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Fasching

Doch kein Faschingsumzug in der Nacht: Warum die Narren in Bamberg nein sagen

Stadtmarketing macht beim nächtlichen Gaudiwurm einen Rückzieher. Die umstrittene Veranstaltung wird abgeblasen.
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Es sollte Bambergs erster Faschingsumzug im Dunkeln sein. Wäre es nach dem Stadtmarketingverein gegangen, hätte sich der Gaudiwurm erstmals in den Abendstunden eines Samstags vom Markusplatz über die Lange Straße bis zum Maxplatz geschlängelt - mit mehr Wagen, prächtigeren Aufbauten und im hellen Schein von Lichtern und Laternen. Der sonst übliche Umzug am Nachmittag des Faschingsdienstag sollte ersatzlos entfallen.

Doch dazu kommt es nicht. Klaus Stieringer, Geschäftsführer von Stadtmarketing, hat am Freitag gemeinsam mit dem Vorstand des Vereins, die Notbremse gezogen und die Entscheidung der letzten Monate wieder revidiert.

Ganz leicht fiel der Rückzieher offenbar nicht: "Wir hätten es gerne ausprobiert. Nun hat sich der fränkische Ansatz durchgesetzt. Wir belassen es so wie es ist. Wir fügen uns damit auch dem Mehrheitswunsch."

Was ist das wirkliche Problem?

Hört man Stieringer, dann ging es ihm nicht darum, wie manche unterstellt hatten, durch den nächtlichen Gaudiwurm den Umsatz im Einzelhandel in Verbindung etwa mit einer langen Einkaufsnacht oder einem verkaufsoffenen Sonntag anzukurbeln. Auch das Interesse der Zuschauer sei nicht das Thema. "Wir stehen vor einem ganz anderem Problem. Die Zahl derer, die bei dem Zug als Teilnehmer mitwirken, wird von Jahr zu Jahr kleiner. Bei einem Samstagsumzug hatten wir uns mehr Mitwirkende erhofft."

Dass es mit dem Faschingsumzug in Bamberg im Vergleich zu mancher Umlandveranstaltung nicht zum besten bestellt ist, ist ein offenes Geheimnis in Bamberg. Seit langem geht die Zahl der Wagen und Gruppen zurück, die mit Helau und Süßigkeiten im Gepäck durch Bamberg ziehen. 2018 waren es noch 40 Gruppen mit 25 Wagen - eher ein Gaudiwürmchen.

Was auch an den gestiegenen Sicherheitsauflagen liegt, die nicht nur die Bamberger Narren zum Nachdenken bringen. Norbert Tscherner, der die Stadtspitze seit Jahren auf seinen Wagen auf die Schippe nimmt, spricht von vier Sicherheitskräften, die mittlerweile pro Wagen gestellt werden müssen - ein Mann pro Achse. Auch bei den Süßigkeiten sei der Veranstalter nicht mehr so großzügig wie früher. "Wir müssen heute alles selbst mitbringen."

Wäre es zum ersten Bamberger Nachtumzug gekommen, einer "atemberaubenden Neuerung", wie Stadtmarketing auf seiner Homepage warb, dann wären die nötigen Sicherheitsauflagen freilich weiter gestiegen. "Wir haben nichts gegen den Nachtumzug. Aber klar ist auch, dass es der Zeitpunkt notwendig macht, mehr Sicherheitspersonal als bisher an der Strecke zu postieren und auch rund um die Wagen", sagt Thomas Schreiber von der Bamberger Polizei.

Ein ganz anderes Publikum?

Grund für die steigenden Auflagen ist dabei nicht nur die Ende Februar gegen 18.30 Uhr hereinbrechende Dunkelheit, sondern auch der nach Einschätzung der Polizei zu vermutende höhere Alkoholspiegel bei einer Veranstaltung am Samstagabend. "Man wird mit einem völlig anderen Publikum rechnen müssen als bei einer Nachmittagsveranstaltung. Das Risiko, dass da jemand unter die Räder kommt, ist einfach höher", sagt Schreiber.

Braucht Bamberg einen Nachtumzug? Das Echo auf diese Frage ist eindeutig, wie das Ergebnis einer Umfrage belegt, die Stadtmarketing unter den 250 Faschingsgesellschaften der Region durchgeführt hatte. 60 Prozent der antwortenden Vereinigungen hat sich für den Nachmittagstermin ausgesprochen, nur 30 Prozent für eine Abendveranstaltung.

Noch eindeutiger waren die Kommentare in den Meinungsspalten in den sozialen Netzwerken und auf infranken.de. Dort stieß die Idee von Stadtmarketing auf einhellige Ablehnung.

Möglicherweise hat die Debatte aber doch etwas Gutes: Wenn der Gaudiwurm am Dienstag, 5. März, bei Tageslicht durch Bamberg ziehen wird, dürfte ihm mehr Aufmerksamkeit gelten als in den Jahren zuvor. Klaus Stieringer hofft deshalb, dass sich das gestiegene Interesse auch in den Teilnehmerzahlen widerspiegelt: "Wenn die Zahl der Wagen und Gruppen weiter sinkt, dann macht der Faschingsumzug irgendwann keinen Sinn mehr."



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