Bamberg
Einsatz

Arbeiten, wenn andere feiern: Mit der Polizei unterwegs auf der Sandkerwa

Unterwegs mit Silke Gahn und Michael Fröhling, zwei Bamberger Polizeibeamten, die auf der Sandkerwa für Sicherheit und Ordnung sorgen müssen.
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Während um sie herum gefeiert, gelacht und getrunken wird, müssen die Polizeibeamten einen kühlen Kopf bewahren.Tobias Hohner
Während um sie herum gefeiert, gelacht und getrunken wird, müssen die Polizeibeamten einen kühlen Kopf bewahren.Tobias Hohner

Bisher ist es eine ruhige Nacht für Silke Gahn und Michael Fröhling. Dann kommt plötzlich eine Meldung über das Walkie-Talkie: Schlägerei in der Sandstraße. Die beiden Polizisten parken ihr Auto am Straßenrand, verständigen kurzerhand die Bereitschaftspolizei aus Würzburg, die sich in der Nähe postiert hat - Unterstützung ist gefragt. Im Stechschritt läuft der Polizeitrupp durch die Menge, angeführt von Silke Gahn.

Die Menschen um sie herum feiern, trinken, haben Spaß. Doch die Polizei muss einen kühlen Kopf bewahren und darauf vorbereitet sein, einzugreifen. An der Kneipe angekommen, vor der die Schlägerei passieren soll, schauen sich die Polizisten um. Nichts Auffälliges. Erleichterung. "Häufig lösen sich Schlägereien von alleine auf", erklärt Fröhling, "trotzdem müssen wir jede Meldung ernst nehmen und uns ein Bild von der Lage machen".

Sicherheit geht vor

Fröhling und Gahn sind an diesem Abend für die Koordination der Einsatzkräfte zuständig. Ihre Aufgabe ist es, die Polizei möglichst sinnvoll um das Veranstaltungsgebiet zu postieren. "Wir kennen die Hotspots und wissen, wo sich die meisten Menschen aufhalten und Gefahrenpotenzial besteht", verrät Gahn. Diese Punkte fahren die beiden Polizisten im Laufe der Nacht mehrmals ab, überprüfen, ob alles in Ordnung ist.

Nicht nur Polizei ist an der Sandkerwa für die Sicherheit zuständig. Auch das Bayerische Rote Kreuz, die Feuerwehr oder der Ordnungsdienst des Veranstalters ist vertreten. Ein großes Anliegen ist ihnen allen die Sicherheit. War sie doch der Hauptgrund dafür, dass die Sandkerwa im vergangenen Jahr ausfiel.

Wassertanks und Kontrollen

"Von Seiten der Polizei hat sich wenig verändert", so Gahn, "wir sind mit ungefähr genauso vielen Beamten vertreten wie in den Jahren zuvor auch". Wie viele es sind, möchte sie allerdings nicht verraten. Für die Hauptkommissarin steht jedoch fest, dass die Sandkerwa in diesem Jahr mit genauso viel Ernst betrachtet wird wie in den Jahren zuvor.

Gahn bringt schon einige Erfahrung mit. Es ist ihre achte Sandkerwa als Polizistin. Ein paar Dinge sind dann aber doch anders: Rund um das Veranstaltungsgebiet sind Straßensperren aufgebaut, die mit Hindernissen verstärkt sind. Wassertanks mit jeweils 3000 Litern Fassungsvermögen sorgen dafür, dass selbst Fahrzeuge wie Lkws kein Durchkommen haben - eine Reaktion auf Terroranschläge wie beispielsweise am Berliner Weihnachtsmarkt im Jahr 2016. An den Zugängen zum Sandgebiet finden zudem Sicherheitskontrollen nach Waffen oder Alkohol statt.

Die vermissten Kinder

Vielleicht haben gerade wegen dieser Maßnahmen Gahn und Fröhling eine weitestgehend ruhige Nachtschicht. Von dem steigenden Alkoholpegel der Feiergäste merken die beiden Polizisten zu Beginn recht wenig. Von Körperverletzungen oder Sachbeschädigungen, die bei einem solchen Fest meistens unumgänglich sind, ist zunächst keine Spur.

Nur der Fall zweier vermisster Kinder bereitet den Beamten anfangs Sorgen. Eine Mutter hatte ihre beiden Kinder vermisst gemeldet. Nachdem einige Streifen dem Fall nachgegangen waren, stellt sich letztlich heraus, dass sich die Kinder die ganze Zeit bei ihrem Vater aufhielten - und die Mutter möglicherweise alkoholisiert war. Was für die Polizisten jedoch keine Rolle spielt, denn: "Wir müssen jeder Meldung nachgehen, selbst wenn sie sich als falsch herausstellt", erklärt Fröhling. Dieser Fall ist jedenfalls abgeschlossen.

Beleidigungen bleiben nicht aus

Sich als Polizist auf der Sandkerwa zu zeigen, ist nicht leicht. Rundherum sind unzählige Feiernde, deren Pegel steigt, je später es wird. Und umso unberechenbarer werden sie. Nicht nur beim Steuern des Dienstwagens muss Michael Fröhling aufpassen, denn "man weiß nie, ob möglicherweise ein Betrunkener vor dem Wagen auftaucht", sondern auch zu Fuß auf der Straße.

Während die Polizisten durch die Gassen gehen, tönen bisweilen Rufe zu ihnen herüber, die sie nicht hören wollen: "All Cops are Bastards!", schreit jemand von weit her. Gefolgt von Ausweiskontrolle und Geldstrafe. "Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen", stellt Silke Gahn klar. In ihrer Laufbahn als Polizistin habe sie zwar schon ein dickes Fell gegen derartige Beleidigungen aufgebaut, Aussagen wie diese nerven die Kommissarin trotzdem.

Um 23 Uhr begann die Schicht, ein festes Ende hat sie nicht. Ab 1 Uhr morgens verlagert sich der Festbetrieb vom Sandgebiet in die Innenstadt, wo dann bis in die frühen Morgenstunden hinein gefeiert wird. Bis dahin müssen die Polizisten aufmerksam bleiben, denn es kann jederzeit etwas passieren. Und mittendrin sind Silke Gahn und Michael Fröhling.



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