Strullendorf
Zwischenbilanz

Rufbus-System im Landkreis Bamberg steht auf dem Prüfstand

Bis zu 70 Euro Defizit pro Fahrgast in Strullendorf schrecken den Umweltausschuss des Bamberger Kreistages auf. Der schöne Plan mit den Ruf-Bussen im Landkreis Bamberg funktioniert nicht so recht.
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Grafik: Carolin Höfler
Grafik: Carolin Höfler
Es schweben große Fragezeichen über der Zukunft des Rufbus-Systems im Landkreis Bamberg. In drei Bereichen - Steigerwald, Jura und Strullendorf - sind sie seit gut einem Jahr unterwegs, aber der "Renner" sind sie nicht. Eine Zwischenbilanz, die dieser Tage von Sachgebietsleiterin Nadja Kulpa-Goppert dem Umweltausschuss des Kreistages vorgelegt wurde, schreckte auf: Bis zu 70 Euro betragen die Aufwendungen für den einzelnen Fahrgast pro Fahrt. Dieser Negativrekord wird beim Einsatz des Rufbusses in der Gemeinde Strullendorf erreicht und hoffentlich bald zum Besseren gewendet. Sonst, da war sich der stellvertretende Landrat Johann Pfister mit einigen Ausschussmitgliedern einig, wird dieser Versuch wohl vorzeitig abgebrochen. Fürs Frühjahr 2015 wurde eine weitere Zwischenbilanz angefordert. Bis dahin haben die Gemeinde Strullendorf und somit die Bewohner der vom Rufbus tangierten Ortsteile Frist, das Blatt zu wenden.
Auch nicht gerade euphorisch stimmen die Fahrgastzahlen der anderen beiden Rufbus-Linien.

Der bis 31. Mai 2016 befristete Probebetrieb wird von Staat und Landkreis hoch bezuschusst: Der Freistaat trägt 70 Prozent des Betriebskostendefizits. Im Vorjahr (Start war am 3. Juni bzw. 2. September 2013) beliefen sich die Gesamtaufwendungen für die drei Rufbusse auf 31.675 Euro. Dazu steuerte der Staat 22.178 Euro bei, der Landkreis übernahm 9487 Euro: viel Geld vom Steuerzahler dafür, dass einzelne Kreisbürger mit öffentlichen Verkehrsmitteln ihre Ziele in Burgebrach, Scheßlitz oder Strullendorf erreichen konnten. In 2014, dem ersten vollen Betriebsjahr, werden die Gesamtkosten, statt wie geplant 78.100 Euro, voraussichtlich 98.000 Euro betragen, erfuhren die Mitglieder des Umweltausschusses. Der Kreisanteil wird demnach auf 29.400 Euro steigen.

Meist nur ein Fahrgast
Dem Bericht der Kreisverwaltung ist zu entnehmen, dass die ursprünglich angestrebte Bündelung von Fahrtwünschen und die Optimierung einer Route nur in Einzelfällen vorkommt. Zumeist sitzt nur ein Fahrgast im Bus. Man hofft nun durch Verbesserungen im Fahrtenangebot, die Frequentierung steigern zu können.

Wie die für den Bereich "Nachhaltige Entwicklung" des Landkreises zuständige Nadja Kulpa-Goppert berichtete, wurden in der Gemeinde Strullendorf in den ersten elf Betriebsmonaten an 224 angebotenen Fahrtagen insgesamt 143 Fahrgäste befördert, 0,6 Fahrgäste pro Tag. In dieser Zeit entstanden Betriebs- und Fixkosten in Höhe von 10.002 Euro, mithin Aufwendungen von 70 Euro pro Fahrgast. Davon abzuziehen sind die Einnahmen - einige wenige Euro. Sie können noch nicht genau beziffert werden, weil manche Fahrgäste Dauerkarten benutzen. Die Abrechnung lässt auf sich warten. Bei der Planung des Rufbusses lag die bessere Anbindung der Gemeindeteile Strullendorfs an den Schienenverkehr in Richtung Erlangen im Fokus. Die Neuplanung sieht nun vor, die Linie mehr an die Abfahrtszeiten der S-Bahn in Richtung Bamberg anzupassen. Außerdem sollen neue Haltestellen beim Einkaufsmarkt netto und beim Mehrgenerationenhaus eingerichtet werden. Die Gemeinde Strullendorf steht bei der Kreisverwaltung im Wort, den Bekanntheitsgrad des Rufbusses zu steigern. Kommentar des stellvertretenden Landrats Pfister: "Sonst schaut's ganz schlecht aus! Da bekommen wir ein Akzeptanzproblem, wenn pro Fahrt 70 Euro draufgelegt werden müssen!" Es müsse gelingen, in der Phase des Pilotprojekts die Fahrgastzahlen deutlich zu erhöhen, hieß es weiter.

Bus als Knotenpunkt
Der Rufbus im Steigerwald schneidet etwas besser ab. Er bedient die Gemeinden Burgebrach, Burgwindheim, Ebrach, Schlüsselfeld und Schönbrunn mit ihren zahlreichen Ortsteilen. Ziel ist die Verbindung des Umlandes mit Versorgungs- und Einkaufszentrum sowie dem Krankenhaus in Burgebrach. Eine Rolle spielt Burgebrach auch als Knotenpunkt zum Umsteigen auf die VGN-Buslinie Richtung Bamberg bzw. Ebrach. Hier wurden im ersten Betriebsjahr an 252 Fahrtagen 6560 Fahrgäste transportiert, 2,6 pro Tag. Es entstanden dafür Betriebs- und Fixkosten in Höhe von 26.047 Euro, pro Fahrgast ein Schnitt von 39,50 Euro.

Der Rufbus Jura kurvt durch die Stadt Scheßlitz und die Gemeinden Stadelhofen-Steinfeld, Königsfeld und Wattendorf mit vielen Ortsteilen. Die Bewohnern sollen so Scheßlitz erreichen. Hier wurden an 224 Fahr tagen 4211 Fahrgäste befördert. Bei Gesamtkosten von 44.351 Euro entsteht ein Schnitt von 10,50 Euro pro Fahrgast. Der höhere Auslastungsgrad ist darauf zurückzuführen, dass pro Schultag im Abschnitt Stadelhofen-Steinfeld zehn Schüler mitfahren. Außerdem dient dieser Rufbus den Schülern als Zubringer zu den Buslinien nach Bamberg.
Für die CSU-Fraktion erklärte Jakobus Kötzner, dass man auf Anlaufschwierigkeiten gefasst war, nun aber nachbessern müsse. Kötzner riet zu einer neuen Bedarfsumfrage und verstärkter Werbung, zum Beispiel unter der Woche im Fränkischen Tag und nicht mit einem Wurfzettel im Werbepacken am Wochenende. Sollte sich das Projekt in Strullendorf nicht steigern lassen, schlug Kötzner die Verlagerung auf einen anderen Bereich des Landkreises vor. Auch Sigrid Reinfelder (BBL) wünschte, anderen Gemeinden die Chance zu geben, sich zu beteiligen.

Die Kreisverwaltung verweist allerdings darauf, dass das Pilotprojekt aus dem Nahverkehrsplan entwickelt wurde. Demnach wäre es schwierig, etwas Neues zu erproben. Bernd Fricke (Grüne) will da gar nicht feilschen: "Wenn im Frühjahr die Zahlen aus Strullendorf nicht besser sind, sollte man diesen Rufbus einfach einstellen!"
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