LKR Bamberg
Rettungswesen

Rüpel, Raser, Rücksichtslose

Wegen steigenden Gefahren bei Einsätzen auf den Autobahnen stattet der Landkreis Wehren an A 70 und A 73 mit Verkehrssicherungsanhängern aus.
Artikel drucken Artikel einbetten
Der Verkehrssicherungsanhhänger der Scheßlitzer Feuerwehr Foto: FFW Scheßlitz
Der Verkehrssicherungsanhhänger der Scheßlitzer Feuerwehr Foto: FFW Scheßlitz

"Wir möchten nicht mehr ohne ihn auf die Autobahn", sagt Felix Weber, Zweiter Kommandant der FFW Scheßlitz. Er, das ist der Verkehrssicherungsanhänger, den sich die Scheßlitzer Stadt-Feuerwehr 2004 gebraucht von der Brunntaler Wehr gekauft hat. Viele Feuerwehrkollegen, die ihrerseits auf Autobahnen zu Einsätzen müssen, beneiden die Scheßlitzer wohl um dieses Gerät. Aufgrund der positiven Erfahrung in Scheßlitz wird nun der Landkreis aktiv und stattet weitere Wehren mit derartigen Anhängern aus.

Die Zahlen sprechen für sich: Jedes Jahr müssen die an den Autobahnen A 70 und A 73 gelegenen Feuerwehren im Schnitt zu 160 Einsätzen ausrücken. Autobahnen sind besonders gefährlich, so Kreisbrandmeister Gerald Uch - "wegen des hohen Verkehrsaufkommens und wegen der hohen Geschwindigkeiten". Er kennt Begebenheiten von Kollegen, die sich selbst auf der Schnellstraße nur durch einen beherzten Sprung über die Leitplanke retten konnten. Ihm selbst sind bei Innerort-Einsätzen oftmals Verkehrsteilnehmer "beinahe über die Füße gefahren". Das zeigt ansatzweise, wie gefährlich der Job der Feuerwehrleute ist.

Voll hinter der Anschaffung steht der oberste Brandschützer im Landkreis, Bernhard Ziegmann. Wegen der positiven Erfahrungen der Scheßlitzer und weil er natürlich alles unterstützt und befürwortet, was die Arbeit der Wehren sicherer macht. Das sei angesichts des zunehmend rücksichtsloseren Verhaltens der Verkehrsteilnehmer gegenüber Einsatzkräften aller Art mehr als angesagt.

So schafft er im kommenden Jahr insgesamt acht Verkehrssicherungsanhänger an.

Bestimmt sind sie für diejenigen Feuerwehren, die auf den Autobahnen eingesetzt werden. Hauptsächlich von den Autobahnen kennt man solche Anhänger: Sie werden verwendet, um die Verkehrsteilnehmer auf bestimmte Situationen aufmerksam zu machen, etwa Baustellen, wenn es einspurig wird oder auf andere Veränderungen auf der Straße aufmerksam zu machen gilt.

Vier Meter hoch

Verkehrssicherungsanhänger verfügen in aufgeklapptem Zustand über eine Höhe von vier Metern und werden 800 Meter vor der Einsatzstelle aufgestellt, erklärt der Kreisbrandmeister. Das soll gewährleisten, dass früh genug auf die Gefahrenstelle aufmerksam gemacht und Infos über Spurwechsel, Sperrungen und Ähnlichs signalisiert wird, wodurch die Kräfte ihre Arbeit abgesichert tun können sollten.

Neben Autobahnmeistereien verwenden Straßenmeistereien derartige Verkehrssicherungsanhänger. Doch laut Ziegmann dauert es bisweilen, bis sie vor Ort sind. Verfügen Wehren über diese Ausrüstungsgegenstände, können sie am Einsatzort gleich selbst für mehr Sicherheit während ihrer Tätigkeiten sorgen. Eigentlich, so Ziegmann weiter, hatte er beantragt, diese Anhänger nach und nach in den Jahren 2019 bis 2021 zu beschaffen. Landrat Johann Kalb (CSU) hielt es jedoch für sinnvoller, alle acht auf einmal zu besorgen, um möglichst viele Autobahn-Feuerwehren damit auszurüsten.

Mit den Wehren sei abgestimmt, dass sie über den nötigen Platz zum Unterstellen der Anhänger verfügen. Vorhanden seien indes auch die Fahrzeuge, an die sie angehängt werden. Das sind Fahrzeuge im mittleren Tonnagebereich mit zwischen fünf und sieben Tonnen Gewicht. Sie dürfen dann mit einer Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern zum Einsatzort gezogen werden. Schneller fahren die Feuerwehrautos nicht, so der Kreisbrandrat auf Nachfrage.

Damit die Teams die Verkehrssicherungsanhänger optimal einsetzen können, seien entsprechende Schulungen erforderlich. Hierfür stehe dann Kreisbrandinspektor Björn Herrmann zur Verfügung. Wie dieser verrät, erstellt er gerade die nötigen Schulungsunterlagen. Die Anschaffung der Anhänger ist (abzüglich der Fördermittel) mit Kosten von rund 80 000 Euro veranschlagt. Ausgerüstet werden damit die Wehren an den Autobahnen A 70 und A 73. Konkret sind es die Feuerwehr in Baunach, in Gräfenhäusling, in Gundelsheim, in Scheßlitz, Seigendorf, Trunstadt und Zapfendorf.

Gefährdung minimieren

Wie es dazu im Kreisausschuss geheißen hatte, handle es sich bei diesen Anhängern um "ein Warnmittel, das die Gefährdung der Einsatzkräfte erheblich mindert." Wie gefährlich Einsätze auf Autobahnen sind, zeigt die Tatsache, dass immer wieder Warnpylonen, Leuchten und Warnklappdreiecke kaputt gefahren werden, so Uch. "Zum Glück ist bis jetzt noch nichts passiert", meint Ziegmann in Bezug auf die Einsatzkräfte der Wehren. Mithilfe der neuen Ausrüstung soll daran gearbeitet werden, dass dies auch so bleibt. Und nach Aufstellen der Anhänger müssen die Kräfte das Zugfahrzeug verlassen. Denn nicht selten werden Warnanhänger kaputtgefahren.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren