Bamberg
Mobilität

Rollator-Test bei der DB: Bambergerinnen fahren mit

Stufen, Türen und Zeitdruck: Zugfahren mit dem Rollator ist eine Herausforderung. Zwei Bambergerinnen haben sich ihr gestellt.
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Heidemarie Montag übt das Aussteigen mit Rollator. Beraten wird sie von Fabian Haberkorn (Mitte) und Jochen Haag.  Fotos: Barbara Herbnst
Heidemarie Montag übt das Aussteigen mit Rollator. Beraten wird sie von Fabian Haberkorn (Mitte) und Jochen Haag. Fotos: Barbara Herbnst
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Die letzte Zugfahrt war der Horror. Zwei Fahrgäste haben Margarete Wagner festgehalten, damit sie beim Aussteigen nicht aus dem Zug stürzt. Eine schlimme Erinnerung für die 81-Jährige, die damals noch an Krücken ging.

Dabei sollte es eigentlich ein schöner Ausflug werden, nach Bad Staffelstein in die Therme. "Die hat mir immer so gut getan", sagt sie wehmütig. Nun sitzt sie wieder im Zug, diesmal mit Rollator statt Krücken. Wieder heißt es arbeiten mit dem Hilfsmittel, konzentrieren, koordinieren.

 

 


Genau das ist der Sinn des Ausflugs: Margarete Wagner ist Teilnehmerin am "Rollatortag" in Bamberg. Hauptorganisator ist der Verein "Deutsche Seniorenliga", Partner sind ein Rol-latorhersteller, ein Reha-Fachbetrieb aus Bamberg und die Deutsche Bahn.

Ein- und Aussteigen üben
Motto des Tages: "Mit dem Rollator sicher unterwegs" - und zwar am Bahnhof und im Zug. Mit der Bahn geht es von Bamberg nach Lichtenfels, dort ist Zeit für ein Ein- und Aussteigetraining.

Margarete Wagner ist nervös - nicht nur sie. Gerade ist sie mit Heidemarie Montag (66), die ebenfalls aus Bamberg stammt, ins Gespräch gekommen. "Manchmal ist es mir richtig peinlich, wenn ich jemanden um Hilfe bitten muss", erzählt Margarete Wagner. Heidemarie Montag sagt leise: "Ich trau mich oft gar nicht fragen."
Beide fahren zum ersten Mal mit Rollator Bahn. Ihre Sorge: "Hoffentlich kommen wir rechtzeitig raus, bevor der Zug weiterfährt!" Birgit Pörner, stellvertretende Sprecherin Personenverkehr der Deutschen Bahn, gibt Entwarnung: "Der Zug wartet natürlich. Der Zugbegleiter passt auf, dass jeder ein- und ausgestiegen ist."
Und was ist mit den Türen, die automatisch schließen? Eine Lichtschranke - ähnlich wie im Aufzug - sorgt dafür, dass sie geöffnet bleiben, wenn jemand im Einstiegsbereich steht.

So wie die beiden Damen, die an der Endstation Lichtenfels das Ein- und Aussteigen mit dem Rollator üben. Raus aus dem Zug, das funktioniert gut. Aber rein? Schließt die Tür oder Rampe ebenerdig mit dem Bahnsteig ab, gibt es kaum Probleme. Aber in Lichtenfels müssen die beiden Bamberger Seniorinnen eine Stufe überwinden.

Fabian Haberkorn, Produktmanager eines Rollator-Herstellers erklärt: "In diesem Fall sollten Sie rückwärts einsteigen. Nicht, dass Sie stürzen, wenn Sie den Rollator vom Bahnsteig nach unten in den Zug setzen."
Der Ablauf: Parkbremse des Rollators ziehen, eine Hand am Griff behalten, die andere an die Zugtür. Dann einen Schritt nach hinten unten machen.

Margarete Wanger ist skeptisch. Rückwärts einen Schritt nach unten? Aber sie probiert es und stellt fest: "Das geht eigentlich auch."

Stufen sind ein Problem, wie sie auf dem Rückweg nach Bamberg sagt. Gerade im Alltag. In der Wohnung kommt sie klar, aber beim Hausarzt muss sie sechs Stufen nach oben. Also den Rollator unten abstellen und sich beim Treppengehen helfen lassen. Oder die Krücken nehmen. Aber wie soll sie die transportieren? Am Rollator.

Rollatorgewicht von Bedeutung
Für den Gehwagen gibt es zahlreiche Ausstattungselemente: Halterungen für Krücken, Regenschirm, zusätzliche Taschen oder einen Rückengurt.

Jochen Haag von einem Bamberger Reha-Fachbetrieb weiß: Das erleichtert den Alltag mit dem Rollator. Am wichtigsten ist aber der Rollator an sich. Mit dem Standard-Kassenmodel tun sich die Betroffenen im wahrsten Sinne "schwer". Um die elf Kilo wiegt so ein Gerät. Die modernen Rollatoren wiegen etwa sieben Kilo. "Das merkt man gleich beim Hochheben", sagt Haag.

Allerdings kostet ein solcher leichterer Gehwagen um die 400 Euro, der Standard-Wagen, den die Krankenkasse zahlt, etwa 100. Manche Kassen beteiligen sich laut Haag am teureren Modell.

Mit zwei solchen sind die beiden Bamberger Seniorinnen unterwegs. "Damit geht das Busfahren deutlich leichter", sagt Margarete Wagner - und jetzt auch das Bahnfahren. Etwas Unsicherheit bleibt aber. Kommt ein moderner Zug mit Rampe? Oder ein alter Nahverkehrszug mit Treppe und nichtautomatischen Türen?
Deswegen empfiehlt Birgit Pörner, vor einer Zugfahrt mit Rollator bei der Mobilitätsservicezentrale der Bahn anzurufen und sich anzumelden (Nummer im nebenstehenden Kasten).

Margarete Wagner und Heidemarie Montag werden bald eine andere Nummer wählen - die der jeweils anderen. Sie haben sich auf der Zugfahrt so gut verstanden, dass sie Kontaktdaten ausgetauscht haben.

 

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