Bamberg
Landgericht

Rotlicht-Prozess: Bei Buttersäure-Anschlag waren Menschen im Bordell

Am Dienstag (17.04.18) sagten Zeugen aus, die nichts mit den kriminellen Übergriffen im Milieu zu tun hatten - und doch plötzlich mittendrin waren.
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Feuerwehr-Einsatzkräfte mussten nach dem Anschlag mit stinkender Buttersäure die Räume lüftenNews5/Merzbach
Feuerwehr-Einsatzkräfte mussten nach dem Anschlag mit stinkender Buttersäure die Räume lüftenNews5/Merzbach
Den 21. September 2016 wird Oliver M. (alle Namen geändert) wohl nicht so schnell vergessen: Er wollte die Dienste einer Prostituierten in einem Bordell in Anspruch nehmen, als in dem Haus plötzlich Lärm ausbrach: "Ich war bei der Dame im Zimmer, da hat es plötzlich einen riesen Schlag getan und die Tür wurde beschädigt."

Was das konkret heißt, ist in der Anklageschrift zu lesen: Drei von sieben Angeklagten sollen das Etablissement am Laubanger verwüstet haben, indem sie mit Äxten Löcher in die Türen schlugen und einen Wasserhahn zerstört haben. Die Prostituierte und der Freier haben laut dessen Aussage mit vereinten Kräften die Zimmertür zugehalten. Bis zum Eintreffen der Polizei verharrten die beiden in dem Zimmer. "Durch die Löcher in der Tür wurde eine Flüssigkeit gespritzt, die mit meinen Beinen in Berührung kam", sagte der 27-jährige Oliver M. aus dem Landkreis Forchheim.

Es war Buttersäure, die nicht nur bestialisch stank, sondern auch die Haut des jungen Mannes verletzte. Eine Cortisonsalbe verschaffte später Linderung, mit den zurück gebliebenen, kleinen Narben könne er leben. "Es tut mir leid, ich habe Sie versehentlich mit der Buttersäure getroffen", sagte der gleichaltrige Angeklagte Rüdiger D. "Ich will mich entschuldigen." Er bot ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro an.

Auch die Angeklagten Peter U. (27), Benjamin C. (26) und Stefan D. (24) sagten persönlich oder über ihren Anwalt, dass es ihnen leid tue. Wie formulierte es Peter U. vor dem Bamberger Landgericht so treffend: "Es war nichts Persönliches, sondern ein Missgeschick."


Falsches Auto angezündet

Die drei hatten nämlich nicht, wie ursprünglich geplant, das Auto eines Bordellbesitzers in Brand gesteckt. Sondern aus Versehen das eines unbeteiligten Mannes aus dem Landkreis Kitzingen. Der Grund: Beim Notieren des Nummernschildes war es zu einem Buchstabendreher gekommen. So ging nicht ein schwarzer Audi Q7 in Flammen auf, sondern ein grüner Ford Focus. Dieser war am 17. Januar 2017 mit einer Plane zum Schutz vor Frost verdeckt gewesen. Diese verschmolz allerdings stellenweise mit dem Lack des Autos, nachdem ein Molotow-Cocktail geflogen kam.
Das berichtet der Eigentümer des Wagens vor Gericht. Der Mann ist vor allem froh, dass er mehrere Brandherde mit einem Feuerlöscher zügig in den Griff bekam. "Das Garagentor ist aus Holz und war schon angekokelt. Nur 20 Zentimeter höher liegt das Küchenfenster und wir haben einen Holzfußboden", deutete der Mann an.

Er und seine Lebensgefährtin hätten eine Zeitlang Angst gehabt. "Wir dachten, es waren vielleicht Jugendliche. Ein paar Nachbarn haben einen anderen Nachbarn verdächtigt." Nachdem sich herausgestellt habe, dass es sich um eine Verwechslung gehandelt habe, seien die beiden Hausbewohner nicht mehr so besorgt.
Das eigentliche Ziel der Sachbeschädigung war das Auto des Bordellbesitzers, der sein Etablissement am Laubanger betrieb. Jenes Haus, auf das auch zwei Buttersäure- und ein Brandanschlag verübt wurden. Verantwortlich dafür sollen die sieben Angeklagten im Alter von 24 bis 55 Jahren sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Winfried E., der Älteste und selbst Bordellbetreiber, der Drahtzieher war. Ihm sei es darum gegangen, die Konkurrenz am Laubanger auszuschalten. Dazu habe er seinen Nachfolger, den 27-jährigen Peter U., angewiesen.
Über diesen sowie die beiden mutmaßlichen Mittäter Benjamin C. und Sebastian O. erstattete der psychiatrische Sachverständige am Dienstag sein Gutachten. Ergebnis: Alle drei Männer sind trotz ihrer Zuneigung zu Alkohol und Drogen schuldfähig.

Der Prozess wird am 23. April um 9 Uhr mit weiteren Zeugen fortgesetzt.


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