nepomuk in der Nähe der Schutzhütte von 1851.

Zeit zum Picknick

Von Nina Gräfin von Stauffenberg, deren Mann Claus Schenk Graf von Stauffenberg hier in Bamberg seine militärische Karriere begann, ist ein Bericht erhalten, in dem sie schreibt: "Noch weiter flussaufwärts war die Militärschwimmschule, etwas großzügiger in der Anlage. Dort konnten Offiziers angehörige in der Mittagszeit von 11 bis 14 Uhr baden. Familien und Freunde trafen sich dort in dieser Zeit zum Picknick. Ein Bademeister, meist ein Rekonvaleszent, nächtigte dort." Mit einem Rekonvaleszenten ist ein Soldat gemeint, der sich auf Erholungsurlaub befindet.

In dem Bad wurde also nicht nur nach Vorschrift schwimmen gelernt, sondern auch der Körper beim Schwimmen ertüchtigt. Oder einfach in der Freizeit dem kühlen Nass und dem Bad in der Sonne gefront. Ganz unmilitärisch.

Unser Adventskalender

Serie: Viele Merkwürdigkeiten Bambergs enthüllen wir in diesem Jahr in unserem Adventskalender. Die einzelnen Folgen entstammen dem Buch "Bamberger Geheimnisse - Spannendes rund um das Weltkulturerbe mit Kennern der Stadtgeschichte", das im Verlag Bast Medien in Kooperation mit dem Fränkischen Tag erschienen ist. Es hat 192 Seiten, kostet 19,90 Euro (ISBN: 978-3-946581-54-3) und ist erhältlich in den Geschäftsstellen des Fränkischen Tags, in Buchhandlungen und online auf der Homepage www.bast-medien.de. Termin: Am 7. Dezember um 16 Uhr laden wir zur Buchvorstellung und Signierstunde mit der Autorin Eva-Maria Bast in die FT-Geschäftsstelle in der Bamberger Innenstadt, Austraße 14, ein.

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