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Sahara heizt Franken ein: Mediziner gibt Tipps für die Rekordhitze

Wüstenluft lässt die Temperaturen stark ansteigen. Die Ozonkonzentration nimmt zu. Wer Zeit hat, geht am besten baden, rät Heinz-Jürgen Wagner vom Gesundheitsamt und gibt weitere Tipps.
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Regina Flad und Anna Zimmer an der Buger Spitze.  Barbara Herbst
Regina Flad und Anna Zimmer an der Buger Spitze. Barbara Herbst
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Es wird heiß! Mit allen schönen und unschönen Konsequenzen. Bis zu 40 Grad soll es in Franken warm werden. "Die aktuelle hochsommerliche Wetterperiode führt zu einer erhöhten Ozonkonzentration im Stadtgebiet", meldet das Umweltamt der Stadt Bamberg. Den Messungen zufolge ist in diesen Tagen mit einem Erreichen der kommunalen Vorwarnstufe von 160 Mikrogramm pro Kubikmeter zu rechnen. "Empfindlichen Personen wird geraten, ungewohnte oder erhebliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden. Autofahrten sollten möglichst auf ein notwendiges Minimum beschränkt werden", mahnen die Fachleute.

Tipps des Mediziners

Doch nicht nur der Ozonwert in der Stadt beeinflusst das Wohlbefinden ihrer Bewohner. Heinz-Jürgen Wagner vom Gesundheitsamt Bamberg gibt im Kurzinterview Tipps zum Umgang mit der Hitze.

Im Sommer gehen die Bamberger gerne auf den Bierkeller. Was ist beim Konsum von Alkohol während einer aktuellen Hitzewelle zu beachten?

Heinz-Jürgen Wagner: Der Kellerbesuch sollte nach Möglichkeit auf die milderen Abendstunden verlegt werden. Alkohol erweitert die Blutgefäße, wodurch mehr Hitze in den Körper dringt. Und er wärmt auch. Gegen EIN kühles Bier ist aber absolut nichts einzuwenden. Alkoholfreies Weizenbier führt dem Körper nach dem Schwitzen sogar fehlende Elektrolyte zu.

Welche Getränke und welches Essen werden bei Hitze empfohlen?

Viel trinken ist wichtig! Vor allem Mineralwasser, nach starkem Schwitzen sind Saftschorlen, ungesüßte Kräutertees oder Gemüsebrühen gut. Beim Essen wie auch bei Getränken sollte auf Kalorienbomben verzichtet werden. Denn Verdauungstätigkeit produziert Wärme. Im Sommer kommen Salat oder Früchte einfach eleganter als eine Schweinshaxe.

Wie kündigt sich ein Hitzeschlag an? Und wie kann man helfen?

Hochroter Kopf oder Bleiche im Gesicht, Übelkeit und Durchfall sowie starkes Schwitzen, dass dann plötzlich abbricht, wenn die Person zu wenig getrunken hat, sind deutliche Anzeichen. Wenn die auftreten, sollte die Person sofort aus der Sonne und sich mit Wasser und Wind langsam abkühlen und trinken. Wenn etwa Durchfall auftritt, fehlen Elektrolyte. Da genügt dann Wasser alleine nicht. Besser ist abwechselnd Orangensaft, schwarzer Tee und Mineralwasser. Ein Hitzeschlag kann ganz plötzlich passieren. Wenn die Körpertemperatur auf über 40 Grad steigt, kann es zu ernsten Schäden kommen.

Wie kann man sich schützen?

Direkte Sonneneinstrahlung meiden, nachts lüften und morgens Fenster schließen und abdunkeln. Körperliche Aktivitäten sollte man auf die frühen Morgen- oder späten Abendstunden verlegen und dazu genügend Elektrolyte aufnehmen.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

Kleinkinder, ältere Menschen und chronisch Kranke, bei denen Immunabwehr und Hitzetoleranz niedriger sind. Bei Hitzewellen gibt es immer eine erhöhte Sterblichkeit. Gefährdete sollten ihren Arzt konsultieren, damit auf die individuelle Situation eingegangen werden kann.

Was ist beim Baden zu beachten?

Baden ist die Erfrischung par excellence, man kann kaum etwas Besseres machen. Man sollte aber auf keinen Fall überhitzt oder mit vollem Magen ins Wasser springen! In Bayern gab es bereits zehn Todesfälle an Badestellen. Mit einer Dusche kann man sich vorher langsam an die Wassertemperatur gewöhnen; oder einfach, indem man für ein paar Minuten die Füße im Wasser baumeln lässt.

Welche Möglichkeiten haben Menschen, die bei großer Hitze körperlich arbeiten müssen, wie Dachdecker, Straßenbauer und so weiter?

Wenn es möglich ist, sollten die Arbeitszeiten auf die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden. Falls das nicht geht, sollte zumindest im Schatten gearbeitet werden. Der Arbeitgeber muss außerdem darauf achten, dass den Mitarbeitern ausreichend Getränke zur Verfügung stehen.

Das Gespräch führte Markus Klein

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